Leserbriefe

"Krise längst nicht bewältigt"

| Lesedauer: 5 Minuten

Leser zu den Ergebnissen der Parlamentswahlen in Griechenland und möglichen Folgen für den Euro

Nun haben wir einen Schrecken ohne Ende. Die Griechen bleiben in Euroland. Das Schlimmste ist verhindert worden? Nein, das Schlimmste steht uns noch bevor! Der deutsche Bürger, mehr als 50 Prozent, wollte nie den Euro. Jetzt sind es sogar schon 80 Prozent. Sollen doch die derzeitigen Staaten in der Euro-Zone bleiben, Deutschland geht raus, führt die Euro-Mark ein und ist noch mit gut 100 Milliarden Euro belastet. Wir sind damit genauso EU-fähig wie Dänemark, England oder Schweden. Ich zahle lieber eine Umtauschgebühr bei der Bank, als zielsicher in den Euro-Abgrund zu schlittern.

S. Adrian, per E-Mail

Erst mal steht die Regierungsbildung an. Bei dem knappen Ergebnis steckt da jede Menge Konfliktstoff drin. Dann kommen die Gespräche mit Brüssel, ob das Land überhaupt gewillt und in der Lage ist, die bisherigen Verträge einzuhalten. Dann wird möglicherweise nachverhandelt. Griechenland ist noch lange nicht aus dem Schneider. Was aber immer in Griechenland passiert, das Leben geht weiter. Ein weltweites Finanzbeben ist ausgeschlossen, denn Griechenland ist ökonomisch ein Zwerg. Aber die jahrelang anhaltende Rezession hat das ohnehin nie besonders starke Land weiter wirtschaftlich geschwächt. Unsere Freundschaft mit dem griechischen Volk darf keinesfalls am Geld zerbrechen.

Christian Lukner, per E-Mail

Dass der portugiesische Trainer der griechischen Fußball-Nationalmannschaft etwas Positives über das Erreichen des EM-Viertelfinales sagen muss, ist verständlich. Dass er aber sagt, dass Zivilisation, Demokratie und Wissenschaften aus Griechenland kommen und sie deswegen keine Ratschläge brauchen, stimmt in der heutigen Zeit leider so nicht mehr. Die Wissenschaft rechnet sich arm und zahlt keine oder zu wenig Steuern. Die so hoch gelobte Zivilisation sorgt dafür, dass die Alten und Armen die Schulden abzahlen müssen, denn die Reichen haben sich schon längst aus dem Staub gemacht. Denen ist ihr Land egal. Was ist das für eine Demokratie? Das Land ist längst gespalten in Arm und Reich.

Lothar Wirth, per E-Mail

Der Euro sollte Europa einen, jetzt wird er zur größten Katastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg. Hass und alte Gegensätze brechen wieder auf. Wir überließen anderen Ländern unsere Kreditkarte und wundern uns jetzt, dass sie sie benutzt haben. Wir sind umzingelt von Fässern ohne Boden, und auch unser eigenes leckt schon. Man kann auf Dauer nicht mehr ausgeben, als man einnimmt. Frau Merkel, führen Sie Deutschland aus dem Euro heraus, dann gewinnen Sie die nächste Bundestagswahl mit absoluter Mehrheit!

Brigitte Haunert, Zehlendorf

Vertrauen in die EU und deren Instanzen ist auf Tiefpunkt angelangt

Zum Artikel: "Spanien-Hilfe bringt Retter in Not" vom 13. Juni

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds verkündet, dass für die Euro-Rettung weniger als drei Monate verbleiben. Nicht nur Spanien, Italien und Österreich rücken immer stärker ins Zentrum der Krise und könnten auf Hilfen angewiesen sein. Griechenland ist ohnehin schon abgeschrieben. Und ohne Deutschland gibt es keinen Euro mehr. Der ehemalige Herausgeber des "Effektenspiegels", Bolko Hoffmann, hat offenbar recht behalten. Er prognostizierte dem Euro-Raum seinerzeit, dass er in fünf Jahren zusammenbrechen werde. Einst ist er als der größte Gegner des Euro heftig kritisiert und belächelt worden. Heute ist genau das eingetroffen, was er prophezeit hat - nämlich dass die Gemeinschaft eines Tages für die Schwachstaaten im europäischen Süden geradestehen muss und der Euro zum Scheitern verurteilt ist. Er warnte die Deutschen vor einer Totgeburt des Euro und dass die Deutschen durch den Euro zum Sozialfall werden. Unsere Politiker haben in den vergangenen Jahren alle Verträge gebrochen. Das Vertrauen in die EU und deren Instanzen ist auf einem Tiefpunkt angelangt. Der Euro wird gegen die Wand gefahren, und Deutschland soll nun den Retter spielen? Die D-Mark zu opfern war ein großer Fehler. Jetzt sitzen wir in der Patsche, ganz ohne unser Zutun. Angela Merkel ist mit einer Transfer-, Haftungs- und Bankenunion sowie mit Euro-Bonds und Schuldenschnitt auf dem besten Wege, Europas Schulden zu vergemeinschaften. Schuld haben die Gründungsväter der EU, die seinerzeit gegen die Stimmung der Bevölkerung in vielen Ländern eine Währungsgemeinschaft beschlossen haben, ohne eine politische Union zu schaffen. Jetzt wird hektisch und experimentell ein Rettungsinstrument nach dem anderen diskutiert und installiert. Nach nun fast drei Jahren des Experimentierens hat man jetzt angeblich das Zaubermittel zur Euro-Rettung gefunden: die Bankenunion, die allerdings schon vor Einführung als Synonym für eine Transferunion geoutet wurde.

Roger Morell, per E-Mail