Leserbriefe

"Toleranz sollte Grenzen haben"

Leser zur Koran-Verteilaktion radikal-islamistischer Salafisten auf dem Potsdamer Platz in Mitte

Was wäre, wenn Christen auf dem Marktplatz islamischer Länder anfingen, Bibeln in der dortigen Landessprache zu verteilen? Die hiesigen Salafisten berufen sich in unserer freiheitlichen Demokratie auf die Religionsfreiheit und verteilen Koranübersetzungen mit fragwürdiger Übersetzungstreue an Christen in einem Land mit jahrhundertealter christlich-jüdischer Tradition, weil "das Verbreiten des Korans "die Pflicht jedes Muslims" sei. Das sagen ausgerechnet Leute, für die Toleranz ein Gräuel ist, Frauen mindere, zu verschleiernde Lebewesen und Christen und Juden als solche ohnehin inakzeptabel sind. Warum müssen wir uns das gefallen lassen? Warum sollen wir in eine längst vergangene Zeit zurückgeworfen werden, in der Glaubenskriege an der Tagesordnung waren und sektiererische Fanatiker knöcheltief in Blut wateten? Warum schöpft unser Staat nicht alle Mittel aus, diese Salafisten aus Deutschland zu entfernen?

Hans-Georg Reiss, Charlottenburg

Wenn jemand die Bibel verteilen würde in einem islamischen Land, dem droht die Todesstrafe. Wie blauäugig wird hier eigentlich argumentiert? Es geht hier um das unerlaubte Treiben radikaler Gruppierungen. Freiheit und Toleranz werden schamlos ausgenutzt. Wer will, kann sich fast alle Bücher dieser Welt in der nächsten Buchhandlung kaufen. Ich frage mich allerdings besorgt, woher die Organisatoren dieser deutschlandweiten Verteilaktion das Geld haben, um sich für einen vermutlichen Millionenbetrag in Deutschland einzukaufen?

Christoph Luban, per E-Mail

Die Salafisten sind eine konservative Strömung des sunnitischen Islams. Lediglich eine Minderheit der Salafisten fühlt sich einer gewaltbereiten dschihadistischen Ideologie zugehörig. Diese gewaltbereite terroristische Minderheit muss natürlich auch wie die Neonazi-Szene vom Verfassungsschutz konsequent überwacht und dingfest gemacht werden. Das darf aber nicht so weit führen, dass die im Artikel 4 des Grundgesetzes zugesicherte ungestörte Religionsausübung beeinträchtigt wird. Daher ist die kostenlose Verteilung des Korans durch Salafisten genauso legitim wie etwa das Verteilen der Bibel durch Christen und die Verteilung des "Wachtturms" durch die Zeugen Jehovas.

Roland Klose, per E-Mail

Die Berliner haben den Salafisten die Bücher aus den Händen gerissen. Dass sie damit Extremisten eine Plattform geben, nehmen sie in Kauf. Jeder religiös interessierte Mensch kann sich den Koran in Deutschland kaufen und muss nicht warten, bis er ein Buch geschenkt bekommt. Eine Bibel in einem islamischen Land zu verschenken steht unter Strafe. In der Türkei wurden Christen ermordet, weil sie angeblich missionieren wollten. Wir haben Religionsfreiheit, aber wo steht geschrieben, dass Missionierungsversuche erlaubt sind? In Deutschland wissen viele Einwohner nicht einmal, was abendländisch-christliche Kultur ist und warum Ostern und Weihnachten gefeiert werden. Toleranz ist gut, aber sie sollte auch Grenzen haben. Dafür sollte der Gesetzgeber sorgen.

Irmgard Plohmann, per E-Mail

Babyklappen-Piktogramm könnte falsch interpretiert werden

Zum Artikel: ",Keine Mutter gibt ihr Kind einfach so weg' - Die Berliner Schauspielerin Gesine Cukrowksi über ihr Engagement für Babys und deren Mütter, die unbekannt bleiben wollen" vom 14. April

Das Engagement der Schauspielerin Gesine Cukrowski für verzweifelte Mütter finde ich großartig. Vielleicht hat sie aber beim Anblick der Babyklappen-Piktogramme auch so einen Schreck bekommen wie ich: Muss das denn sein, dass das Strichmännchen, das ein Baby in die Klappe entsorgt (selbige sieht nämlich wirklich aus wie eine stilisierte Mülltonne) ausgerechnet so eindeutig männlich ist? Das suggeriert doch vielleicht vor allem jungen Müttern mit dem sogenannten Migrationshintergrund, dass die Person, die über Baby-Behalten oder Baby-Weggeben ein Mann ist. Vater, Bruder, Kinds-Erzeuger entscheidet - aber nicht die Mutter selbst? Vielleicht könnte Frau Cukrowski ja anregen, dass dem Piktogramm-Mannsbild ein Röckchen übergezogen wird. Auch wenn es dann grafisch nicht mehr so gelungen sein sollte.

Dr. Anke Rautzenberg, per E-Mail

Korrektur

Zum Artikel "Funkausstellung ist bereits ausgebucht" vom 16. April, Seite 1

Versehentlich haben wir den Beginn der diesjährigen Internationalen Funkausstellung (IFA) auf den 31. September datiert. Tatsächlich beginnt die Funkausstellung aber bereits am 31. August und dauert bis zum 5. September.