Leserbriefe

"Radfahren hat Zukunft"

Leser zum Gespräch mit ADFC-Landeschefin Eva-Maria Scheel über die Fahrradstadt Berlin

Wenn ich das Interview mit der neuen Landeschefin des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC), Eva-Maria Scheel, so lese, dass sie von den bitterbösen Autofahrern ganz übel behandelt wird, schießen mir die Krokodilstränen in die Augen. Ganz allgemein findet in Berlin ein Hauen und Stechen im Verkehr statt, das seinesgleichen sucht. Weil aber die Radler immer so bedrängt werden, gibt es in ihren Augen eine tolle Lösung: Rauf auf den Bürgersteig und dort gefahren, als sei es ein Sechstagerennen. Das finden die Fußgänger nicht so prima, weil sie auf dem Gehweg angefahren und verletzt werden. Die Klage, es gäbe zu wenig Radwege in Berlin, ist auch nur begrenzt richtig, und selbst wenn diese breit ausgebaut sind (etwa Otto-Suhr-Allee oder Bismarckstraße), ist es auf dem Bürgersteig viel besser zu fahren. Nein, Frau Scheel, die Fußgänger sind die Schwächsten im Verkehr, und es wäre an der Zeit, die ADFC-Mitglieder zu ermuntern, auf der Straße gemäß Straßenverkehrsordnung zu fahren.

Hans-Georg Reiss, Charlottenburg

Natürlich ist das Radfahren eine sehr gesunde und zu empfehlende Art der Fortbewegung. Zum Einkaufen von Getränkekästen und diversen schweren Lebensmitteln ist es nicht unbedingt empfehlenswert. Im zunehmenden Alter ist es auch ein gewisses Risiko und ohne jede Verkehrsschulung fast selbstmörderisch.

Lothar Otterstätter, per E-Mail

Obwohl ich mich durch die modernen Hilfsmittel übermäßig sichtbar mache, werde ich als täglicher Radwegnutzer auf dem Arbeitsweg von Zehlendorf nach Moabit und umgekehrt von anderen Verkehrsteilnehmern mehrmals am Tag übersehen und dadurch extrem gefährdet. Ich würde trotzdem nie auf die Idee kommen, diese Verkehrsteilnehmer aufgrund ihrer Unachtsamkeit als Kampf-Verkehrsteilnehmer zu bezeichnen. Auch kann ich nicht glauben, dass ein Kraftfahrzeugführer auf derselben Wegstrecke, die ich benutze, genauso oft gefährdet wird wie ich als Radfahrer. Radfahren hat Zukunft - man sollte nur mal schauen, was gerade so an E-Bikes verkauft wird. Dass es geht, zeigen Radwegstrecken in Ansätzen. So gibt es etwa im Verlauf der Straße des 17. Juni beidseitig gut ausgebaute Radwege. Hier bewegen sich Radfahrer (Altersgruppe Studenten) ausschließlich auf dem Fahrradweg. Meines Erachtens ein Paradebeispiel für die Akzeptanz von gut ausgebauten Fahrradwegen.

Markus Teschner, per E-Mail

Nicht allein auf Grundlage von Zahlen und Statistiken entscheiden

Zum Thema "Dem Senat geht ein Licht auf - aber zu spät" vom 2. April

Über die Zukunft der Berliner Gaslaternen darf nicht allein auf Grundlage von Zahlen und Statistiken entschieden werden. Wer den Abbau fordert, sollte sich darüber im Klaren sein, dass er damit die Zerstörung eines weltweit einzigartigen kultur-, technik- und industriegeschichtlichen Zeugnisses vorantreibt. Spätestens seit dem offenen Brief des europäischen Denkmalschutzverbundes Europa Nostra an den Regierenden Bürgermeister dürfte die Denkmalwürdigkeit der Gaslaternen unumstritten sein. Die vier in Berlin existierenden Haupttypen und einige Sondermodelle veranschaulichen bis heute eindrücklich die Entwicklung der Gasbeleuchtung von ihren Anfängen bis zur Gegenwart. Ein Abbau bedeutet das Verschwinden stadtbildprägender Laternen zugunsten von elektrischen Einheitsleuchten, die auf der ganzen Welt zu finden sind. Dies wird zur Folge haben, dass ganze Altbauviertel wie die Gegend am Amtsgericht in Charlottenburg, der Rüdesheimer Platz in Wilmersdorf, die Reichenberger Straße in Kreuzberg oder der historische Kern von Rixdorf in Neukölln demnächst nicht nur ihre authentische Beleuchtungsart, sondern auch ihre charakteristische Ausstattung verlieren werden.

Jascha Philipp Braun, per E-Mail

Meldegesetz kann Abtauchen in Illegalität verhindern

Zum Artikel: "Zu wenig Platz und Lehrer für Schüler aus Osteuropa" vom 7. April

Der 2. Roma-Statusbericht nennt Probleme, die schon im 1. Bericht erwähnt wurden. Nur, dass das Ergebnis jetzt noch schlechter ausgefallen ist. Solange es den Roma hier dank der sozialen Absicherung viel besser als in ihren Heimatländern geht, wird sich die Lage noch verschärfen. Allein die Tatsache, dass in Neukölln der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund bereits bei etwa 39 Prozent liegt, zeigt, wie dringend hier Handlungsbedarf besteht. Das Meldegesetz muss wieder eingeführt werden, um ein Untertauchen zu unterbinden. Außerdem muss Druck auf die Heimatländer der Roma ausgeübt werden, diese dort vernünftig zu behandeln, sodass sie, statt nach Deutschland zu kommen, lieber in ihrer Heimat bleiben.

Klaus Okrafka, per E-Mail