Leserbriefe

"Parks für Radfahrer freigeben"

Leser zum wachsenden Anteil der Radfahrer am Straßenverkehr und der erhöhten Unfallgefahr

Vor Kurzem las ich, dass Bezirksverwaltungen das Fahrradfahren in zwei weiteren Berliner Parks erlaubt haben. Angesichts des Fahrradbooms ist das nur recht und billig. Ich fordere das uneingeschränkte Recht, alle größeren Wege in Berliner Parks mit dem Fahrrad nutzen zu dürfen. Selbstverständlich haben Fußgänger auf Parkwegen Vorrang. Gegenseitige Rücksichtnahme versteht sich von selbst. Es ist aber schon lange nicht mehr zeitgemäß und entspricht auch nicht den Realitäten, dort immer noch Verbote auszusprechen. In meiner Wohngegend in Alt-Tempelhof fahren wir seit 50 Jahren - und das haben schon meine Eltern so gehalten - grundsätzlich die Abkürzungswege durch den zusammenhängenden Bosepark, Lehnepark und Franckepark. Würde man die Querverbindungen durch Berliner Parks nicht nutzen, wäre man wie bei uns auf die extrem viel befahrenen Hauptstraßen ohne Fahrradweg angewiesen. Hier gab es schon genügend angefahrene und tödlich verunglückte Fahrradnutzer. Die Parks sind für alle Bürger da. Auch für Fahrradfahrer.

Detlef Knick, Tempelhof

Noch immer gleicht das Berliner Radwegenetz vielerorts einem Flickenteppich mit gefährlichen Löchern. Investitionen in diesem Bereich sind Investitionen in die Zukunft - zum Wohle der Bürger. Denn ein Zurück zu mehr Autoverkehr wird es - auch angesichts der stetig steigenden Kraftstoffpreise - nicht geben.

Julius Matern, Friedrichshain

Wann wird endlich ein verbessertes Spiegelsystem verpflichtend für alle Lastkraftwagen, um Radfahrer und Fußgänger besser zu schützen? Übrigens gibt es eine Untersuchung, die belegt, dass je professioneller ein Radfahrer geschützt ist, umso stärker der Abstand der Autos zum Radfahrer vom Autofahrer unterschritten wurde.

Jürgen Seifert, Friedenau

Geplante EU-Verordnung muss für klare Verhältnisse sorgen

Zum Artikel: "Nachtflugverbot für Frankfurt bestätigt - keine Folgen für Berlin" vom 5. April

Flughafensprecher Ralf Kunkel könnte sich zu sehr in Sicherheit wiegen, wenn er meint, dass durch die bisherige Leipziger Genehmigung die Nachtflugregelung für unseren künftigen Willy-Brandt-Flughafen in Schönefeld quasi in Stein gemeißelt sei. Man bedenke die bestehende Verfassungsklage sowie eventuelle Klagen vor dem Europäischen Gerichtshof. Damit unsere strukturschwache Region mittels Flugrandzeiten unter anderem entsprechend zur medizinischen Versorgung beitragen kann, brauchen wir nunmehr die geplante EU-Verordnung, welche Nachtflugverbote quasi außer Kraft setzen kann. Die Bundeskanzlerin ist daher aufgerufen, sich klar zu dieser geplanten Verordnung zu bekennen. Unsere Region leistet Erhebliches für den Lärmschutz mittels Gebührenordnung, welche die Gebühren nach der Lautstärke der Flugzeuge staffelt, sowie durch ihren Beitrag zum Satelliten-Navigationssystem Galileo, das durch optimale Flugrouten für weniger Lärm sorgt. Auch unsere Triebwerkstechnologie trägt mit der Konstruktion verbesserter Triebwerke zum Lärmschutz bei.

Holger Voss, Spandau

Falsche Schlussfolgerungen aus dem Reaktorunglück gezogen

Zum Artikel: "Wannsee-Reaktor wieder in Betrieb" vom 30. März

Ein Jahr nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima ist es an der Zeit, Bilanz zu ziehen. Kernkraftwerke werden in Deutschland, aber nur hier, verteufelt. Vergleichen wir die Zahl der Toten, die im Bergbau starben, mit der, die durch Strahlung erkrankten, so kommt man zu dem Ergebnis: Seit 1850 bauen wir Kohle in größerem Maße ab. Dabei starben im Schnitt weltweit jährlich 200 Bergleute. In China, wo noch heute viel Kohle abgebaut wird, sterben sogar 500 Bergleute pro Jahr. Kohlebergbau ist also wesentlich gefährlicher, als etwa die Kernkraft zu nutzen. Was geschah in Fukushima? Auslöser war ein Erdbeben, dem folgte ein Tsunami, bei dem mehr als 20.000 Menschen starben. Dem folgte ein Super-GAU in mehreren Kernkraftwerksblöcken, da die Stromzufuhr durch den Tsunami ausgefallen war. Tote oder Verstrahlte gab es so gut wie keine. Verstrahlt war ein Umkreis von zunächst 30 Kilometern, heute sind es nur noch 20 Kilometer, in etwa zehn Jahren wird das ganze Gebiet wieder bewohnbar sein. In Hiroshima dauerte die Verstrahlung nach dem Bombenabwurf von 1945 vier Jahre. Dass es zu einem Super-GAU kommt, ist höchst selten. Bei 15 Kernkraftwerken muss man mit einem Zeitabstand von 700 Jahren rechnen. Folgerichtig nutzt der Rest der Welt Kernkraftwerke weiter. Frankreich hat die Laufzeit seiner Kernkraftwerke von 40 auf 60 Jahre verlängert mit der Folge, dass der Strom dort nur halb so viel wie in Deutschland kostet. China hat kürzlich den Bau von weiteren 80 Kernkraftwerken beschlossen.

H.-J. Merke, Potsdam