Leserbriefe

"Mobilität ist Luxus geworden"

Leser zu den hohen Kraftstoffpreisen und den Plänen der Regierung, wie sie Autofahrer entlasten will

Bleibt zu hoffen, dass die fünf Mineralölkonzerne (Aral, Shell, Esso, Total und Jet) zu Ostern nicht wieder ihre Marktmacht ausspielen und die Benzinpreise rasant in die Höhe treiben. Denn die Benzinwut der Autofahrer an den Tankstellen ist schon jetzt täglich spürbar. Für viele von denen fällt schon jetzt die geplante Fahrt zu den Verwandten, die sie lange nicht mehr gesehen haben, aufgrund der hohen Benzinpreise zu Ostern ins Wasser. Mobilität mit dem Auto ist in Deutschland reiner Luxus geworden und wohl bald wie die Strompreise kaum noch bezahlbar.

Albert Alten, per E-Mail

Wenn ein Unternehmen seine Preise alleine mit der Erklärung gestiegener Rohstoffpreise erhöht, riskiert es am Markt Umsatzeinbußen. Die Ausnahme sind Produkte wie Energie und Sprit, auf die der Verbraucher nicht einfach verzichten kann. Hier wird die Marktwirtschaft ausgehebelt.

Dieser Zustand kann und muss durch eine übergeordnete Institution reguliert werden. Da diese Institution, unser Staat, an der Preiserhöhung mit bis zu 80 Prozent partizipiert, ist natürlich wenig Enthusiasmus zu erwarten.

M. Brenner, per E-Mail

Infolge der Ölkrise von 1973 musste die alte BRD 153 Prozent mehr für Erdölimporte ausgeben. Der Benzinpreis stieg um satte 40 Prozent, während die Autoproduktion um 18 Prozent einbrach. Die Arbeitslosigkeit in Deutschland erhöhte sich damals binnen zwei Jahren um dramatische 270 Prozent. Auslöser für die Ölkrise 1973 war der Jom-Kippur-Krieg beziehungsweise der schwelende Nahostkonflikt, was die Opec veranlasste, die Ölfördermengen einzuschränken und die Preise für Erdöl drastisch zu erhöhen. Was hat sich 2012 gegenüber 1973 verändert? Im Prinzip nichts. Die Wirtschaft und die meisten Autos in Deutschland sind immer noch vom Benzin abhängig, jeder vierte Arbeitsplatz hängt am Auto. Außerdem drohen militärische Interventionen im erdölreichen, vom Embargo betroffenen Iran und in Syrien beziehungsweise die Schließung der wirtschaftlich bedeutenden Straße von Hormus, dem wichtigsten Nadelöhr für Ölexporte überhaupt. Ein immer noch vorhandener Nahostkonflikt bewirkt ein Übriges. Werden all diese Probleme nicht endlich gelöst, droht eine neue Öl- und Weltwirtschaftskrise. Der Vorläufer davon sind am Markt und an den Risiken orientierte Benzin- und Heizölpreise, in deren Windschatten die Profiteure der Opec und der Mineralölindustrie die Verbraucher abzocken. Sind Elektroautos die Lösung? Damit kommen wir vermutlich vom Regen in die Traufe, weil wir dadurch statt von den Ölscheichen, der Mineralölindustrie und dem Staat von den großen Energiekonzernen und dem Staat abgezockt werden. Oder glaubt jemand, der Strompreis wäre dann günstiger als der Benzinpreis?

Roland Klose, per E-Mail

Es gibt für die Bundesregierung keinen Grund, auf die steigenden Benzinpreise zu reagieren. Die Politik greift schon viel zu oft in das Marktgeschehen ein und trägt mit dazu bei, dass es zu noch größeren Verwerfungen an den Märkten kommt. Es muss alles unterbleiben, was die Durchsetzbarkeit von Preiserhöhungen begünstigt.

Wolfgang Heller, Westend

Die populistischen Pläne der Bundesregierung können nicht überzeugen. Denn erstens trägt die Idee, die Mineralölkonzerne dazu zu verpflichten, ihre Preise vorab zu melden, einen planwirtschaftlichen Charakter, der sehr deutlich der Philosophie des gerade von CDU, CSU und FDP oft als Vorbild gerühmten Ludwig Erhard widerspricht. Und zweitens werden die Benzinpreise mit großer Wahrscheinlichkeit künftig noch viel höher steigen, da die Nachfrage an den Rohölmärkten insbesondere aus den Schwellenländern wie China oder Indien weiter erheblich zunimmt. Deswegen wäre es wesentlich intelligenter, die Autoindustrie stärker in die Verantwortung zu nehmen, damit sie nicht nur in der Werbung, sondern auch der Realität sparsame Modelle anbietet.

Rasmus Ph. Helt, per E-Mail

Nur Bohrinseln mit Notfallplänen für Katastrophen genehmigen

Zum Artikel: "Total rüstet sich für Explosion an Gasplattform" vom 31. März

Wieder zeigt sich, dass es für Vorfälle auf Bohrinseln keinen Plan gibt. Total geht von sechs Monaten bis zur Abdichtung des Lecks aus. Bis dahin sind in der Nordsee viele Tiere und Organismen tot. So sieht man zu, wie die Schadstoffe monatelang in die Nordsee fließen, und verlangt nicht einmal für künftige Fälle, dass Total Vorkehrungen trifft, die eine Soforthilfe und ein Abdichten des Lecks möglich machen. Es dürfte keine Bohrinsel mehr genehmigt werden, solange nicht auch ein entsprechender Katastrophenplan besteht.

Regina Kröning, Spandau