Leserbriefe

"Ein Stück lebendiger Urbanität"

| Lesedauer: 5 Minuten

Leser zu den Spätverkaufsstellen in Prenzlauer Berg, die nach einer Klage eines Anwohners bedroht sind

Ein nicht unwesentlicher Faktor für die Attraktivität dieser Stadt ist der Umstand, dass immer alles geht und man sich auch immer irgendwie mit allem versorgen kann, was man so braucht. Schlimm genug, dass es Gesetze gibt, welche diese Freiheit einschränken und dafür sorgen, dass Lebensmittel eher in den Regalen vergammeln, als verkauft zu werden. Schlimm genug auch, dass durch so ein unsinniges Gesetz Existenzen bedroht sind. Aber die Krönung der Widerwärtigkeit ist ein Mensch, der offenbar nichts Besseres zu tun hat, als ehrbaren unbescholtenen Bürgern das Leben schwer zu machen und das Flair dieser Stadt ein Stück weiter zu zerstören.

J.Willenbrink, per E-Mail

Spätverkaufsstellen sind nicht nur Anlaufstellen für Leute, die unangemeldeten Besuch bekommen oder das Salz vergaßen, sondern soziale Kommunikationsorte im Kiez, ein Stück lebendiger Urbanität. Ihre Betreiber sind meist keine Manager, die eine Villa an der Côte d'Azur und ein Chalet in der Schweiz haben, sondern Kleinstgewerbetreibende, die zusehen müssen, dass sie über die Runden kommen. Wer sie bei den Ordnungsbehörden wegen überzogener Öffnungszeiten anschwärzt, ist kein Tugendwächter, sondern ein kleinkarierter Wichtigtuer. Und wir haben einmal mehr ein Beispiel dafür, zu welchen Blüten bürokratischer Regelungswahn treiben kann. Das ist nicht Weltstadtflair, sondern Provinzmief.

Klaus Jänicke, Steglitz

Ich finde es beschämend, was in dieser Stadt passiert. Überall macht man Werbung, in der es heißt: "Fahrt nach Berlin, das ist toll, die ist anders, da kann man alles machen." Und nach und nach wird alles zerstört. Erst die Clubszene, weil sich jemand beschwert, dass es ihm zu laut ist, jetzt die Spätverkäufe, weil es jemanden stört. Das kann doch nicht wahr sein. Wir sind die Hauptstadt und nicht irgendein verschlafendes Dorf sonst wo. Ist das überhaupt ein Berliner, der sich beschwert, oder ein Neu-Berliner, der wegen des Flairs und der Kultur nach Berlin kam und jetzt merkt, dass es ihm zu laut und zu viel wird. Unseren Politikern kann ich nur sagen: Macht nicht den Prenzlauer Berg, also das Berlin, wofür ihr euch feiern lasst, kaputt.

Robert Zander, per E-Mail

Solche Menschen bringen mich zur Weißglut. Niemand - mit Ausnahme dieses Herrn - stört sich an den Spätverkaufsstellen, ganz im Gegenteil, sie sind wichtig im Kiez, gerade für ältere Leute wie mich. Ich bin froh, dass es sie gibt, weil ich nicht extra in einen Supermarkt fahren muss, um mir Lebensmittel zu kaufen. Hier steht doch ganz offensichtlich das Gemeinwohl über den Klagen eines Einzelnen, dessen Wohlbefinden nun wahrlich nicht bedroht sein kann, nur weil ein paar friedliche Läden abends und am Sonntag etwas verkaufen und damit für ihren Lebensunterhalt sorgen. Es entsteht weder mehr Lärm, noch werden Passanten belästigt. Senat, Bezirk und Justiz sollten in solchen Fällen mit Augenmaß und Verständnis für die Bürger handeln und nicht nach strengen Ordnungsprinzipien.

Roswitha Baumgarten, Pankow

Behinderte Kinder brauchen eine Ferienbetreuung

Zum Artikel. "Der Preis des gemeinsamen Lernens" vom 24. März

Ich begrüße die Bemerkung des Abgeordneten der CDU Stefan Schlede sehr, der die Nichtweiterführung der Ferienbetreuung behinderter Schüler ab der Mittelstufe in Berliner Förderzentren für eine Schwachstelle im Entwurf hält. Die Schüler sind vielfach auf die Hortgemeinschaft auch in den Ferien angewiesen, da ältere behinderte Kinder und Jugendliche oft ganztags 1:1 betreut werden müssen und von den Eltern kein privates soziales Netzwerk, das die gesamte Ferienbetreuung leistet, ausbaubar ist.

Antje Kreuzberg, per E-Mail

Diese Stadt lebt von innovativen Ideen

Zum Artikel: "Suche nach Standort: Geheimgespräche über Guggenheim Lab" vom 28. März

Diesmal hat sich Kreuzberg ein Eigentor geschossen. Die Gegner von BMW Guggenheim Lab haben es nicht verstanden, worum es bei diesem Projekt geht. Sie haben nicht zugehört, weil sie alles, was einen Namen hat - in diesem Fall den Münchner Autokonzern und das New Yorker Guggenheim -, ablehnen. Dabei braucht diese Stadt innovative Ideen wie die Luft zum Atmen. Berlin hat den guten Ruf einer toleranten und offenen Metropole. Diesen guten Ruf kann man schnell verspielen. Es ist schade, dass eine Minderheit das Image des früher als progressiv geltenden Bezirkes ruiniert. Das Guggenheim Lab kommt nach Berlin, nur nicht nach Kreuzberg.

Gerhard Spisla, Haselhorst