Leserbriefe

"Schulgesetz ist einzuhalten"

Leser zum Unterrichtsausfall an Schulen infolge des erhöhten Krankenstands der Lehrer

Der Unterrichtsausfall in unseren Schulen ist nicht mehr hinnehmbar. Die Senatsbildungsverwaltung muss unmissverständlich auf ihre Pflichten hingewiesen werden, die Schulen mit den entsprechenden Fachpädagogen zu besetzen. Dass Menschen auch einmal krank werden, sollte der Verwaltung grundsätzlich bewusst sein. Hier gilt es, den entsprechenden Weitblick zu haben und Vorsorge zu treffen. Es kann und darf nicht sein, dass die Versorgung der Schulen mit Lehrkräften zum ärgerlichen Dauerthema wird. Auch an der Schule meines Sohnes, der Brandwerder-Grundschule in Spandau, gibt es derzeit einen erheblichen Mangel an Lehrern und dadurch Unterrichtsausfall. Die Schulleiter ringen um Fachpädagogen und werden von der Senatsbildungsverwaltung im Regen stehen gelassen. Müssen die Eltern erst für ihre Kinder für deren Recht auf Bildung klagen?

Michael Klages, Staaken

Der Grund für die vielen dauerhaft kranken Lehrer liegt meines Erachtens darin, dass kein Arzt einem privat versicherten Lehrer, also einem gut zahlenden Patienten, eine Krankschreibung verweigert. Zusätzlich erhält ein verbeamteter Lehrer, trotz längerer Krankheit, im Gegensatz zu einem normalen Angestellten, kein reduziertes Krankengeld, sondern weiterhin seine hohen Bezüge. Ein recht großer Teil der Lehrer wird also dazu verführt, schon bei kleinsten Unannehmlichkeiten oder Krankheiten zu fehlen, da keinerlei finanzielle Einbußen drohen.

Jürgen Wachholz, Wilmersdorf

Warum gelten Eltern, die ihre Kinder nicht zur Schule schicken, als Gesetzesbrecher, während der Gesetzgeber doch selbst das Schulgesetz unterläuft? Diese ständig zunehmende Anzahl der Ausfallstunden spricht für sich. Der Gesetzgeber ist in der Pflicht, das Schulgesetz mit der Gewährleistung des vollen Stundenprogramms zu gewährleisten. Es ist auch zu überprüfen - so, wie man es bei gewerblichen Arbeitnehmern auch tut -, ob alle Lehrkräfte tatsächlich durch "Überforderung" krank sind. Da sollte man keine Unterschiede machen.

Günter Doberschütz, Rudow

Arme, Arbeitslose und Obdachlose übernehmen Resteverwertung

Zum Artikel: ",Schulterschluss' gegen Wegwerfen von Lebensmitteln" vom 28. März

Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) klagt mit ihrer Kampagne gegen die Lebensmittelverschwendung die Verbraucher direkt an. Dabei liegen die Ursachen für die Lebensmittelverschwendung in Deutschland ganz klar in der Politik, beim Erzeuger und beim Handel, die mit einer gezielten Normung, Massenproduktion und Mindesthaltbarkeit von Lebensmitteln, einem übertriebenen Frische- und Biowahn und einem gesteigerten Qualitätsbewusstsein die Kriterien unserer Wegwerfgesellschaft entscheidend und nachhaltig geprägt haben. Angesichts dessen ist Aigners Kampagne gegen Lebensmittelverschwendung nichts anderes als ein moderner Schildbürgerstreich, zumal ja heutzutage vielerorts die Tafeln für arme, arbeitslose und obdachlose Menschen die Resteverwertung in unserer Gesellschaft übernommen haben.

Roland Klose, per E-Mail

Gigantische energiepolitische Fehlentwicklungen

Zum Artikel: "Das Ende der deutschen Solarzelle" vom 4. April

Schon das vierte bedeutende Unternehmen der Fotovoltaik-Branche in Deutschland ist pleite. Bitter für die knapp 2000 Beschäftigten von Q-Cells, denen nun die Arbeitslosigkeit droht. Wundern darüber sollte sich niemand. Die Politik hatte versprochen, eine neue Hightech-Branche in Deutschland zu installieren, Geld spielte keine Rolle. Mit mehr als 100 Milliarden Euro Subventionen wurde die Solarindustrie hochgepäppelt. Allerdings ist die Sonnenscheindauer in Deutschland mit jährlich etwa 900 Stunden auf dem Niveau von Alaska. Der Anteil des Solarstroms in der Energiebilanz beträgt nur 3,16 Prozent und rechnet sich nur, solange üppige Subventionen fließen. Richtig nachdenklich werden sollte man, wenn man erfährt, dass es in Deutschland etwa 50 Prozent der weltweit installierten Fotovoltaik-Kapazitäten gibt. So gigantische energiepolitische Fehlentwicklungen, gefördert durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), können nicht ohne Folgen bleiben, die haben vor allem die Beschäftigten der Solarwirtschaft auszubaden. Überkapazitäten, Subventionsmentalität, mangelnde Wettbewerbsfähigkeit und Missmanagement im Solarbereich tun ihr Übriges zum Niedergang der Branche. Verwöhnt durch unbegrenzte Subventionen nach dem EEG, haben die Pleitekandidaten der deutschen Solarbranche alles vernachlässigt, was für ihren langfristigen, beihilfefreien Erfolg hätte nützlich sein können.

Dr. Helmut Pöltelt, Ahrensfelde