Leserbriefe

"Mehr Transparenz nötig"

Leser zu der Forderung der Krankenkassen nach niedrigeren Kosten für die Zahnarztbehandlung

Leider wird wieder ein negatives Bild der Zahnärzte provoziert. Was treibt die Kassen eigentlich an, den Eigenanteil des Patienten im Bereich Zahnersatz näher zu prüfen? Mit Einführung der Online-Abrechnung zwischen Zahnärzten und Kassen via Kassenzahnärztliche Vereinigung bekommen sie heute schon, EDV-mäßig aufbereitet, alle Daten geliefert. Ihren Festzuschuss bewilligen sie im Vorfeld der Behandlung, nötigenfalls kann die Notwendig- und Wirtschaftlichkeit im Vorfeld überprüft werden. Den Rest verhandeln die Patienten mit ihrem Zahnarzt. Die Einzigen, die jetzt noch ihren "Senf" dazugeben könnten, wären die Zusatzversicherungen, die schon viele Patienten in ihren Bann gezogen haben und auch vielfach Tochterunternehmen der Kassen sind. Über ihre eigenen Belange auch in Bezug auf die entstandenen Überschüsse sollte mal in den Kassen-Protzbauten nachgedacht werden. Und eine etwas fundierte Recherche tut gerade bei einem Thema gut, was mehr als die Hälfte der Bevölkerung betrifft.

Andreas Müller-Reichenwallner, Zahnarzt, Tegel

Als Abschluss einer Implantatbehandlung 2011 riet man mir zu einer Aufbissschiene. Ob das medizinisch notwendig war, kann ich nicht beurteilen. Die Schiene war beim nächsten Termin fertig; über die Kosten sollte ich mir keine Gedanken machen. Mein Misstrauen wurde geweckt, als mir meine BKK schriftlich die Kostenübernahme bestätigte, als ich die Schiene bereits zwei Wochen trug und weil mein Zahnarzt ohne mein Wissen tätig geworden war. Vor Jahren wollte ich schon ein Mal wissen, ob mein Zahnarzt Betäubungsspritzen abrechnete, die ich nie benötige, und bekam die Auskunft, dass meine BKK das nicht kontrollieren könne, da die Abrechnungen beim MDK landen. Dennoch: Ich wollte wissen, ob der Zahnarzt noch ein Mal einen Abdruck abrechnete und kontaktierte meine BKK. Ergebnis: Ein Abdruck wurde zwar nicht in Rechnung gestellt, dafür aber zwei "Kontrolltermine" im November, die nie stattgefunden hatten. Makaber: Im Dezember hatte ich mir vom Zahnarzt eine Aufstellung meiner zahlreichen Termine für 2011 geben lassen, um auch die Fahrtkosten als außergewöhnliche Belastung beim Finanzamt geltend machen zu können: Hier tauchten diese beiden Termine nicht auf. Ganz klar, dass die (Zahn-)Ärzte verhindern wollen, dass man ihnen in die Karten schaut. Ich fordere, dass die Krankenkassen die Rechnungen von ihren Patienten kontrollieren lassen. Der dadurch entstehende Mehraufwand würde meines Erachtens sofort kompensiert, da nur so überhöhte oder falsche Abrechnungen aufgedeckt werden können. Zudem würde es bei dem Versicherten das Bewusstsein für die Arzt- und Behandlungskosten wecken.

Andreas Keller, per E-Mail

Zunahme an Bürokratie mit zweifelhaftem Effekt

Zum Artikel: "Fünf Euro für jeden Arztbesuch" vom 12. April

Einsparpotenziale bei der Praxisgebühr sind erst mit deren Abschaffung zu verwirklichen. Die Rechnung dieser Gesundheitsökonomen ist kurzsichtig, denn wenn die 72 Millionen gesetzlich Versicherten jährlich durchschnittlich 17 Arztbesuche mit fünf Euro begleichen, sind dies auch ebensoviel Belege und mehr Bürokratie in den Praxen und Krankenkassenverwaltungen. Steuerungstechnische Elemente zum Vermeiden überflüssiger Arztbesuche haben sich bislang als wenig effektiv herausgestellt. Im Gegenteil. Patienten in prekären Lebenslagen sind damit umso mehr gefährdet, weil Zuzahlungen für Medikamente und Behandlungen das private Budget auffressen. Die Krankenkassen haben Reichtümer angehäuft, und die Armen trauen sich weniger zum Arzt.

Andreas Großmann, per E-Mail

Die Gestaltung der anderen Plätze nicht vergessen

Zum Artikel "Einmal Friedenau, immer Friedenau" vom 11. April

Nun hat eine Bürgerinitiative entdeckt, was Friedenau wirklich braucht: einen Bürgerplatz mit unterirdischer Bedürfnisanstalt. Die Lauterstraße soll dafür zum Teil für den Verkehr gesperrt werden, die bisher an marktfreien Tagen verbliebenen Parklätze sollen dem Erlebnisort geopfert werden. Dass die Lauterstraße eine wichtige Ausfallstraße aus dem Friedenauer Kiez ist, interessiert nicht. Wer den Blick um den Breslauer Platz schweifen lässt, sieht, dass es bereits heute reichlich Sitzgelegenheiten mit gastronomischem Angebot gibt. Man sehe sich ebenfalls den unlängst zum Kieztreff umgebauten Kaiser-Wilhelm-Platz an, was daraus geworden ist, und wer ihn tatsächlich nutzt. In Friedenau gibt es seit weit mehr als 100 Jahren etwa den Cosima-, den Renée-Sintenis- und den Perelsplatz. Bevor ein Bürgerplatz künstlich kreiert werden soll, würde es mehr Sinn machen und auch weniger kosten, diese Plätze wieder ansprechend zu gestalten.

W. Schulze und A. Scheler, Friedenau