Leserbriefe

"Richtige und wichtige Reise"

Leser zu der Bedeutung des Israel-Besuchs von Bundespräsident Joachim Gauck

Ich halte die Reise von Joachim Gauck nach Israel für überaus wichtig und, wie man jetzt erfahren kann, auch für notwendig. Die negativen Strömungen, die leider von Günter Grass ausgegangen sind (Kritik ist gut, sie muss aber berechtigt sein), werden jetzt vom Bundespräsidenten relativiert. Ein Land, das um seine Existenz kämpfen muss, braucht zumindest Unterstützung und keine Nachtreterei. Insgesamt eine gute diplomatische Aktion, wobei sich der Bundespräsident seinen Ausflug in die Palästinensergebiete besser für einen späteren Zeitpunkt hätte aufheben sollen. Insgesamt eine richtige und auch wichtige Reise, die bestimmt mehr als nur eine Herzensangelegenheit des Bundespräsidenten war.

Thomas Hansen, per E-Mail

"Was gesagt werden muss" - das hat Günter Grass in seinem Gedicht über Israel provokativ zum Ausdruck gebracht. Um diese Wogen zu glätten, ist Bundespräsident Joachim Gauck nach Israel gereist. Beeindruckend war sein Auftritt in Yad Vashem. Aber wie ist es um die Treue Deutschlands zu Israel bestellt, falls Israel wirklich vom Iran kriegerisch angegriffen werden sollte? Und was sagt der Freiheitskämpfer und Bürgerrechtler Gauck zu der 759 Kilometer langen Mauer zwischen dem israelischen Kernland und dem Westjordanland? Die Mauer muss weg?

Roland Klose, per E-Mail

Ein Stromnetz ist kein Hemd, das man einfach wechseln kann

Zum Artikel: "Peter Altmaier soll für die Kanzlerin die Energiewende retten" vom 27. Mai

Als Beobachter dieser tollen Energiewende überkommt mich manchmal das kalte Grausen. Da wird mit einem riesigen bürokratischen Aufwand ein neues Stromnetz geplant, ohne Konzept und ohne überhaupt ausreichende Erzeugerkapazitäten, sprich: Kraftwerke zu haben. Weder sind die Offshore-Windparks fertig, noch gibt es Ersatzkraftwerke für die über 130 großen Braun- und Steinkohlekraftwerke, die meist in der Nähe der Verbrauchszentren stehen. Von den im Rahmen der sogenannten Energiewende abgeschalteten Kernkraftwerken ganz zu schweigen. Durch den schlagartigen Wegfall dieser 8400 Megawatt an grundlastfähiger Leistung ist unser Netz instabil geworden und steht kurz vor dem Kollaps. Machen wir uns doch nichts vor, das Sankt-Florians-Prinzip geht über alles. Wie beim Ausbau von Flughäfen (Frankfurt Startbahn West), Bahnhofsprojekten (Stuttgart 21) oder Endlagern wird es auch beim Bau neuer Freileitungen Bürgerproteste hageln. Die bisherigen Maßnahmen zur Beschleunigung der Genehmigungsverfahren müssen sich erst noch in der Praxis bewähren. Verfahren für neue Stromleitungen dauern heute immer noch viel zu lange, etwa zehn Jahre und länger. Man kann ein über Jahrzehnte gewachsenes System nicht von heute auf morgen auf den Kopf stellen. Ein Netz ist kein Hemd, das man einfach wechseln kann. Der geplante Umbau ist eine Investition für die nächsten 50 Jahre, die gut durchdacht werden muss.

Christian Lukner, per E-Mail

Unfähig, notwendige radikale Veränderungen durchzuführen

Zum Artikel: "Festspiele der Macht" vom 31. August

Bei allem Respekt für die Hertha-Mitglieder, die Gegenbauer und damit Preetz bestätigt haben: Das ist ein Armutszeugnis! Zwei Abstiege in zwei Jahren, fünf Trainer verschlissen, wieder mehr Schulden. Was muss noch passieren, damit die Mehrheit endlich begreift, dass es so nicht weitergehen kann? Wem die Präsentation eines neuen Trikots wichtiger ist als der sportliche und wirtschaftliche Erfolg eines Traditionsvereins, dem ist es auch egal, ob man in der 1. oder 2. Liga spielt. Schlimm nur, dass es Hertha von 1997 bis 2010 schon mal viel besser gemacht hat - allerdings mit einer anderen Führung. Die Unfähigkeit, notwendige radikale Veränderungen auf Führungsebene herbeizuführen, wird diesen Traditionsverein in den Abgrund treiben. Mir schwant Böses, letztlich kann man noch tiefer fallen, auch weil harte Strafen für einige Spieler drohen. Ein Schrecken ohne Ende.

Jürgen Albrecht, Lichterfelde

Anwohner von Tegel sind die Leidtragenden der Planungsfehler

Zum Artikel: "Behörde genehmigt mehr Nachtflüge am Flughafen Tegel" vom 1. Juni

Warum müssen wir die Unzulänglichkeiten und die Unfähigkeit einiger Politiker, Aufsichtsratsvorsitzender und Planungsingenieure ertragen und unseren Schlaf dafür opfern? Ich verstehe die Airlines, dass diese ihre Flüge, die für den BER geplant waren, umbuchen müssen, um ihre Kundschaft nicht zu verärgern. Aber dies ist eine Entscheidung auf Kosten der Bevölkerung rund um den Flughafen Berlin-Tegel.

Jürgen Jünger, Reinickendorf