Leserbriefe

"Die Wähler schwer enttäuscht"

Leser zur Rückgabe des Doktortitels von Berlins CDU-Fraktionsvorsitzendem Florian Graf

Trotz Überführung des Täters und trotz Eingeständnis von Florian Graf, bei seiner Doktorarbeit getäuscht und betrogen zu haben, bleibt er nach geheimer Abstimmung Fraktionschef der CDU-Fraktion in Berlin. Der Vorfall des Dissertationsschummelei wurde in der CDU-Fraktion nicht einmal diskutiert, was deren fragwürdigen Umgang mit Moral und Anstand uns Wählern sehr gut verdeutlicht. Dass Berlins CDU-Chef Frank Henkel in diesem Zusammenhang von einem "ehrlichen Ergebnis" der Abstimmung sprach, zeigt allzu deutlich auch seine Auffassung von Moral und Anstand. Wer so viele Eigentore schießt, muss sich nicht wundern, dass die Piratenpartei so erfolgreich geworden ist.

CDU und CSU beziehen sich in ihren Statuten auf ein christliches Menschenbild als Orientierungsmaßstab. Als tragbare Grundlage für christliche Werte sollte daher der CDU auch an der Wertschätzung ihrer Wähler in Sachen Vertrauen und Vorbildfunktion gelegen sein.

Roger Morell, per E-Mail

Mit Florian Graf, dem Berliner CDU-Fraktionschef, der jetzt seinen Doktortitel aufgrund der erheblichen Plagiatsvorwürfe zurückgibt, haben auch die Berliner Christdemokraten einen Doktor Googleberg a. D. in ihren Reihen. Glaubwürdige Politiker sehen anders aus. Florian Graf sollte von all seinen Ämtern zurücktreten, bevor er weiter den Anschein erheben möchte, er werbe bei seinen Wählern um Vertrauen. Das hat er schwer enttäuscht.

Albert Alten, per E-Mail

Mir erscheint das ganze Prestigeobjekt Doktor überholt. Abschreiben mit Quellenangabe ist erlaubt, ohne ist es ein Plagiat. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse dürften bei den Zigtausenden Doktorarbeiten, die eingereicht werden, höchst selten sein. Und ein besserer Arzt, Jurist oder was auch immer entsteht durch das aufwendige Zusammentragen von bereits Bekanntem auch nicht. Herr Graf hatte immerhin so viel Anstand, nicht erst lange drum herum zu reden, wie es andere taten.

Siegfried Brunner, per E-Mail

Ungeachtet der Verwerflichkeit von Plagiaten in Doktorarbeiten erscheint mir, dass der Gesichtspunkt von gleichzeitigem Versagen der Doktorväter und der weiteren Beteiligten an der Vergabe von Doktortiteln unverständlicherweise bisher stets unter den Tisch gekehrt wurde. Da heißt es zum Beispiel jetzt, der Promotionsausschuss bescheinigte Graf, "die Universität getäuscht zu haben". Auch zum Täuschen gehören immer zwei. Wie kann man sich täuschen lassen oder auch noch dafür Verständnis haben, dass hier allein das Ansehen der Professorenschaft und der Uni unter allen Umständen gewahrt werden muss und dass Professoren und Doktorväter als die hochgeschätzten Fachgrößen den Schmu nicht erkannt und teilweise sogar mit "summa cum laude" bewertet haben? Unsere Lehrer in der Schule haben selbst vom Tischnachbarn Abgeschriebenes trotz Verfremdungen erkannt, gerügt und bestraft.

Olaf Hessemer, Konradshöhe

Längst fällige Grillverbote zum Schutz von Parks- und Grünanlagen

Zum Artikel: "Bezirke kämpfen gegen Müllberge in Berliner Parks" vom 3. Mai

Wenn Bezirksämter und Senat in den vergangenen Jahren nicht immer nur weggeschaut hätten, wären wir in Berlin schon viel weiter. Alle, Touristen, Berliner und Parkanlagen, werden davon profitieren, wenn sie wieder zum Erholen einladen. Nachdem Mittes Stadtrat Carsten Spallek mit dem Grillverbot im Tiergarten den ersten Schritt getan hat, trauen sich endlich auch andere Bezirke, ein Verbot auszusprechen. Solange beim Tempelhofer Feld keine andere Nutzung ansteht, spricht nichts dagegen, jeweils zum Wochenende einen oder zwei Euro Kostenbeteiligung von Grillern einzuziehen. Wer Geld für Grillkohle, Fleisch und Getränke hat, kann sich auch mit einem kleinen Obolus an der Müllbeseitigung beteiligen.

Klaus Okrafka, per E-Mail

Entschädigung der Zwangsarbeiter ist unausweichlich

Zum Artikel: "Billys dunkle Vergangenheit" vom 2. Mai

"Entdecke die Möglichkeiten", so lautet der weise Claim des schwedischen Möbelherstellers Ikea. Denn jetzt ist herausgekommen, dass Ikea über das VEB Sitzmöbelwerk Waldheim Möbel in DDR-Gefängnissen auch von politischen Zwangsarbeitern kostengünstig fertigen ließ. Kein Wunder also, warum insbesondere das Billy-Regal vom Kunden selten komplett montiert werden konnte. Es fehlte oft an wichtigen Befestigungselementen. Diese prekären Beschäftigungsverhältnisse von Ikea gehören an den Pranger, eine Entschädigung der Zwangsarbeiter ist unausweichlich.

Roland Klose, per E-Mail