Leserbriefe

"Weltoffenheit wird eingeengt"

Leser zur Diskussion über den gescheiterten Standort des "Guggenheim Lab" in Kreuzberg

Das Angebot für einen alternativen Standort für das "Guggenheim Lab" führt in die richtige Richtung. Denn auch wenn man sich wie die linke Kreuzberger Szene an der engen Verzahnung von Sponsoring und Thinktank stören mag, kann Berlin eine derartige Denkfabrik gut gebrauchen. Zumal andere Metropolen wie Hamburg, wo man immer noch im großen Stil Altbauten und Villen aus den vorigen Jahrhunderten abreißt, um sie durch schnöde Glasbauten und Lofts für neureiche Familien zu ersetzen, als warnendes Beispiel dafür dienen, was passieren kann, wenn man sich eben nicht rechtzeitig mit dem Thema der Gentrifizierung befasst. Weswegen man mehr denn je über das Phänomen diskutieren muss. Die Kritiker des "Lab" würden schon aufgrund der eigenen Glaubwürdigkeit gut daran tun, sich hieran zu beteiligen.

Rasmus Ph. Helt, per E-Mail

Wieso gibt man dem (in diesem Fall sozusagen "linken") Spießertum, mit einem durch nichts legitimierten Besitzstandsdenken und einer wutbürgerlichen Engstirnigkeit, überhaupt das Wort. Soll es denn wirklich einer militanten Kreuzberger Minderheit zugestanden werden, über die kilometerlange Brache entlang dem Spreeufer zu bestimmen? Es kann doch wohl nicht sein, dass das Maß der Freizügigkeit und Weltoffenheit einer Großstadt von einer solchen Gesinnung eingeengt, wenn nicht sogar zerstört wird. Wer glaubt denn wirklich an die lauteren sozialen Motive der Protagonisten?

Wolf-Rüdiger Heilmann, per E-Mail

Die informative, ja spannende Seite zum Streit über das Guggenheim-Projekt enthält mehr Denkprovokationen, als es die Unternehmung vermutlich gewollt hat. Die hat wohl vornehmlich die Interessen von BMW im Auge und weit weniger die der Kiezbewohner, auch wenn die Werbestrategen das mit Sozialgesäusel garnieren. Hajo Schumacher hat den Kern der Proteste genau beschrieben und Stadtforscher Sigmar Gude zieht geradezu resignative Schlüsse für die Stadtentwicklung, die offenbar weder ein irgendwie hochinnovativer und schicker Denkschuppen noch die kommunale Politik selbst mehr beeinflussen kann: Es geht genau genommen um die steigenden Mieten, die in "unserer Wirtschaftsordnung kaum zu begrenzen sind". Der Berliner Senat ist dem Ursache-Wirkung-Prinzip bisher in seinen Planspielen aber immer ausgewichen, nur der Ruf nach Investoren hält immer wieder an. Das wird nicht ganz reichen, wenn die Stadt lebendig bleiben soll.

Werner Heydenreich, Reinickendorf

Ausweis sollte um eine Frage ergänzt werden

Zum Artikel: "Wann ist der Mensch tot genug für eine Organspende?" vom 23. März

Die Frage ist doch rein philosophisch und mit einem richtig oder falsch kaum zu beantworten. Kann man nicht einfach ein weiteres Kästchen zum Ankreuzen auf den Ausweis setzen: "Entnahme bei diagnostiziertem Hirntot: ja / nein". Dann kann die Antwort auf die Frage jeder Spender für sich selbst entscheiden.

Mirko Lejsek, per E-Mail

Gestaffelte Urlaubstage waren eine soziale Errungenschaft

Zum Artikel: "13.300 Tage mehr Urlaub in Berlin" vom 22. März

Ich freue mich wirklich für jeden in der Verwaltung, der jetzt ein paar Tage mehr Urlaub hat. Das Rechtsklageergebnis halte ich jedoch für ungerecht. Es ist eine soziale Errungenschaft, der erst mit zunehmendem Alter nachlassenden körperlichen Konstitution mit ein paar mehr Urlaubstagen zur Regeneration zu begegnen. Wenn es nicht gelang oder noch nicht gelingt, die anthropologische Sinnhaftigkeit einer gestaffelten Urlaubslänge überzeugend nachzuweisen, liegt dies wohl an unzureichender Qualifikation der Fachbeamten oder dem allerorts zunehmenden gleichmacherischen Sozialneid.

Wolfgang Klang, per E-Mail

Auch Besucher sind dem Missmanagement ausgeliefert

Zum Artikel: "Lokführermangel: S-Bahn dünnt Fahrplan für drei Linien aus" vom 22. März

Wie lange sollen wir uns das eigentlich noch gefallen lassen? Seit über drei Jahren ist die Deutsche Bahn nicht in der Lage, einen vernünftigen und verlässlichen S-Bahn-Verkehr zu gewährleisten. Am meisten Sorgen mache ich mir um die Verkehrsanbindung des neuen Flughafens BER in Schönefeld, wo nicht nur wir als Reisende, sondern auch die vielen Berlin-Gäste dem Missmanagement der S-Bahn völlig ausgeliefert sind. Der Senat wäre klüger beraten, den Flughafen Tegel so lange geöffnet zu lassen, bis die Deutsche Bahn ihre Hausaufgaben gemacht hat!

Thomas Henschke, per E-Mail