Leserbriefe

"Abstruse Gedankengänge"

Leser zu den provokanten Thesen von Thilo Sarrazin in seinem Buch "Europa braucht den Euro nicht"

Der Ärger über Thilo Sarrazin ist berechtigt, auch wenn man dem Enfant terrible der deutschen Politik damit leider gewaltig in die Hände spielt, sich auf Kosten des Gemeinwohls zu inszenieren. Denn jemand, der den schwierigen Umgang mit dem Holocaust dazu instrumentalisiert, um aktuelle politische Fragen zu beantworten, hat nicht nur von der Geschichte, sondern auch von der Gegenwart sehr wenig verstanden. Denn gerade die Aufarbeitung jener Ereignisse sowie die Aussöhnung mit den europäischen Nachbarn waren das Fundament für den wirtschaftlichen Wiederaufstieg Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg. Daran ändert auch eine Währung wie der Euro wenig. Zudem deren größter Profiteur nach wie vor die Bundesrepublik ist, die anders als noch zu Zeiten der D-Mark keine Verteuerung ihrer Waren durch eine Aufwertung befürchten muss und somit wesentlich mehr absetzen kann.

Rasmus Ph. Helt, per E-Mail

Es bleibt einem nichts erspart. Nun hat Thilo Sarrazin ein weiteres Buch mit seinen verquasten Theorien geschrieben. Nachdem er Ausländerhass in Deutschland geschürt hat, sollen wir nun scheinbar zu Europa-Gegner mutieren. Ich hoffe nur, dass die Mehrheit der Bevölkerung klüger ist und das neue Buch nicht kauft, um es nicht wieder zu einem Bestseller werden zu lassen.

Thomas Henschke, Reinickendorf

Eines müssen ihm auch seine schärfsten Kritiker lassen. Sarrazin hat die Fakten zu seinen Anliegen nicht vergessen und benennt sie ungeschminkt, was viele heute - teils natürlich oder verständlich - nicht gern hören wollen. Bei Einführung des Euro hat man schon gleich 1998/2002 bei den vereinbarten Kriterien gesündigt, indem man Belgien und insbesondere Italien eine Ausnahme einräumte, nämlich beim Schuldenstand, der jeweils weitaus höher als die fixierten 60 Prozent der Wirtschaftsleistung war. Der dennoch selbst heute noch als Fachmann so hoch gelobte Hans Eichel (SPD) hat als damaliger Bundesfinanzminister (1999-2005) dann auch noch 2003 die Haushaltsbilanzfälschungen Griechenlands, wobei das überaus hohe Defizit stark nach unten gemindert wurde, geflissentlich übersehen. Und nun haben wir den Salat.

Olaf Hessemer, Konradshöhe

Man mag Sarrazins abstrusen Gedankengängen und Thesen zustimmen oder eben nicht. Ich finde ihn jedoch äußerst amüsant in unserer konturlosen, aalglatten und ach so korrekten "Das tut man nicht"-Politikerlandschaft. Leider vermögen unsere Volksvertreter ihr Spiegelbild, welches er ihnen vorhält, nicht zu deuten, halten wiederum fast hysterisch an ihrer glitschigen Mentalität fest und wundern sich dann über die geringe Wahlbeteiligung. Darum wählen viele Junge die Piraten. Die haben bislang noch keine Angst vor möglichen Fettnäpfchen.

Andreas Maaß, per E-Mail

Wir brauchen in Deutschland mehr Thilo Sarrazins und nicht nur diesen einen, damit sich auch Politiker einmal aus der Deckung trauen. Es kann doch nicht sein, dass eine kritische Betrachtung des Euro so herabwürdigend niedergemacht wird.

Klaus Okrafka, per E-Mail

In der Talkrunde bei Günther Jauch zu Sarrazins Buch wurden ausgesuchte Passagen aus dem Buch dem Ex-Finanzminister Peer Steinbrück und dem Buchautor Thilo Sarrazin (beide SPD) zur Diskussion vorgestellt. Steinbrück versuchte in akademisch verschachtelten Sätzen Gegenargumente zu formulieren, was mit Sicherheit für viele Zuschauer schwer verständlich war. Sarrazin verteidigte in bekannter Art, mit ruhigen Worten in gelassener Form seine Texte. Und wo endete die Diskussion? In Griechenland. Und da sehen viele Bürger unseres Landes es genauso wie Sarrazin. Wer hat denn das Euro-Grab Griechenland in die EU geholt? Natürlich die heute am lautesten lamentierende SPD. Griechenland, Spanien, Portugal und auch Italien haben es mit ihrer Kultur und politischen Mentalität sehr schwer, angemessen mit dem Euro umzugehen.

Wolfgang Schwaneberg, Charlottenburg

Nun hat der Hexenmeister der Verdummung mal wieder kräftig zugeschlagen. Zur besten Sendezeit ermöglichte ihm Günther Jauch das Trommeln für sein neuestes Unwerk über den Euro. Seine Thesen, die er bei Jauch von sich gab, sind im Prinzip jedem Bürger durch die Medien bekannt und deshalb nichts Neues. Dass der reflexartige Aufschrei realitätsferner Politiker erneut ertönt, ist ebenfalls bekannt. Sarrazins Behauptung, dass der Euro quasi Buße für den Holocaust und Weltkrieg sein soll, ist schlicht Quatsch und sollte nur sarrazinisch provozierend beziehungsweise verkaufsfördernd wirken. Man sollte Sarrazins Machwerk ignorieren und Sarrazin endlich einfach ausblenden.

Thomas Hansen, per E-Mail