Leserbriefe

"Dringend notwendige Förderung"

| Lesedauer: 4 Minuten

Leser zur Debatte über die von der Bundesregierung geplante Einführung des Betreuungsgeldes

Müssen sich Mütter oder Väter, die ihre kleinen Kinder bis zum Alter von drei Jahren zu Hause betreuen, wirklich so viel Diskriminierung gefallen lassen, wenn ihre Leistung mit einer staatlichen Förderung von 100 bis 150 Euro gefördert werden soll? Nein! Nicht die Androhung einer Verfassungsklage gegen das Betreuungsgeld hilft, den richtigen Weg zu finden, sondern ein Blick in das Grundgesetz Artikel 12 Absatz 5 besagt: "Wer in häuslicher Gemeinschaft Kinder erzieht oder für andere sorgt, verdient Förderung." Das Grundgesetz steht über dem Zeitgeist und ist von Müttern und Vätern gut durchdacht worden, Kinder im Alter von ein und zwei Jahren müssen noch keine staatliche Betreuungs- und Bildungseinrichtung besuchen, abgesehen davon, dass gar nicht genügend Fachpersonal mit einer fünfjährigen Ausbildung zur Verfügung steht. Das wirtschaftliche Kosten-Nutzen-Denken von Arbeitgebern, Gewerkschaftern und Politikern, das sich gegen das Betreuungsgeld richtet, ist ein Trugschluss. Staatliche Betreuung ist um ein Vielfaches teurer, aber unter den Gegebenheiten nicht besser. Die Gesellschaft sollte es fördern, wenn junge Menschen den Mut haben, eine Familie zu gründen, und ihre Kinder in den ersten drei Lebensjahren durch Mutter und Vater zu Hause betreuen wollen.

Anita Gnielinski, Charlottenburg-Wilmersdorf

Ich frage mich - solange ich zurückdenken kann -, in welcher modernen, gebildeten und aufgeklärten Welt leben wir eigentlich, in der die Familienarbeit, dabei insbesondere die persönliche Erziehung der Kinder durch die Eltern, allgemein so unangemessen unter Wert - erstaunlich ganz anders als das Ehrenamt - gewürdigt wird. Werden doch die Kinder andererseits als die "Zukunft unserer Gesellschaft" für ein (noch) besseres Leben und auch für die aufgrund des Generationenvertrages notwendige Versorgung der Senioren genannt. Eine gesunde und gerechte Gesellschaft muss dafür sorgen, dass eine Familie mit Kindern mit den Einkünften eines allein verdienenden Elternteils und den erforderlichenfalls ergänzenden staatlichen Leistungen für die Erziehungsarbeit gut auskommen kann.

Norbert Gewies, Konradshöhe

Die schwarz-gelbe Bundesregierung ist seit Jahren dafür bekannt, Kinderarmut in Deutschland hoffähig zu machen. Ein weiterer Beweis dafür ist die Tatsache, dass das Betreuungsgeld den an der Armutsgrenze lebenden Hartz-IV-Eltern und ihren Kindern von den ohnehin schon minimalen Hartz-IV-Bezügen abgezogen werden soll. Mit dieser Ausschlussregelung werden Menschen zweiter Klasse geschaffen, und der Gleichheitsgrundsatz wird mit Füßen getreten.

Albert Alten, per E-Mail

Unsere Gesellschaft hat ein Recht auf einen wohlbehüteten und liebevoll aufgezogenen Nachwuchs. Damit aber auch Verpflichtungen. Und so sind für das Erreichen der Eckwerte in dieser Verantwortung rechtliche Regelungen mit Sanktionsmechanismen für die Erfüllung der Verpflichtungen der Eltern und aber auch Rechte und Unterstützungsleistungen für Kinder und deren Erziehungsberechtigten wie das geplante Betreuungsgeld vonnöten. Diese Gesetzesvorschriften müssen dann mit entsprechende Maßnahmen und auch mit genügend Personal umgesetzt werden.

Jean Wandkowski, per E-Mail

Überlassen wir es doch grundsätzlich Vater und Mutter, wie sie ihr Leben zum Wohle der Kinder gestalten wollen. Die Gesellschaft sollte für die finanzielle Sicherung der Familien mit Kindern durch erforderliche Zuschüsse sorgen und zumutbare Bedingungen für den Wiedereintritt in das Berufsleben nach der Erziehungszeit sorgen. Zeitgenossen ohne Kinder darf ich an ihre Erwartungen im Alter erinnern, wenn sie auf die Zahlung ihrer Altersbezüge vertrauen wollen.

Regina Werpuschinski, per E-Mail

Eignungstest wie für Rettungshunde wäre ausreichend

Zum Artikel: "Verein droht mit Klage gegen Hundeführerschein" vom 20. April

Die Aufregung über den geplanten Hundeführerschein kann ich gut verstehen. Es sieht fast so aus, als ob die Hundehalterverordnung nur einen neuen Namen bekommt. Wieder werden bestimmte Rassen und Größen diskriminiert. Es dürfte sich auch bei Tierärzten herumgesprochen haben, dass es keine gefährlichen Rassen gibt. Der Schäferhund etwa ist kein Listenhund, obwohl er nachweislich die meisten Beißvorfälle erzeugt. Hunde mit bis zu 39 Zentimeter Schulterhöhe können ähnlichen Schaden anrichten wie größere Hunde. Sollte sich dieses komplizierte Werk durchsetzen, werden die Ordnungsämter Probleme mit den Kontrollen bekommen. Warum nimmt man nicht den Eignungstest für Rettungshunde für alle Hunde und deren Halter?

Volker Fritzemeier, Rietz-Neuendorf