Leserbriefe

"Stundenlange Wartezeiten"

Leser zu den Bürgerämtern, dem Handel mit Wartemarken und zur Umstellung auf Terminvergabe

Die Konzentration aller Verwaltungsdienstleistungen in den Bürgerämtern ist zunächst einmal eine große Errungenschaft Es ist praktisch, eine Anlaufstelle für sämtliche Bürgerdienste zu haben. Aber der Dienst am Bürger muss auch reibungslos funktionieren. Bei stundenlangen Wartezeiten, restriktiven Terminvergaben und schwarzmarktähnlichen Zuständen bei den Wartenummern wird der Gang zum Bürgeramt immer mehr zu einem Ärgernis. Dabei wachsen Aufwand und Leistungen der Bürgerämter ständig an, am Personal wird dagegen immer weiter gespart. Das kann auf Dauer nicht gut gehen. Wer zulasten der Bürgerdienste spart, wird Bürgerprotest ernten.

Hans-Peter Anders, per E-Mail

Anscheinend kennt Bezirksstadtrat Klaus-Dieter Gröhler seinen Bezirk nicht so genau, wenn er verwundert darüber ist, dass etwas mehr als die Hälfte der Kunden im Bürgeramtsbüro Halemweg aus Spandau kommen. Das liegt wohl weniger an Verdrängung, sondern daran, dass der Standort mitten im Ortsteil Siemensstadt liegt, der zur Hälfte zu Spandau und zur Hälfte zu Charlottenburg gehört. Es wird wohl kein Siemensstädter extra mit der U-Bahn nach Spandau fahren, wenn er den Halemweg fast zu Fuß erreichen kann.

Christian Brand, per E-Mail

Wo liegt das Problem mit dem Schwarzmarkt? Das längst bekannte Zauberwort heißt Pfand. Eine Angestellte gibt gegen zum Beispiel zehn Euro Pfand die Marken aus (nebst Auftragung der Pass- oder Ausweisnummer), den man nach der Bearbeitung des Vorgangs vom Sachbearbeiter zurückbekommt. Das dauert etwa eine Minute je Besucher. Welcher Marken-Dealer kauft dann für 100 Euro zehn Wartemarken, die er dann wegwirft?

Harry Hirsch, per E-Mail

Vielen fehlt der Mut, einfach abzuschalten

Zum Artikel: "Arbeitnehmer ohne Funkstille" vom 13. Juni

Die Forderung von Ursula von der Leyen führt in die richtige Richtung. Dies aber nicht nur aus berechtigten familienpolitischen Gründen. Denn Personen, die ständig vor einem Bildschirm hocken oder im Hinterkopf haben, dass sie eigentlich etwas Dringliches für ihre Firma zu erledigen haben, sind erwiesenermaßen weniger kreativ. Denn ihnen fehlen die Kontraste im Leben sowie der Mut dazu, auch einmal abzuschalten und sich nur mit sich selber zu beschäftigen. Weswegen die Wirtschaft eigentlich von selbst auf die Idee kommen sollte, ihren Beschäftigten mehr Zeit zum mentalen Auftanken zu geben. Was aber bislang kaum stattfindet und einmal mehr unterstreicht, dass viele Managementmethoden, die noch immer an Business-Schools und Universitäten gelehrt werden, hoffnungslos veraltet sind!

Rasmus Helt, per E-Mail

Regressforderungen sind unüberschaubar geworden

Zum Artikel: "Vereint im Sturzflug" vom 12. Juni

Täglich neue Superlative zur Tragödie BER. Was bedeutet der Sturzflug? Ist das Unternehmen BER manövrierunfähig geworden? Weit mehr also als der Brandschutz scheint hier eine komplexe Ursache sichtbar zu werden. Der 17. März 2013 wird bereits wieder infrage gestellt, die Baukosten und Regressforderungen sind unüberschaubar geworden. Hartmut Mehdorn hat die Brisanz der Situation deutlich formuliert. Dem geforderten Untersuchungsausschuss als Konsequenz sollten durch das Bundesministerium dringend notwendige und nachvollziehbare Entscheidungen zur Schadensbegrenzung vorgezogen werden. Dazu gehört die Schaffung einer kompetenten Projektleitung mit ausgewählten Fachleuten, die die weiteren Arbeiten und deren Abläufe generalstabsmäßig organisiert und steuert. Hier geht es um eine nationale Dimension und keine Ländersache mehr.

Horst Kunzelmann, per E-Mail

Alarmsystem hat noch ein paar Kinderkrankheiten

Zum Artikel: "Berlin führt Alarm per SMS ein" vom 12. Juni

Vermutlich hat Katwarn noch ein paar mehr Kinderkrankheiten. Die Nutzer werden wohl unabhängig von ihrem tatsächlichen Standort gewarnt. Wenn also in 10365 Berlin-Lichtenberg eine Zwei-Tonnen-Luftmine gefunden wird, bekomme ich diese Nachricht, weil ich mich unter dieser Postleitzahl angemeldet habe. Allerdings bekomme ich die Nachricht auch, wenn ich mich gerade in Bamberg oder gar im schönen Island auf Urlaubsreise befinde. Eine Verknüpfung mit dem tatsächlichen Aufenthalt durch Identifizierung der Funkzelle durch Katwarn wird wohl datenschutzrechtlich problematisch sein.

Ralf Drescher, Lichtenberg