Leserbriefe

"Eltern müssen selbst entscheiden"

| Lesedauer: 4 Minuten

Leser zum Betreuungsgeld und zu den Auswirkungen auf die Integration und den Arbeitsmarkt

Letztendlich sollte es den Eltern überlassen bleiben, ob sie ihr Kind selbst betreuen oder betreuen lassen. Die Aufgabe dieses Wahlrechtes würde die Kita-Pflicht bedeuten, die sich niemand leisten kann, weil die entsprechenden Baulichkeiten und die Erzieher fehlen. Ohne Baukosten erfordert ein Platz für Personal, Beköstigung, Reinigung, Bewirtschaftung usw. etwa 3500 Euro pro Jahr. Wenn ein Betreuungsgeld von 1200 bis 1800 Euro pro Jahr gezahlt wird, profitieren folglich beide Seiten.

Dieter Meier, Tegel

Das Betreuungsgeld soll sich also negativ auf die Integration auswirken. Ich habe schon lange nicht mehr etwas so Widersprüchliches gelesen wie die Kritik am Betreuungsgeld für Ein- und Zweijährige anhand der Studie "Jobs for Immigrants" der OECD-Experten. Die OECD-Studie verweist ausdrücklich auf Erfahrungen u. a. in Frankreich, wonach gerade bei Migrantenkindern mit niedrig qualifizierten Eltern der Besuch einer vorschulischen Einrichtung ab dem Alter von drei Jahren (und ausdrücklich nicht darunter!) für den späteren Bildungserfolg entscheidend ist.

Martin Gewies, Frohnau

Die Kritik des Präsidenten des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Hans Heinrich Driftmann, dass das Betreuungsgeld falsche Signale setze, weil es Frauen vom Arbeitsmarkt fernhalte, muss ich scharf zurückweisen. Wenn er sich darüber aufregt, dann wird man ja wohl fragen dürfen, warum die Industrie sehr lange Jahre nicht ausgebildet hat. Wohl um die Ausbildungskosten zu sparen. Sich jetzt hinzustellen und zu lamentieren, dass Frauen vom Arbeitsmarkt abgehalten werden durch das Betreuungsgeld, ist nicht nachzuvollziehen. Natürlich weiß man, dass noch immer Frauen unterbezahlt werden. Da will man schon wieder Einkommen von den Arbeitskräften sparen. Die Behauptung, dass die Wirtschaft mehr Frauen brauche, ist Heuchelei. Dann sollte Herr Driftmann mehr und besser bezahlte Arbeitsplätze schaffen. Und überhaupt: Noch ist die Familie die Keimzelle der Gesellschaft und nicht die Wirtschaft oder die Kita, die die Kinder erziehen soll.

Günter Doberschütz, Rudow

Berlin leidet unter einer Reihe von Fehlentscheidungen

Zum Artikel: "Niederlage für Klaus Wowereit" vom 10. Juni

Dass sich der Herausforderer Jan Stöß gegen Michael Müller durchgesetzt hat, ist überhaupt nicht verwunderlich, da Müller mit Klaus Wowereit in all den Jahren viele falsche Entscheidungen getroffen hat. Der Regierende Bürgermeister spricht dennoch von Erfolgen der SPD in der Vergangenheit und meint, das sei das Ergebnis gemeinsamer Arbeit von Partei, Fraktion und Senat für Berlin. Was für Erfolge meint Wowereit eigentlich? Den desolaten baulichen Zustand vieler Schulen, die fehlenden Lehrer, die personelle Unterbesetzung bei Polizei und Bürgerämtern, die Schließung vom Flughafen Tempelhof und jetzt das Desaster BER, falsche Integrationspolitik, fatale Arbeitsmarkpolitik für Berlin usw. Nein, das sind keine Erfolge, sondern Fehlentscheidungen, unter denen Berlin zu leiden hat, und dafür musste Müller auch herhalten.

Klaus Okrafka, per E-Mail

Durch den Wechsel an der SPD-Parteispitze muss man befürchten, dass die Reibereien zwischen der Partei und dem Senat noch schlimmer werden. Schon jetzt klappt es bei wichtigen Projekten, wie beim Flughafen, nicht. Und auch für den Koalitionspartner CDU dürfte das Regieren schwieriger werden, und das noch nicht mal ein ganzes Jahr nach der Wahl.

Christian Lukner, per E-Mail

Jetzt müssen auch die anderen Tore schießen

Zum Artikel: "Deutschland stürmt Richtung Viertelfinale" vom 14. Juni

Gut gekämpft und wirklich verdient gewonnen, mehr muss man zu diesem Spiel nicht sagen. Mario-Gomez-Supermann erledigte seinen Job zur vollsten Zufriedenheit und bescherte den Deutschen, zusammen mit Schweini, eine gute Ausgangssituation für die weiteren Spiele der Europameisterschaften sowie eine wahnsinnige Stimmung, die man nicht mit Euros bezahlen kann. Das erste Tor, auf einen gut gezielten Pass von Schweini, erzielte Mario elegant, achsendrehend, schlicht auf Deutsch-Brasilianisch.

Insgesamt war es ein Superspiel zumindest in der ersten Halbzeit, während man in der zweiten Hälfte wieder etwas bangen musste. Den Holländern sei empfohlen, schon mal ihre Wohnwagen anzukuppeln, gegen Portugal wird es bestimmt schwer oder fast unmöglich. Insgesamt eine sehr gute Leistung, wobei man Badstuber ein Tor gegönnt hätte. Nach Gomez wird es Zeit, dass sich auch andere Spieler am Torreigen beteiligen.

Thomas Hansen, Reinickendorf