Leserbriefe

"Das falsche Sendeformat"

Leser zum Ende der ARD-Vorabendtalkshow "Gottschalk live" wegen schlechter Quoten

Ich habe es geahnt, dass Thomas Gottschalk mit dieser Art von Sendeformat scheitern würde. Er hat nicht die neugierige und journalistische Art eines Günther Jauch oder Frank Elstner, sondern seine Stärke liegt eher in der unverbindlichen und humorvollen Moderation mit Spaßfaktor, die man nur in großen Hallen zelebrieren kann. Das hätten die Verantwortlichen bei der ARD eigentlich wissen müssen. Nun sollte Thomas Gottschalk zunächst erst einmal kürzertreten und sich nur auf die Moderation von Galas, Preisverleihungen oder Benefizveranstaltungen konzentrieren. Das Angebot, etwa nun eine ähnliche Sendung wie "Wetten, dass..?" im Ersten zu moderieren, sollte er lieber ausschlagen, denn wir haben schon genug Unterhaltungs- und Quizsendungen bei ARD und ZDF, die nach dem gleichen Muster gestrickt und völlig langweilig sind.

Thomas Henschke, Reinickendorf

Mit Bedauern haben wir zur Kenntnis genommen, dass das neue Sendeformat aus Berlin wieder abgesetzt werden soll. Es ist ein Trauerspiel, was da in der ARD abläuft. Gottschalk hat sein Bestes gegeben. Besonders überraschend ist die Entscheidung der Intendanten nicht, denn das Quotendesaster war absehbar. Mich wundert nur, dass kein Mensch die Verantwortung für diese Pleite übernehmen will, für die viel Geld förmlich zum Fenster hinausgeschmissen wurde.

Christian Lukner, per E-Mail

Zum Glück stellt die ARD die Sendung "Gottschalk live", die schon längst eine Aufzeichnung aus der Konserve ist, endgültig ein. Ob Moderator Gottschalk diese Entscheidung bedauert oder nicht, ist im Grunde zweitrangig. Die Einschaltquoten für ihn und seine Vorabendsendung waren schon lange im Keller. Wie Harald Schmidt hat der Entertainer Gottschalk den richtigen Zeitpunkt für einen würdevollen Abgang verpasst. Jetzt wird er einfach abgeschaltet und vom Sender genommen. Stilvolle Abschiede sehen anders aus.

Albert Alten, per E-Mail

Freiheit des Unternehmens wird dadurch beschnitten

Zum Artikel: "Weniger ist fair" vom 18. April

Als Personalberater mit langjähriger Erfahrung kann ich versichern, dass anonymisierte Bewerbungsverfahren Humbug sind. Personalsuchprozesse sind für Unternehmen sehr zeitaufwendig und teuer. Durch eine Anonymisierung wird dieser Zeitaufwand deutlich erhöht, die Effizienz gemindert. Mit dem vermeintlichen Mehr an Gerechtigkeit wird die Freiheit des Unternehmers oder seiner Personalverantwortlichen weniger. Die Freiheit, selbst wählen zu dürfen, wen man im Unternehmen haben will und wen nicht, wird beschnitten. Und nutzt es wirklich einem Bewerber, erst im Bewerbungsgespräch abgelehnt zu werden? Ein Beschäftigungskontext ist ein sehr sensibles Feld mit starken Bindungskräften, dabei geht es nicht ausschließlich um fachliche Fähigkeiten, sondern auch um viele andere Faktoren wie Alter, Geschlecht, soziale, weltanschauliche oder regionale Herkunft. So zu tun, als ob das nicht so sei, mag politisch korrekt sein, ist gleichzeitig jedoch äußerst weltfremd.

Andreas Wild, per E-Mail

Erfahrungen der Häftlinge werden in der Ausstellung ignoriert

Zum Artikel: "Die Kammer des Schreckens und der Protest der Opfer" vom 19. April

Erfreulich, dass sich die Berliner Morgenpost anlässlich der Eröffnung der neuen Dauerausstellung im ehemaligem KGB-Gefängnis Leistikowstraße in Potsdam des schon Jahre währenden Dauerskandals in der ehemaligen Gedenkstätte annimmt. Seit die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten die davor gut besuchte und mit einer sehr aussagekräftigen Ausstellung von Memorial Deutschland versehene Gedenkstätte übernommen hat, werden die Erfahrungen der Häftlinge ignoriert und mit unsäglicher Arroganz ihre Schriften boykottiert. Von Gedenken keine Spur mehr, Zeitzeugengespräche im dafür vorgesehenen Neubau sind untersagt worden. Wenn jetzt Frau Dr. Reich behauptet, sie wollte ein "modernes zeithistorisches Museum", dann räumt sie eindeutig den Bruch der Stiftungssatzung ein, wo es unmissverständlich heißt, dass der Stiftungszweck insbesondere "... der Gestaltung des Gedenkens an die Opfer der Verfolgung ..." dient. Dafür haben der Gedenkstättenverein und insbesondere die Zeitzeugen-Initiative jahrelang gekämpft und sind nicht nur von der Gedenkstättenleitung, sondern leider auch weitgehend von der Politik ignoriert worden. Hauptmanko der Ausstellung sind unzureichende Vertiefung der Schicksale, Überfrachtungen mit läppischen Privatissima der KGB-Täter, fehlende Thematisierung des Widerstands in den 40er- und 50er-Jahren sowie das Vertiefen der Endstation vieler Unschuldiger.

Dirk Jungnickel, Wilmersdorf