Leserbriefe

"Chance zur Stadtreparatur"

Leser zu der Initiative Potsdamer Bürger, das Hotel Mercure für den Neubau einer Kunsthalle abzureißen

Endlich gibt es die Gelegenheit, mit privatem Geld und einer guten Idee das durch sozialistische Bauten verhunzte Stadtbild zu reparieren. Da sollten dem Investor Hasso Plattner alle Wege geebnet und ihm nicht von Ewiggestrigen die Lust an seinem Vorhaben zum Wohle der Stadt und der Potsdamer vergällt werden.

Sigmar Meyer, Wannsee

Der Abriss des Hotels scheint mir die falsche Alternative. Sicher sticht das jetzige Gebäude in der neuen Situation, die durch das hinzugekommene Schloss entsteht, wie isoliert heraus. Aber viel scheußlicher als das Hotel ist der Park daneben. Wenn man die Kunsthalle dort hineinsetzte - gegenüber vom Marstall - hätte man sie zentral, wie man will, und sie würde dort mit dem Hotel einen Komplex an der Havel bilden. Das Hotel wäre nicht isoliert, sondern gewinnbringend dabei. Die Verkehrsachsen dort haben doch die alte Situation ohnehin gründlich verändert, da ist nichts mehr von Lustgarten, ausgegliedert durch zwei Kolonnaden. Also: Kunsthalle in den Park und abwarten, ob das Hotel stört.

Jürgen Spiegel, Neukölln

Wer verhält sich denn tatsächlich destruktiv? Doch diejenigen, die einen Abriss des "Mercure"-Hotels befürworten, aus Freundschaft und Loyalität zu Hasso Plattner. Das überaus sanierungsbedürftige Gebäude der jetzigen Fachhochschule zwischen neuem Wissensspeicher und Stadtschlossbaustelle erscheint mir geeigneter zum Abriss als ein modernes Hotel zu sein.

Daniel di Primio, Potsdam

Bürgerbeteiligung hatte offensichtlich nur Alibicharakter

Zum Artikel: "IHK kritisiert Wegfall der Parkplätze am Olivaer Platz" vom 16. Juni

Es ist so gekommen, wie es von Anfang an beabsichtigt war: Die BVV Charlottenburg-Wilmersdorf hat mit den Stimmen von SPD, Grünen und Piraten entschieden, dass auf dem Olivaer Platz alle Parkplätze wegfallen sollen. Mehrere Veranstaltungen zum Thema, auf denen es angeblich um Bürgerbeteiligung ging, hatten nur Alibicharakter. Eine Mehrheit der Anwohner und Gewerbetreibenden hatte vehement den Erhalt der Parkplätze gefordert, oberirdisch wie bisher oder unterirdisch in Form einer Tiefgarage. Eine von der CDU vorgeschlagene Befragung der Betroffenen wurde von der SPD und den Grünen abgelehnt. Politische Voreingenommenheit und ideologische Borniertheit haben sich mal wieder über Pragmatismus und klar artikulierten Bürgerwillen hinweggesetzt. Die Anwohner werden in Zukunft nicht mehr wissen, wo sie bei Wegfall von 123 Stellplätzen ihr Auto lassen sollen, während der Parkplatzsuchverkehr in den umliegenden Wohnstraßen zunehmen wird. Eigentlich hätte der Bezirk für eine Umgestaltung des Olivaer Platzes gar kein Geld, doch kommt das ja in diesem Fall vom Land Berlin und von der EU - als wenn das nicht auch Steuergeld wäre!

Richard Schneider, Wilmersdorf

Wirtschaftsentscheidungen sollten nur Wirtschaft und Politik treffen

Zum Artikel: "Flughafen München - Ramsauer kritisiert Ergebnis der Volksabstimmung" vom 19. Juni

Bürgerentscheide sind bei wirtschaftlichen Fragen kein nützliches Instrument der Demokratie. Das zeigt die unwirtschaftliche Entscheidung der Münchner gegen den Flughafenausbau, die Folgen dieser Entscheidung werden sich weit über München hinaus bemerkbar machen. Die dritte Startbahn ist für einen wirtschaftlichen Betrieb des Flughafens dringend nötig. Wie kann es da sein, das Wirtschaftsfeinde, Ökorentner und Langzeitarbeitslose über ein so wichtiges Projekt abstimmen? Wirtschaftsentscheidungen sollten der Wirtschaft und der Politik vorbehalten sein, nicht einer sachunkundigen Bürgerschaft.

Ralf Drescher, Lichtenberg

Sozialkatastrophe kommt noch vor dem Klimakollaps

Um Artikel: "Die Altersvorsorge der Deutschen ist in Gefahr" vom 15. Juni

Es ist wohl eher der Gier und der Gleichgültigkeit der Volksvertreter zuzuschreiben, dass diese Sozialkatastrophe vor dem Klimakollaps einschlägt. Banken und Versicherungen werden von der Politik nicht daran gehindert, irreguläre und verwerfliche Geschäfte zu tätigen. Rendite ist heute wichtiger als der Kunde. Der Imbiss an der Ecke muss Dutzende Auflagen erfüllen, die Großbank drückt eine Träne ab und wird von Reglementierungen befreit. Den Deutschen müssten die Tränen kommen, wenn man die Entwicklung der Altersbezüge von Abgeordneten und Berufstätigen vergleicht, die jahrzehntelang in die Sozialkassen eingezahlt haben. Da hilft es auch nicht, die Angaben über die tollen "Durchschnittsverdienste" unter das Volk zu streuen.

Hans Mittelhoff, per E-Mail