Leserbriefe

"Absage ist kluge Entscheidung"

Leser zum politischen Druck auf die Regierung der Ukraine wegen der Inhaftierung Julia Timoschenkos

Die Absage des Staatsbesuches in der Ukraine durch den deutschen Bundespräsidenten Joachim Gauck ist eine kluge Entscheidung. Endlich setzt mal ein Politiker das um, was er als seine eigene Lebensphilosophie vertritt. Dass die Bundeskanzlerin ihn darin unterstützt, ist bemerkenswert.

Lutz-Peter Schmitz, Mitte

Die Ukraine ist noch nie ein demokratischer Rechtsstaat gewesen. Wer ukrainische Oppositionspolitikerinnen wie Julia Timoschenko schlägt und ihnen mit körperlicher Gewalt in der Haft im Gefängnis droht, hat als Staat in einem friedlichen Europa jegliche Legitimation als Mitgliedsstaat verloren. Gut zu wissen, dass Bundespräsident Gauck die Einladung vom ukrainischen Präsidenten Janukowitsch ausgeschlagen hat und diesen Unrechtsstaat nicht besuchen wird.

Der Deutsche Fußball-Bund sollte unter diesen Bedingungen ein Teilnahme an der Fußball-Europameisterschaft dort ablehnen und die Nationalmannschaft nicht in dieses Land reisen.

Albert Alten, per E-Mail

Garnisonkirche wichtig für Diskurs über die deutsche Geschichte

Zum Artikel: ",Die Kulturbarbarei soll nicht das letzte Wort haben'" vom 22. April

Auch wenn die Kosten für den geplanten Wiederaufbau der Garnisonskirche in Potsdam uns heute unerträglich hoch erscheinen, so wird diese geschichtsträchtige Kirche nicht nur das Stadtbild bereichern, sondern auch den gesellschaftlichen Diskurs über die deutsche Geschichte fördern. Altbischof Wolfgang Huber bekennt sich mutig zu den Spannungen, die auf diesem Ort liegen und die für gegenwärtige und künftige Generationen fruchtbar gemacht werden müssen. Hierzu benötigt das Kirchenprojekt eine überzeugende pädagogische Konzeption. Der Erinnerung an das Infanterieregiment 9 sollte dabei besondere Beachtung geschenkt werden. Eine Verbindung zur Berliner Gedenkregion Plötzensee in Charlottenburg-Nord mit den dortigen modernen Gedenkkirchen Maria Regina Martyrum und der Evangelischen Gedenkkirche Plötzensee mit dem Totentanz von Alfred Hrdlicka könnte das Engagement heutiger Christen um Vergebung und Versöhnung national und international deutlich werden lassen.

Maria von Fransecky, Spandau

Unkenntnis über die vorhandenen Marktstrukturen

Zum Artikel: "Rösler plant die gläserne Tankstelle" vom 21. April

Mit der populistischen Forderung nach einer Markttransparenzstelle für eine tägliche Preisbewegungsdatensammlung beweist der FDP-Wirtschaftsminister Philipp Rösler seine Inkompetenz zu Fragen von Markt und Wettbewerb in der Mineralölversorgung. Würde der Minister die in seinem Ministerium verfügbaren Daten zu den Eigentumsverhältnissen an den in Deutschland betriebenen Raffinerien, Transportsystemen und Versorgungslagern für die Tankstellen kennen, müsste er ganz andere Töne anschlagen. Mit dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland wurde die Umstrukturierung des gesamtdeutschen Mineralölmarktes von der auch für die preisbestimmenden US-Amerikaner offenen Marktwirtschaft auf das heute entscheidende Oligopol der Briten, Holländer und Franzosen eingeleitet. Dafür stehen die Marken Aral (BP), Shell und Total. Die Marken Esso und Jet stehen nur noch für Handelsorganisationen, die über Tauschmengen aus anderen EU-Staaten versorgt werden oder freie Raffineriespitzen aufkaufen dürfen. Die einst funktionierende Wettbewerbswirtschaft in der Mineralölversorgung Deutschlands ist von einer CDU/FDP-bestimmten Konzentrationspolitik außer Kraft gesetzt worden. Das Musterbeispiel dafür war die Vergabe der ostdeutschen Minol-Basis, die nicht per öffentlicher Ausschreibung versteigert wurde, sondern an die bis dahin für den deutschen Markt unbedeutenden Franzosen verschoben wurde.

Joachim F. Hildebrandt, Buckow

Bei dem herausragenden Gebäude nicht an der falschen Stelle sparen

Zum Artikel: "Bettenhochhaus der Charité bekommt neue Fassade" vom 21. April

Da der Kostenrahmen der künftigen Charité-Fassade bekannt ist, ist es logisch, dass die Architekten ihn auch ausreizen. Je höher die Bausumme, desto stattlicher ist ihr Honorar. Im Prinzip sollte aber der äußere Eindruck entscheiden. Da der Bau weit herausragt, sollte es schon etwas Einzigartiges sein. Jetzt die Wettbewerber zu veranlassen, eine preisgünstigere Lösung zu suchen, ist höchst bedenklich. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird dann am Material beziehungsweise an der Qualität desselben gespart. Was dabei herauskommt, kann man sich denken.

Thomas Hansen, Reinickendorf