Leserbriefe

"Eine teure Hilfsaktion"

Leser zu Schlecker und der Finanzierung einer Transfergesellschaft für die entlassenen Mitarbeiter

Warum tun sich der Bund und die Bundesländer so schwer, für die insolvente Schlecker-Drogeriekette in Form einer Auffanggesellschaft in Höhe von 71 Millionen Euro zu bürgen. Für marode Banken, EU-Schuldenstaaten, Opel, Arcandor, Schaeffler etc. war dies doch auch kein Problem. Hier wurden Milliarden Euro innerhalb kürzester Zeit bewilligt und zur Verfügung gestellt. Sind es die arbeitenden Menschen von Schlecker, die um ihren Arbeitsplatz bangen, nicht wert, per Rettungsschirm gerettet zu werden? Für die benötigte Auffanggesellschaft könnten ja Mittel aus dem Topf des Solidaritätszuschlages genommen werden. Dann könnten wir wirklich von gelebter Solidarität in Deutschland sprechen.

Roland Klose, per E-Mail

Wozu muss es eine Transfergesellschaft geben? Warum können die 70 Millionen Euro nicht von der Bundesanstalt für Arbeit kommen? Auch sind die Millionen in Wirklichkeit keine Investition im klassischen Sinne, die durch einen erwirtschafteten Gewinn zurückgezahlt wird, sondern ein aus sozialen Gründen gezahlter Beitrag, der gar nicht zurückgezahlt werden kann. Die Bürgschaft wäre also reiner Etikettenschwindel.

Wolfgang Heller, Westend

Was auf die entlassenen Schlecker-Mitarbeiter zukommt, heißt früher oder später doch Arbeitslosigkeit. Die avisierte Auffanggesellschaft verzögert den Weg doch nur und wird für die betroffenen Länder eine teure Hilfsaktion. Ich denke, dass jetzt vor allem die Arbeitsämter zeigen sollten, dass sie nicht nur Prozente ausrechnen können. Ihre Aufgabe wäre es jetzt, mit Weiterbildung und besonderer Förderung und spezieller Jobsuche den Schlecker-Frauen zu helfen. Denn nichts ist schlimmer, als in ein tiefes Loch zu fallen.

Sigurd Rittershaus, Wilmersdorf

Statt Sparen mehr Geld für Integrationslotsen

Zum Artikel: "Wenn sie uns behalten, spart der Staat viel Geld" vom 28. März

Wenn sie uns behalten, spart der Staat Geld - diese Aussage ist bei den Integrationslotsen absolut stimmig, und darum darf hier auf keinen Fall gekürzt werden. Im Gegenteil, es müssen mehr Mittel zur Verfügung gestellt werden. Wenn aber die Freunde des Mauerparks und der Neuköllner Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky meinen, dass Steuergelder ausgegeben werden müssen, um die Hinterlassenschaften der Mauerpark- und Hasenheide-Besucher zu beseitigen, stellen sie alle Benimmregeln auf den Kopf. Man muss nicht einen Beschäftigungssektor bereithalten, damit andere weiterhin ihren Dreck liegen lassen können. Sollen sie doch den Müll liegen lassen, es wird nicht lange dauern, und die Parkanlagen-Verschmutzer werden von sich aus das Gespräch mit den Bezirken suchen, um gemeinsam Lösungen zu erarbeiten. Dann können auch Kleinkinder ohne Verletzungsgefahr das Grün der Stadt wieder genießen.

Klaus Okrafka, per E-Mail

Viel Sport getrieben und trotzdem krank

Zum Artikel: "Endlich bewiesen: Sport schlägt Pille" vom 29. März

Ich habe leider andere Erfahrungen gemacht, die die These "Sport schlägt Pille" widerlegen. Ich bin 69 Jahre alt und habe bis September 2011 regelmäßig drei bis vier Mal in der Woche Sport gemacht. Von unseren insgesamt 15 Männern (alle zwischen 65 und 71 Jahre alt) sind trotz ausgewogenen Lebenswandels und viel Sport immerhin fünf an Prostatakrebs erkrankt. Wir sind gewalkt, haben Gymnastik und aktiv Faustball bis zu den deutschen Meisterschaften gemacht. Einzig diesem Umstand ist es wohl zu verdanken, dass wir unsere Krankheit immer noch bei gutem Allgemeinzustand fit ausheilen beziehungsweise ertragen können.

Manfred Schneider, per E-Mail

Für das alkoholfreie Bier gilt die Weinverordnung

Zum Artikel. "Foodwatch: Alkoholfreies Bier enthält zu viel Alkohol" vom 29. März

Es ist schon kurios, dass der Deutsche Brauer-Bund die Weinverordnung heranzieht, um zu erklären, welches Bier sich alkoholfrei nennen darf. Richtig wäre der Hinweis auf das Biersteuergesetz. Dort wird zur Definition des Begriffes Bier im steuerrechtlichen Sinne auf die Position im Zolltarif für "Bier aus Malz" verwiesen. In den Erläuterungen zu dieser Position ist u. a. ausgeführt, dass sogenanntes alkoholfreies Bier aus Malz 0,5 Prozent Alkohol oder weniger enthalten darf. Im steuerrechtlichen Sinne ist es dann kein Bier und unterliegt nicht der Biersteuer. Dieser steuerrechtliche Tatbestand ist der Hintergrund für die Bezeichnung dieser Biere als "alkoholfrei".

Joachim Koch, Lankwitz