Leserbriefe

"Niemand warnt vor der Gefahr"

Leser zu multiresistenten Keimen in Kliniken, die erstmals auch in Berlin festgestellt wurden

Mit deutscher Gründlichkeit werden wir vor Straßenglätte, Gehwegschäden, Radarfallen und Ekellokalen gewarnt. Und erst der Beipackzettel! Hier informiert man uns seitenlang über alle nur möglichen Risiken und Nebenwirkungen. Und wenn wir nicht weiterwissen, fragen wir unseren Arzt oder Apotheker. Ganz anders verhält man sich bei keimverseuchten Krankenhäusern. Da steht nicht in großen Buchstaben: "Achtung, es besteht die Gefahr, sich bei uns mit gefährlichen Keimen zu infizieren." Weder Arzt noch Apotheker können über keimverseuchte Krankenhäuser Auskunft geben. Natürlich gibt es in Kliniken keine Hygiene-Smilies. Wie es um die Klinikhygiene bestellt ist, wird auf gesetzlicher Grundlage geregelt: Keimverseuchte Krankenhäuser fallen unter das Betriebsgeheimnis, zur Vermeidung von Panik.

Roger Morell, per E-Mail

Ich lag vor einiger Zeit in einem bekannten Berliner Krankenhaus. Die Operation war sehr gut verlaufen. Nach der Rückverlegung auf die Station, trat aus der OP-Narbe Wundsekret aus. Meine Wäsche wurde gewechselt. Auch die Wunde wurde versorgt. Nur die Bettwäsche, die in Mitleidenschaft gezogen war, wurde nicht gewechselt. Daraufhin habe ich das Pflegepersonal angesprochen. Aber keine Reaktion. So lag ich noch vier Tage in der verdreckten Bettwäsche, bevor sie gewechselt wurde. Kein Wunder, dass man sich Keime einfängt.

Werner Fritzsche, Lichterfelde

Fehlende Beratung führte zu einem rechtliche Schaden

Zum Artikel: "Meine Ehre als Notar wurde beschädigt" vom 25. März

Für Kurzzeitsenator Michael Braun sind alle anderen schuld: die Banken, die nicht prüften, die Bösen, die ihn zu Fall brachten, sein Notarvertreter. Und obendrein gibt es nur einen wirtschaftlichen Schaden und keinen rechtlichen. Der wirtschaftliche Schaden entstand doch erst, weil er Notariate mit aufgespalteten Verträgen annahm. Seine Pflicht wäre es gewesen, den Erwerbern klarzumachen, was das für ihre Rechte und Pflichten bedeutet. Tat er aber nicht, weil sonst sicher kaum jemand so eine Immobilie gekauft hätte. In der fehlenden Beratung liegt der rechtliche Schaden. Der wirtschaftliche Schaden wäre ohne den rechtlichen Schaden nicht denkbar.

Michael Grasse, Lichtenrade

Piraten sind eine Partei ohne Profil

Zum Artikel: "Piraten mischen Parteienspektrum auf" vom 26. März

Dass den Piraten an der Saar mit 7,4 Prozent der Einzug in das zweite Landesparlament gelang, ist ein trügerischer Erfolg, ist doch das Profil der Partei bisher die "Profillosigkeit". Die Partei ist eindeutig ein Blitzableiter für Unzufriedene, Internetsurfer und Querulanten. Das reicht nicht für eine seriöse politische Programmatik. Eine Partei, die ein bedingungsloses Grundeinkommen anstrebt, die komplette Freigabe von Drogen fordert und sich mit Anträgen für ein "Grundrecht auf öffentliche Nacktheit" beschäftigt, kann keinen ernst zu nehmenden Beitrag für den demokratischen Rechtsstaat leisten.

Rudolf Purschke, Mariendorf

Milliarden in ein Fass ohne Boden

Zum Artikel: "Deutschland gibt Widerstand gegen Euro-Rettung auf" vom 27. März

Nur weil die Kanzlerin nicht als Zerstörerin der EU in die Geschichte eingehen will, zahlen wir Deutschen immer weiter. Wir werfen Milliarden in ein Fass ohne Boden. Natürlich fordern die anderen Länder das, denn die bekommen ja unser Geld. Was heißt denn "internationaler Druck"? Die nächste Wahl gehört ganz den Piraten, denn die anderen Parteien verstoßen so massiv gegen die Interessen des Volkes, dass sie keiner mehr wählen wird.

Regina Kröning, Spandau

Es ist allerhöchste Zeit für den Aufbau West

Zum Artikel: "Dauerbaustelle Tauentzien - Kein Ende in Sicht" vom 26. März

Im Prinzip ist nichts gegen den Aufbau West im Bereich Tauentzien und Kudamm einzuwenden, es wurde doch allerhöchstens Zeit. Doch Zeit ist beim Senat ein dehnbarer Begriff. Es verwundert einen doch, dass sich das die Geschäftsleute bis jetzt gefallen lassen haben. Vor allem stellt sich die Frage, ob nicht ein Bauzeitenplan aufgestellt wurde, sodass es innerhalb kürzester Zeit möglich ist, auf Verspätungen zu reagieren. Die Ausreden, es seien mehrere Verantwortliche für dieses Bauvorhaben zuständig, ziehen nicht mehr. Es ist ja nicht das erste Tunnelbauvorhaben der BVG.

Thomas Hansen, Reinickendorf