Leserbriefe

"Erfrischend neuer Politikstil"

Leser zu einer Umfrage, wonach viele Menschen nicht an den dauerhaften Erfolg der Piraten glauben

Die Piraten sind die Polit-Newcomer des Jahres. Umfragen und Wahlen entern sie aus dem Stand ohne große Probleme. Immer mehr Wählerstimmen sind ihnen zurzeit sicher, und die FDP lassen die Piraten richtig alt aussehen. Mit den Wahlerfolgen der Piraten-Partei bekommt das Parteikürzel der FDP eine völlig neue Bedeutung: Fast Drei Prozent. Ob die Piraten sich im verkrusteten Parteisystem Deutschlands längerfristig etablieren können, hängt zum einen maßgeblich davon ab, ob sie ihre internen Konflikte in den Griff bekommen und zum anderen davon, ob sie die Proteste ihrer Wähler innerhalb und außerhalb der Parlamente Erfolg versprechend in Politik umsetzen können. Ein neuer Politikstil im deutschen Parteiensystem wäre erfrischend und könnte dazu führen, dass die geheime Hinterzimmerpolitik der etablierten Altparteien unter Ausschluss der Wähler und Parteimitglieder endlich an Bedeutung verliert.

Albert Alten, per E-Mail

Vielleicht ist ja dem einen oder anderen Politiker über Ostern ein Licht aufgegangen. Die Leute wählen nur noch den Protest, weil kein Mensch mehr mit der Politik zufrieden ist. Was soll man noch sagen, wenn bei der NRW-Wahl die Piraten, die gar kein Programm haben, die Gewinner sein werden? Was macht denn eigentlich die CDU? Es scheint, als seien alle etablierten Parteien von allen guten Geistern verlassen.

Christian Lukner, per E-Mail

Ein alter Mann, der einstmals interessante Bücher geschrieben hat

Zum Artikel: "Jerusalem hat genug vom ewigen Mahner" vom 10. April

Ob das Einreiseverbot Günter Grass wohl anficht? Er will bestimmt nicht mehr nach Israel reisen. Also nur Schattenboxen. Kein Schattenboxen dagegen sind die deutschtypischen Reflexe auf sein Gedicht. Jeder Deutsche, der es wagt, Kritik - sei sie berechtigt oder unberechtigt - an Israel zu üben, wird in die Nazi-Ecke geschoben. Wer ist Grass? Ein alter Mann, der einstmals interessante Bücher geschrieben, auch einen Nobelpreis erschlichen hat, aber heuchlerisch und verlogen ist, wie die späte Offenbarung seiner SS-Mitgliedschaft gezeigt hat. Ihm mit diesem Rundum-Keulenschlag eine derartige Präsenz in den Medien zu verschaffen, richtet mehr Schaden an als sein bedeutungsloses Gedicht.

K. Pade, per E-Mail

Debatte um das Betreuungsgeld: Eltern werden diskriminiert

Zum Artikel: "Glaubenskampf ums Betreuungsgeld" vom 3. April

Die Diskussion um das Betreuungsgeld wird mit unsachlichen Argumenten geführt. Es ist schon diskriminierend, wenn die ureigenste Aufgabe von Eltern, ihre Kinder im geborgenen familiären Umfeld aufzuziehen, von Leuten der Betreuungswirtschaft infrage gestellt wird. Es ist purer Gruppenegoismus und schädlich für die Familie - übrigens Keimzelle der menschlichen Sozialisation -, wenn weiter so familienpolitisch agiert wird.

Wolfgang Heller, Westend

Es muss kein neues "Familienbild" geben, denn was kann Kleinkindern besseres widerfahren, als wenn sie gerade in ihren ersten drei Lebensjahren von ihren Eltern in der Geborgenheit der Familie aufgezogen werden. Seien wir doch froh und freuen uns, dass gerade Mütter heute eine weitaus bessere Bildung und Ausbildung als früher haben. Allerdings müssen wir natürlich all den Familien Hilfestellung leisten, die derartige gute Voraussetzungen zur Erziehung ihres Nachwuchses noch nicht haben. Wer das unsachliche Hetzwort "Herdprämie" weiterhin als politisches Argument verwendet, der sollte wegen Irreführung und Diskriminierung zur Rechenschaft gezogen werden.

Regina Werpuschinski, Frohnau

Eine bessere Leistung kann die Regierungskoalition nicht erbringen, wenn sie sich an ihren Koalitionsvertrag hält. Eine bessere persönliche und gesellschaftliche Leistung einer Mutter und/oder Vaters kann ich mir nicht vorstellen, wenn diese ihre Kleinkinder zumindest bis zum dritten Lebensjahr selbst erziehen und fördern. Das sollte gesellschaftlich gefördert und auch honoriert werden, zumal wir dann auch weniger Probleme in der Zukunft im Zusammenleben der Bevölkerung haben werden.

Olaf Hessemer, Konradshöhe

Korrektur

Zum Artikel: "Checkpoint Charlie ohne Geschichte" vom 10. April

Versehentlich haben wir die Besucherzahl in der Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße für das Jahr 2011 falsch angegeben. Im vergangenen Jahr besuchten 650.000 Menschen diese Gedenkstätte.