Leserbriefe

Mehrkosten trägt der Steuerzahler

Leser zu der Verteuerung des Flughafens BER und einer möglichen weiteren Verschiebung der Eröffnung

Glaubt denn der ins Straucheln geratene Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit tatsächlich, dass seine Landeskinder so vergesslich und dumm sind und seinen (hilflosen) Aussagen Glauben schenken? Denn auch seine Besänftigungsversuche, "der Steuerzahler solle nicht in Gänze für die Mehrkosten aufkommen müssen", denn "zunächst sei die Flughafengesellschaft gefordert, selber einen Betrag zu leisten", ist reine und gezielte Volksverdummung. Das ist eines wirklichen Landesvaters unwürdig. Die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg gehört den "öffentlichen" Gesellschaftern Bund zu 24,5 und zu je 37,75 Prozent den Ländern Berlin und Brandenburg. Würde diese GmbH Gewinne erzielen, würden diese anteilig in die entsprechenden Haushalte dieser Gesellschafter fließen. Aber auch und insbesondere die Verluste haben die vorgenannten drei Gebietskörperschaften zu tragen. Entweder werden die Gebühren der Flughafengesellschaft erhöht, die schließlich auch die Bürger als Nutzer tragen, oder die zu erwartenden Verluste tragen die Steuerzahler über die Haushalte des Bundes und der beiden Länder. Die Steuerzahler zahlen so oder so.

Norbert Gewies, Konradshöhe

Ein Flughafenbau ist kein technisches Neuland. Alles wurde weltweit unter ähnlichen Bedingungen schon zigfach erstellt. Nur der BER-Aufsichtsrat tut so, als ob hier ganz etwas Neues entsteht. Verantwortlich für dieses Desaster ist - neben dem entlassenen Technischen Leiter und betrieblichen Geschäftsführer für das gesamte Bauprojekt - hauptsächlich der 15-köpfige Aufsichtsrat. Ein Aufsichtsrat, der die Beratung und Überwachung der Geschäftsführung anscheinend unzureichend wahrnimmt, der nicht kontrolliert oder nicht kontrollieren kann, hat in der Ausführung seiner Funktion versagt und sollte die Konsequenzen daraus ziehen. Wie hilflos und unprofessionell der Aufsichtsrat arbeitet, haben Berlins Regierender Bürgermeister Wowereit und Brandenburgs Ministerpräsident Platzeck bereits am 8. Mai 2012 bewiesen, als sie unmittelbar nach der Bekanntgabe des geplatzten Termins der Flughafeneröffnung die zweite Augusthälfte 2012 als vermutlich neuen Termin nannten. Jetzt soll aber erst im August entschieden werden, ob der BER am 17. März 2013 definitiv in Betrieb geht. Man darf gespannt sein, ob der neue Technische Geschäftsführer der Flughafengesellschaft seine Erfahrungen zielführend einsetzen kann.

Dr. Hans-Dieter Seul, Lichterfelde

Das ganze Projekt bestand von vornherein auf Unwahrheiten. Beantragt wurde einst ein Flughafen für den regionalen Bedarf der Länder Brandenburg und Berlin. Dann wurde er zu einem Großflughafenprojekt aufgebläht, das so nicht realisierbar ist, jedenfalls nicht von den Beteiligten. Die Anwohner wurden über die Routen belogen, der Schallschutz abgespeckt, die internationale Öffentlichkeit beim Eröffnungstermin getäuscht, die Kosten laufen komplett aus dem Ruder. Letztlich wird uns wohl alles mindestens fünf Milliarden Euro kosten.

Stefan Dziewinski, Schulzendorf

Bevor es überhaupt losgeht, ist der BER pleite. Das ist ja ein wahrlich tolles Management. Allein für die Mehrkosten von 276 Millionen Euro, von denen kein Mensch weiß, wofür diese überhaupt gebraucht werden, hat man früher termingerecht einen neuen Flughafen bauen können.

Christian Lukner, per E-Mail

Ich bewundere den Mut eines noch Regierenden Bürgermeisters, das nächste Bauprojekt Humboldtforum zu starten und noch nicht einmal mit dem gegenwärtigen Großprojekt Flughafen BER auf gutem Weg zur Fertigstellung zu sein. Der Eindruck kann entstehen, dass er sich nicht der weltweiten Blamage bewusst ist und noch immer alles gern mit nichtssagenden Floskeln ausräumen möchte. Der viel gepriesene Technologiestandort scheint eine Seifenblase zu sein, da nicht einmal eine normale, wenn auch große Bauplanung einigermaßen kosten- und termingerecht durchgeführt werden kann. Wowereit sollte jetzt sein Amt schnellstens zur Verfügung stellen.

Lothar Otterstätter, Mariendorf

Um nicht noch mehr dem Ansehen der SPD und ihren ehrlichen und verantwortungsvollen Mitgliedern und Politikern zu schaden, sollte Klaus Wowereit als BER-Aufsichtsratvorsitzender, als Regierender Bürgermeister von Berlin und als stellvertretender SPD-Bundesvorsitzender zurücktreten.

Wolfgang Priese, per E-Mail

Man muss sich langsam fragen, ob wir überhaupt noch Hauptstadt sind. Wäre es nicht besser, wir würden den Titel abgeben? Wenn ich den Artikel "Entwicklung von Tegel" lese, wird mir ganz übel. Wir bekommen den Flughafen BER nicht unter Dach und Fach, da überlegt man schon, was mit Tegel passiert.

M. Grotzke, Gatow