Leserbriefe

"Es geht um die politische Kultur"

Leser zur möglichen Kandidatur von Ex-Justizsenator Michael Braun (CDU) für den Deutschen Bundestag

Mit einer gewissen Verwunderung habe ich gelesen, dass Michael Braun offensichtlich erwägt, für den Bundestag zu kandidieren. Ich kann Elmar Pieroth nur zustimmen. Es kann doch nicht sein, dass ein Politiker, der unter den bekannten Umständen sein Amt im vergangenen Jahr zurückgegeben hat, nun für ein neues Mandat kandidiert. Es geht hier nicht um die rechtliche Relevanz, sondern um die politische Kultur. Daher verbietet sich ein solches Ansinnen eigentlich von selbst. Hat Michael Braun der politischen Klasse nicht bereits genug Schaden zugefügt?

Dr. Volkmar Fichtner, per E-Mail

Die Ära von Michael Braun als Berliner Justizsenator gehört doch wohl der Vergangenheit an, schon alleine deswegen, weil es ja wohl ohne juristische Konsequenzen bleibt. Als Berliner Bürger würde ich es begrüßen, von einem Juristen und erfahrenen Abgeordnetenhaus-Fraktionsvize im Deutschen Bundestag vertreten zu werden. Die Arbeit von Außenpolitiker Karl-Georg Wellmann kann ich bis jetzt zwar nicht beurteilen, aber schlimmer als die seines Spandauer Kollegen Kai Wegner kann sie nicht sein. Von daher würde ich es begrüßen, wenn einer der beiden Kandidaten in Steglitz-Zehlendorf antritt, der andere in Spandau.

Holger Voss, Spandau

Es verschlägt einem die Sprache. Herr Braun sieht sich selbst rehabilitiert. Offensichtlich mit viel Einfluss macht er als Vorsitzender in seinem Kreisverband weiter, als sei nichts gewesen. Hat der Mann kein Unrechtsbewusstsein? Nun will er Volksvertreter im Bundestag werden. Braun gehört zu der Gattung von Politikern, die den redlichen Politikern das Ansehen versauen. Um glaubhaft zu sein, müsste sich die Berliner CDU von solchen Politikern konsequent trennen.

Gero Neumann, Steglitz

Demografischer Wandel in Deutschland ist kaum aufzuhalten

Zum Artikel: "So wenige Geburten in Deutschland wie niemals zuvor" vom 3. Juli

Deutschland vermeldet einen neuen Allzeitrekord: Im Jahr 2011 wurden mit 662.712 die wenigsten Babys in der Geschichte Deutschlands geboren. Dagegen liegt die tatsächliche Zahl der Schwangerschaftsabbrüche 2011 bei mindestens 200.000, da das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung davon ausgeht, dass lediglich 60 Prozent der Schwangerschaftsabbrüche erfasst wurden. Und das trotz Kinder- und Elterngeld und eines immer vielfältiger werdenden Angebots an Ganztagsbetreuung. Woran liegt das? Hierzu ein Erklärungsversuch. In meinem Bekanntenkreis höre ich von Partnern immer häufiger die Frage: "Können wir uns überhaupt ein Kind leisten?" Dabei wird das Kind wie in einem Unternehmen eine Investition betriebswirtschaftlich nach Kosten- und Nutzengesichtspunkten betrachtet und ermittelt, wann sich diese Anschaffung amortisiert hat. Kein Wunder, dass der demografische Wandel in Deutschland kaum aufzuhalten ist, denn diese Rechnung wird nie aufgehen. So müssen wir Deutschen zwangsläufig aussterben.

Roland Klose, per E-Mail

Bagatellisierung von Missständen hat mit Tourismuswerbung nichts zu tun

Zum Artikel: "Berlin-Tourismus boomt besonders im August" vom 5. Juli

Das Gerede von Tourismuswerber Burkhard Kieker wird immer unerträglicher. Das Berliner Baustellenchaos redet er mit der "Dynamik in dieser Stadt" schön. Noch schlimmer, er versteigt sich dazu, Berlin mit Mexiko City zu vergleichen, wo man täglich stundenlang im Stau stehe. Mexiko City ist die Hauptstadt eines Schwellenlandes und hat zwischen 16 und 20 Millionen Einwohner. Dieser Moloch hat mit Berlin nichts gemein. Schon beim Flughafenskandal sagte Kieker, dass alles doch nicht weiter schlimm sei und man sich darüber nicht aufregen solle. Touristen würden auch weiter nach Berlin fliegen. Die öffentliche Bagatellisierung von Missständen hat mit Tourismuswerbung nichts zu tun. Es ist vielmehr diese Einstellung von Wurschtigkeit, die in Berlin weit verbreitet ist, durch die Pannen und Skandale begünstigt und gefördert werden.

Fritz Thaler, Rudow

Eine Kulturnation sollte auf derart zweifelhafte Delikatessen verzichten

Zum Artikel: "Gourmetkrieg um Gänsestopfleber" vom 3. Juli

Man kann Kalifornien zum Verbot von Stopfleber nur gratulieren. Diese Tierquälerei wird auch nicht dadurch besser, dass sie schon lange praktiziert wird. Eine Kulturnation (auch Deutschland) muss sich korrigieren können, um Missstände zu beseitigen. Warum angesichts dieses Tierleids Gourmetköche und Restaurantkritiker Gänsestopfleber fordern, verstehe ich nicht.

Dr. Peter Ollick, per E-Mail