Leserbriefe

"Erinnern darf nicht aufhören"

Leser zum Umgang mit dem Gedenken an den Volksaufstand in der DDR am 17. Juni 1953

Die Mauer ist noch in sehr vielen Köpfen vorhanden. Bei älteren Linken geschieht es sicher, weil sie mit ihrer Geschichte nicht umgehen wollen oder können. Bei jüngeren Leuten jedoch würde ich schlicht normale Unwissenheit annehmen. Seit der Wiedervereinigung ist dieser Tag in West und Ost ein normaler Tag - er wird kaum mehr gewürdigt und wahrgenommen.

Heide Binner, per E-Mail

Ich glaube kaum, dass es den Postkommunisten der Linkspartei in den Sinn kommen würde, am Holocaust-Gedenktag mit dem Swing-Dance-Orchester zu feiern. Das "Fest der Linken" anlässlich des Jahrestages des Volksaufstandes vom 17. Juni 1953 gegen das DDR-Regime ist eine Verhöhnung der Opfer. Die SED-Erben beweisen erneut mit ihrem Geschichtsbewusstsein, wes Geistes Kind sie sind.

Andreas Hehn, Spandau

Die Forderung von Bürgerrechtlern nach einem Platz des 17. Juni 1953 kann ich, der als Jugendlicher diesen Volksaufstand miterlebt habe, nur unterstützen. Man darf nie aufhören, an die Gräueltaten des DDR-Regimes und an die, die sich mutig dagegen aufgelehnt haben, zu erinnern. Auch wenn der Aufstand damals maßgeblich vor dem heutigen Bundesfinanzministerium stattfand, gebe ich bei der Namensgebung zu bedenken, dass es wegen der räumlichen Trennung zur Straße des 17. Juni zu Verwirrungen führen kann. Einer Umbenennung etwa in Platz des Volksaufstandes sollte dies aber nicht entgegenstehen.

Dietrich Neugebauer, per E-Mail

Nichts mehr als der berühmte Tropfen auf den heißen Stein

Zum Artikel: "Doppelsieg für Berlins Wissenschaft" vom 16. Juni

Man kann der Humboldt-Universität zu ihrem Erfolg beim Exzellenz-Wettbewerb nur gratulieren. Diese Auszeichnung sollte ein Ansporn sein. Das Mega-Thema unserer Zeit lautet: Versöhnung von Natur- und Geisteswissenschaften. Aber auch bei wichtigen Themen wie Klimaschutz und Nachhaltigkeit ist noch viel zu tun. Die Humboldt-Universität hat beste Voraussetzungen, sich hier zu engagieren. Ob eine Uni zu den Elite-Unis gehört, bestimmen nicht die Politiker oder irgendwelche Wissenschaftsfunktionäre. Das war vielleicht in der DDR so. Nur die Qualität der wissenschaftlichen Arbeiten und die internationale Reputation können ausschlaggebende Faktoren sein. Dafür braucht man heutzutage Geld. Fast alle unsere Unis leiden seit Jahren an chronischer Unterfinanzierung. Ein Beispiel: Das von Bundesministerin Annette Schavan (CDU) für alle deutschen Elite-Unis zur Verfügung gestellte Finanzvolumen für fünf Jahre entspricht gerade einmal dem Etat, den eine einzige US-Elite-Uni wie Harvard, Berkeley oder Stanford zur Verfügung haben. Das Ganze ist also nichts mehr als der berühmte Tropfen auf den heißen Stein.

Christian Lukner, per E-Mail

Der Doppelsieg für Berlins Wissenschaft kann nicht ganz überzeugen. Denn auch wenn die respektable Arbeit der Forscher zu Recht eine Belohnung verdient, von der die gesamte Gesellschaft profitiert, zeichnet sich eine exzellente Hochschule auch durch eine gute Lehre aus. Dies wurde aber im Wettbewerb um die Bundeszuschüsse nicht abgefragt. Deswegen sind am Ende die eigentlichen Verlierer womöglich gerade jene Hochschulen, die jetzt noch über ihre Preise jubeln. Da der Titel einer Exzellenz-Universität insbesondere auf internationaler Ebene schnell als hochtrabend und unseriös eingestuft werden kann, wenn es den eigenen Bibliotheken und Hörsälen selbst an den einfachsten Dingen mangelt.

Rasmus Ph. Helt, E-Mail

Unschöne Manipulationen von Live-Übertragungen

"Der Balljunge und die falsche Fernsehwelt" vom 18. Juni

Was bildet sich die Uefa ein, wenn Livebilder gefälscht werden? Dass Fernsehsendungen oft nicht die Wahrheit wiedergeben, damit leben wir Zuschauer schon seit Jahren. Dass aber Liveübertragungen manipuliert werden, ist eine neue Qualität. Die Zuschauer werden verarscht. Dabei startete die Uefa eine große Kampagne unter dem Titel "Respect". Alles nur Makulatur, denn sonst wären diese Manipulationen nicht möglich gewesen. Können denn Uefa und Fifa machen, was sie wollen? Schon die Vergabe der Fußball-Europameisterschaft an die Ukraine ist ein Skandal, genauso wie die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft an Katar. Die Weltgemeinschaft müsste der Uefa die Rote Karte zeigen und nicht alles so hinnehmen, wie es ist. Zur Not würde ich auch eine Europa- oder Weltmeisterschaft ohne Liveübertragung akzeptieren, nur damit den entscheidenden Personen mal ihre Grenzen aufgezeigt werden.

C.P. Paege, Reinickendorf