Leserbriefe

"Freie Hand für Bankrotteure"

Leser zu dem von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Brüssel ausgehandelten Euro-Kompromiss

Da verhandelt die Kanzlerin bis tief in die Nacht, um einen politischen Kompromiss hinzubekommen, den sie so eigentlich nicht wollte. In Brüssel hat man sich geeinigt, alle waren erleichtert und zufrieden. Der Steuerzahler haftet letztlich europaweit für marode Banken. Die Politik und die Finanzmärkte sind erfreut. Aber wollte das der Steuern zahlende Wähler so?

Franko Gestrich, Lichtenrade

Die Wendehals-Kanzlerin Angela Merkel hat beim EU-Gipfel in Brüssel wieder einmal völlig versagt. Sie hat den europäischen Bankrotteuren freie Hand zur Weiterführung der Misswirtschaft auf Kosten Deutschlands gegeben. Nun beginnt der Todeskampf der Bankrottwährung Euro bis zum endgültigen Crash. ESM stellt das primitivste und zugleich für Deutschland folgenschwerste Machwerk dar, das jemals von deutschen Politikern gebilligt wurde. Ein trauriges Zeichen für das totale Versagen unserer derzeitigen Bundestagsabgeordneten aller Parteien.

Herbert Gaiser, per E-Mail

Die Mehrheit der Europäer will den Ausbau der EU zu einem stabilen Staatenbund, den Vereinigten Staaten Europas. Doch Vorsicht ist geboten. Vielfach zu schnell erfolgte die Erweiterung der EU. Statt sich stärker der Formen der Assoziierung zu bedienen und die jeweilige Mitgliedschaft gemeinsam vorzubereiten, setzte man auf Tempo und Vertrauen, welches vielfach missbraucht wurde. Begehrlichkeiten und der Schutz der Gemeinschaft führten zu einer ungebremsten Situation, die wir nun Krise nennen. Über seine Verhältnisse zu leben wurde zur Gewohnheit. Wir wollen ein Europa der Ehrlichkeit, der Kreativität und des Fleißes, der gleichen Auffassung über Wertschöpfung und deren Inanspruchnahme, Bildungsmöglichkeiten und soziale Sicherheit, Chancengleichheit, kulturelle Teilhabe. Wir wollen eine an der wirtschaftlichen Leistungskraft des jeweiligen Landes orientierte soziale Gesetzgebung, dass trotz Solidarität keiner auf Kosten des anderen lebt. Wir wollen kein Europa der politischen Erpresser, Spekulanten und Zocker, gewissenloser Gewinnler, Trickser und Täuscher, Steuerhinterzieher und keine Vorteilsnahme Einzelner. Wir wollen nicht, dass unsere Kinder und Kindeskinder fremder Leute Luxus und Wohlstand bezahlen, dass sollen die tun, die ihre Schulden locker selbst bezahlen könnten. Die Sanierung Europas braucht viel Zeit, die Gestaltung unseres neuen Europas noch viel mehr.

H.Kunzelmann, per E-Mail

Jetzt wird langsam jedem klar, dass Europa, die EU und der Euro eine Menge Geld kosten. Wer gedacht hat, dies alles umsonst zu bekommen, sieht sich enttäuscht und getäuscht. Es kristallisiert sich auch immer mehr heraus, dass bei dem Entscheid, wer bei der EU mitmachen darf, Äpfel, Birnen und faule Obstsorten vermischt wurden. Das rächt sich jetzt. Solange die Voraussetzungen in den Ländern wie Höhe der Steuern, Renteneintrittsalter und andere wichtige Komponenten nicht einheitlich sind, wird es so sein, dass der noch reiche Norden der EU den schon jetzt fast bankrotten Süden auf immer und ewig alimentieren muss. Das kann nicht lange gut gehen.

Lothar Wirth, per E-Mail

Die Euro-Krise und damit die hohe Staatsverschuldung aller Länder ist derzeit das alles beherrschende Thema und wird es bis zum großen Finale mit sicher negativem Ausgang für alle auch bleiben. Es wurde in Deutschland vor dieser Krise schon seit Jahren auf die immer höhere Staatsverschuldung hingewiesen mit der Sorge, dass wir dies alles nicht unseren Kindern hinterlassen können. Aber was wir bisher allein verschuldet haben, ist im Verhältnis zu dem, was uns jetzt und künftig unsere Partner in Europa aufbürden, ein Klacks. Umso weniger ist es zu verstehen, dass all wir Bürger in Deutschland das so leise hinnehmen. Während in Griechenland und anderen Ländern die Menschen auf die Straße gehen und laut anklagen, sind wir als deutsche Bürger sehr ruhig. Die Bundeskanzlerin versucht permanent zu verhindern, dass Deutschland all die Lasten der anderen übernimmt. Zu ihrer Unterstützung gibt es keine große öffentliche Zustimmung. Warum rufen nicht Gewerkschafts- und Wirtschaftsverbände das Volk auf, öffentlich und für die anderen Länder hörbar unsere Meinung zu sagen. Wir machen uns heute schuldig, dass nachkommende Generationen neben allen anderen Zukunftsthemen diese enormen Lasten der Euro-Krise wahrscheinlich nicht mehr bewältigen können.

Helmut Meinicke, per E-Mail

Frau Merkel sollte sehr genau aufpassen, wem sie unsere Milliarden anvertraut. Solange alles ohne jede Kontrolle ziemlich sorglos mit der Gießkanne verteilt wird, bin ich gegen jeden sogenannten Rettungsschirm. Wir möchten nicht auch noch im Abgrund landen, denn am Rande stehen wir ja wohl schon.

Hans-Jürgen Lede, Staaken