Leserbriefe

"Alles unausgegorene Pläne"

Leser zum Modernisierungskonzept für die Domäne Dahlem, das der Förderverein abgelehnt hat

Der Eindruck, dass auf der Domäne Dahlem doch behutsam eine neue "Schickimicki"-Klientel mit viel Knete angezogen werden soll, ist da. Familien mit Kindern und kleinem Geldbeutel stehen wohl nicht mehr im Fokus. So soll die Remise zum Restaurant umgebaut werden - offensichtlich zu einem Gourmetrestaurant. Bis dato können sich Eltern mit ihren Kindern auch bei Regen ohne oder mit einer kleinen Erfrischung aus dem Verkaufsstand dort aufhalten, auch um Musik und andere künstlerische Darbietungen zu genießen. Stellmacherei und Blaudruck - Handwerke, die Kinder und Erwachsene so nur hier zu sehen bekamen - wurden bereits hinausgeekelt. Das Handwerk, ein Kernstück der Domäne, soll so dem Verkauf weichen, damit die Kasse klingelt. Seitdem die Stiftung Träger der Domäne wurde, ist von dem Zweck "Tradition von Landwirtschaft und Handwerk zu vergegenwärtigen" nicht mehr viel übrig.

Detlef Wulff, Schöneberg

Wer kommt nur auf so eine Idee? Mitten auf den wunderbaren Bauernhof eine "Event-Gastronomie" zu setzen. Da kann man auch drüber nachdenken, die Schweine künftig mit Kaffee Latte zu tränken. Zum Glück setzt sich der Förderverein zur Wehr. Warum kann denn in dieser Stadt nicht auch mal irgendetwas einfach das bleiben, was es ist? Ist das die Angst vor Stillstand oder einfach nur der Zwang, Geld heranzuschaffen, wenn es eng wird?

Annegret Neumann, Steglitz

Es ist zu befürchten, dass der museale Charakter der Domäne Dahlem verloren geht. So sollen zum Beispiel Granitplatten auf Wegen verlegt werden. Ganz große Bedenken habe ich wegen der 160 Plätze in dem neuen Restaurant, das auch noch ganzjährig betrieben werden soll. Wo sollen denn die Gäste herkommen? Und wo sollen die Kindergruppen hin, die zum Beispiel im Sommer unter der Remise an Kunstaktionen teilnehmen? Das sind doch alles unausgegorene Pläne, die dem Druck geschuldet sind, Fördergelder rasch zu "verbraten". Ich wehre mich nicht gegen Veränderungen, wenn sie behutsam erfolgen. Man muss nach Alternativen suchen, um mehr Geld auf der Domäne einzunehmen. Vielleicht könnten auch Sponsoren helfen. Doch bei allen neuen Plänen sollten auch die Leute, die auf dem Hof arbeiten, mit einbezogen werden. Das ist bislang nicht passiert.

Ilse Mattes, Wilmersdorf

Ein Armutszeugnis für die Hauptstadt

Zum Artikel: "Niedriglohn ist schuld am Fachkräftemangel" vom 21. März

Die Gewerkschaften fordern Lohn- und Gehaltserhöhungen wie in jedem Jahr. 6,5 Prozent fordert Ver.di. Die Arbeitgeber sträuben sich noch. Letztendlich geben sie nach und stimmen einer Erhöhung zu. Streik, mehrere Verhandlungen werden vorgelagert. Was soll diese Show? Gebt den Gewerkschaften ihre geforderte Erhöhung und erhöht im nächsten halben Jahr die Gebühren. So wurde doch in den vergangenen 50 Jahren verfahren: Die Preise wurden jährlich erhöht und die Inflation angekurbelt. Was sagen bloß die Rentner ohne Lobby dazu? Ver.di wird es schon richten.

Wolfgang Schwaneberg, Charlottenburg

Personalführung ist gar nicht erst erwünscht

Zum Artikel: "Was zählt, sind Emotionen" vom 21. März

Leider reagiert man in Deutschland nur auf finanziellen Schaden. Und leider wird nur in der Laufzeit von Managerverträgen gedacht. Personalführung ist oft gar nicht erwünscht. Die Kompetenz ist oft so flach wie die gewünschte Hierarchie. Für die deutschen Unternehmen ist das Gehalt des Mitarbeiters ein wichtiger Faktor. Sonst würde man nicht solche Anstrengungen unternehmen, um den Lohn zu drücken.

Ludwig Gäng, Wilmersdorf

Die Mitarbeiter zahlen immer die Zeche

Zum Artikel: "Hängepartie um Schlecker" vom 20. März

Wie immer, wenn Firmen und Betriebe in die Insolvenz gehen oder pleite sind, sind die Mitarbeiter die Dummen und zahlen die Zeche. Fast 12.000 Schlecker-Mitarbeiter in den 2200 jetzt geschlossenen Filialen werden in die Arbeitslosigkeit entlassen und fristen ihr Dasein in Zukunft als arme Hartz-IV-Empfänger mit etwas mehr als 350 Euro im Monat. Der Schlecker-Familie samt Firmengründer Anton Schlecker verbleiben nach Medieninformation auch nach der Firmeninsolvenz 70.000 Euro im Monat. Sie genießen ein Leben im Luxus, und die Mehrheit der Ex-Schlecker-Mitarbeiterinnen lebt fortan am Rande des Existenzminimums.

Albert Alten, per E-Mail