Leserbriefe

"Zugabe zum Taschengeld"

Leser zum Betreuungsgeld für Eltern, die ihre Kleinkinder selbst zu Hause betreuen

In der Diskussion wird oft vergessen, dass viele Eltern aus gutem Grund ihre Kinder daheim betreuen wollen. Viele Erzieherinnen können oder wollen sich nicht liebevoll und engagiert um den Nachwuchs kümmern. Mütter und Väter, die ihre Kinder nicht in Kitas schicken, handeln oft sehr bewusst und damit verantwortungsvoll. Die 100 Euro sind geradezu lächerlich wenig, wenn man an die monatlichen Kosten für Babysitter und Tagesmütter denkt.

Mark Schild, per E-Mail

Beim Betreuungsgeld handelt es sich um eine unsoziale Wohltat. Denn in erster Linie werden Familien gefördert, die die Unterstützung gar nicht benötigen, während auf der anderen Seite die Mittel für genügend Kitas und soziale Einrichtungen fehlen. Weswegen sich die Bundesregierung, und hierbei insbesondere die CSU, nicht nur die Kritik gefallen lassen muss, eine schnöde Klientelpolitik zu betreiben, sondern auch, die Menschen gegeneinander auszuspielen. Weil es berechtigten Unmut innerhalb der Bevölkerung schürt, wenn man das Bedürftigkeitskriterium auf den Kopf stellt und vollkommen neu interpretiert. Was am Ende niemandem nützt, es sei denn, er nimmt das Geld und fährt damit in Urlaub.

Rasmus Ph. Helt, per E-Mail

Eltern, die ihre Kleinkinder vornehmlich bis zum dritten Lebensjahr selbst aufziehen wollen und dafür selbstlos auf Erwerbstätigkeit und Wohlstand verzichten, sollten gerechter- und sinnigerweise als Ausgleich für diese nachhaltige gesellschaftliche Leistung ohne Wenn und Aber ein auskömmliches Betreuungsgeld bekommen. Der Streit darüber mit den haarsträubenden unsachlichen Einwendungen ist peinlich und unwürdig und im Hinblick auf die Prophylaxe gegen vielleicht später sonst notwendige Einsätze der Polizei und Justiz fundiert. Das Betreuungsgeld ist weder eine abfällige "Herdprämie" noch eine familienpolitische Dummheit, sondern eine familienpolitische Groß- und Wohltat sowie auch eine gesellschaftliche Weitsichtigkeit gegen spätere weitaus kostspieligere Gegenmaßnahmen wegen Exzessen wie Gewalt, Drogen und Zügel-, Maß-, Halt- und anderen Hemmungslosigkeiten.

Olaf Hessemer, Konradshöhe

Wenn Kinder ihre Freizeit vor dem Computer oder Fernseher verbringen, lernen sie auch nicht sprechen. Ab nächstes Jahr gibt es ja Betreuungsgeld für Kinder, die nicht mit anderen in einer Kita spielen. Dann kann man ja davon schnellere Computer und größere Fernseher kaufen.

Detlef Trzeciak, per E-Mail

Ich frage mich, in welche Richtung Deutschland in Sachen Toleranz und Familienfreundlichkeit steuert, wenn Eltern sich geradezu rechtfertigen müssen, weil sie ihre Kinder lieber selbst erziehen, als sie in die Obhut von fremden Menschen zu geben. Studien beweisen eindeutig, dass Kinder, die von liebenden Familienangehörigen erzogen werden, eine deutlich bessere Entwicklung zeigen als Kinder, die in staatlichen Einrichtungen betreut werden. Die Regierung muss bei der Einrichtung neuer Kita-Plätze unbedingt mehr auf Qualität achten als bisher.

Gunnar Sachs, Friedenau

Bei der Dreiteilung der Gesellschaft freut sich die obere Schicht über die Zugabe zum Taschengeld für ihr Au-pair-Mädchen, die Mittelschicht hofft auf einen jetzt schneller frei werdenden Kita-Platz, damit das Kind eine professionelle Betreuung erhält, und das letzte Drittel, die sozial Schwächsten, freuen sich über die Zugabe zum jetzt schon harten Lebenskampf. Doch Zweifel sind wie so oft angebracht. Um den Lebensunterhalt einigermaßen über die Bühne zu bringen, ist es heutzutage erforderlich, dass beide Elternteile arbeiten gehen. Somit kommt der Nachwuchs automatisch in eine Kita, und das Betreuungsgeld entfällt hier logischerweise. Insgesamt hätte man hier differenzieren müssen und das Betreuungsgeld vom Einkommen abhängig machen müssen.

Thomas Hansen, Reinickendorf

Auswahl nach Notendurchschnitt hebelt Elternwillen aus

Zum Artikel: "Schulleiter fordern Numerus clausus" vom 8. Juni

Interessant, wie von zwei Seiten erneut versucht wird, den Elternwillen auszuhebeln. Generell ist doch wohl jedes Kind förderungsfähig, egal, welchen Notendurchschnitt es aufweist. In dieser Hinsicht war die Durchsetzung des Elternwillens ein gewaltiger Schritt hin zu einer transparenteren und demokratischeren Schule. Wenn allerdings die Förderpläne, die jedem Schüler erstellt werden müssen, nur auf den Schüler orientieren und für Lehrer nicht rechtsverbindlich sind, wird die Ignoranz fortgeschrieben. Die Forderung nach einem Numerus clausus greift von der anderen Seite an: Die Schule bestimmt, wer dazu passt.

Jakob Welm, per E-Mail