Leserbriefe

"Geuro wird nicht benötigt"

Leser zu den Überlegungen der Deutschen Bank, eine Parallelwährung für Griechenland einzuführen

Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, präsentiert die Idee, Griechenland solle zwei Währungen parallel nutzen, den Euro und neu den Geuro, damit Griechenland in der Euro-Zone verbleiben könne. Es gibt eine andere Möglichkeit, die Griechenland den notwendigen Abstand zur Euro-Zone ermöglichen würde: den Schweizer Franken. Das wäre nicht das erste Beispiel, in dem ein Land die Währung eines anderen übernimmt. So gibt es viele Länder außerhalb der USA, in denen der Dollar das Zahlungsmittel ist. Die Griechen könnten Euro-Guthaben in Franken wechseln. Der Schweizer Franken ist auch die Währung des Fürstentums Liechtenstein oder in der italienischen Exklave Campione d'Italia. Selbst in Büsingen, der deutschen Exklave in der Schweiz, wird überwiegend mit Franken gezahlt, obwohl der Euro gesetzliches Zahlungsmittel ist. In einem wohl länger dauernden Prozess wird Griechenland sich einer Katharsis unterziehen müssen. Es wird lernen müssen, Korruption und Nepotismus zurückzudrängen, zu kontrollieren und zu bestrafen. Je besser es seine Probleme beherrschen lernt, umso mehr werden Schweizer Franken nach Griechenland fließen, um die dringend notwendigen Investitionen zu alimentieren. Griechenland muss nicht die alte Drachme wieder zum Leben erwecken und auch keinen Geuro einführen.

Jürg Walter Meyer, per E-Mail

Durch ihre Verzögerungstaktik und Blockadehaltung hat die Bundeskanzlerin seit Jahren dazu beigetragen, dass sich zwingend notwendige Ausgaben und Rettungsschirme wesentlich verteuert haben. Wenn vor drei Jahren ein umfangreiches Rettungspaket für Griechenland geschnürt worden wäre, stünde das Land heute in einem wesentlich anderen Licht da, und viele Milliarden Euro wären nicht der nationalen Wirtschaft entzogen worden.

Jürgen Stauff, per E-Mail

Patienten erwarten objektive Beratung von ihren Ärzten

Zum Artikel: "Krankenkassen werfen Ärzten Korruption im großen Stil vor" vom 23. Mai

Es mag korrupte Ärzte geben, aber dass es so viele sein sollen, glaube ich nicht. Wenn ich meinen Arzt frage, wo ich bei einer Operation gut aufgehoben bin, dann erwarte ich, dass er mich aufklärt. Als ich mit meiner Operation an der Carotis interna im Klinikum lag, hat das Ärzteteam mich gut über die verschiedenen Möglichkeiten aufgeklärt. Da dort die besten Erfolge mit örtlicher Betäubung statt Vollnarkose erzielt wurden, habe ich mich dafür entschieden.

Anita Stemplinski, per E-Mail

An der Reichenberger Straße hat man gute Vergleichsmöglichkeit

Zum Artikel: "Jessica bringt die Erleuchtung" vom 20. Mai

Wie viel besser sich das frischere, lebendigere Gaslicht in einer tristen Fußgängergegend macht, kann man noch in der Hälfte der Reichenberger Straße in Kreuzberg erleben. In der anderen Straßenhälfte leuchtet jetzt in den alten Masten das matte, blasse elektrische Licht.

Jürgen Spiegel, Neukölln

Eine Ende der Störungen bei der S-Bahn ist nicht in Sicht

Zum Artikel: "Um 6.19 Uhr stürzten auch die Notcomputer ab" vom 22. Mai

Seit Jahren gibt es Probleme mit der S-Bahn, ein Ende ist nicht in Sicht. Das Einzige, was die S-Bahn-Direktion offensichtlich kann, sind Fahrpreiserhöhungen. Wann endlich die S-Bahn wieder einmal auf allen Strecken fahrplanmäßig fährt, ist den Herrschaften offensichtlich egal.

A. Panske, per E-Mail

Unwürdige Schauspielereien am Ort mit historischer Bedeutung

Zum Artikel: "Fast-Food-Buden am Checkpoint geschlossen" vom 13. Mai

Anlässlich der Erinnerung an das Ende der Luftbrücke am 12. Mai 1949 besuchte ich auch den Checkpoint Charlie. Ich war erschrocken über die Karnevalsatmosphäre, die an diesem so geschichtsträchtigen Ort herrschte. Zwei Typen in US-Uniformen schwenkten US-Flaggen und versuchten, Touristen gegen Bezahlung zu einem Foto zu bewegen. Typen in Clownskostümen drängten sich dazu und machten alberne Gebärden. Die Uniformen der "US-Soldaten" waren nicht korrekt und sahen vergammelt aus. Die Typen waren schlimme Karikaturen von US-Soldaten. Mir als Amerikaner waren diese Zur-Schau-Stellungen peinlich, die Handhabung der Flaggen war entwürdigend. Aber auch ein "Volkspolizist" war weit entfernt vom Vorbild - unrasiert, Uniform verdreckt, Schuhe ungeputzt. Der Checkpoint Charlie ist ein Ort von historischer Bedeutung. Nichts gegen eine korrekte Darstellung - aber bitte keine unwürdigen Spielereien.

Herman Pfauter, Santa Barbara (Kalifornien/USA)