Leserbriefe

"Kleingeistig und kleinkariert"

Leser zur Absage des BMW Guggenheim Lab, die temporäre Denkfabrik in Kreuzberg aufzubauen

Bevor es "Be Berlin" hieß, gab es mal den Slogan "Berlin - Weltstadt mit Herz". Von beiden Sprüchen sind wir inzwischen so weit entfernt wie der Mond von uns. So ein launiges Kunstprojekt wie das BMW Guggenheim Lab ist in einem angeblich freigeistigen Bezirk wie Kreuzberg nicht mehr möglich. Wird schließlich von BMW unterstützt, da kann nur bayrischer Yuppiekult drinstecken. Die selbst ernannte Weltstadt ist längst in lokale Zentren wie vor der Eingemeindung von 1920 zerfallen, die hauptsächlich von einer jeweiligen engstirnigen Nabelschau der eigenen Befindlichkeiten beherrscht werden. Da kann noch so viel geschrieben und geredet werden über Berlin als Magnet der Kunst und Kreativen; wenn man oben nur Durchschnitt reinkippt, kommt unten bestimmt keine Spitzenklasse raus.

Andreas Maaß, per E-Mail

Die Gegner des Guggenheim-Lab-Projekts sind kleingeistig, kleinkariert, egoistisch und spießbürgerlich. Sie gehören eigentlich nicht in eine kulturelle Weltstadt wie Berlin. Wir müssen jedoch mit diesen peinlichen Mitbürgern leben. Wir sollten uns aber von ihnen nicht unterkriegen oder einschüchtern lassen.

Oliver Laudahn, per E-Mail

Typisch Kreuzberg. Probleme sollen dort wohl nicht gelöst werden. Im vermeintlich verschlafenen Lichtenrade sehen wir das anders. Hier arbeiten Bürgerinitiativen und Unternehmer, die sich im Forum Lichtenrade zusammengeschlossen haben, Hand in Hand. Auch wir haben die Themen Gentrifizierung, Verkehrsströme und soziale Brennpunkte. Rund um die alte Mälzerei und den Landgasthof hat sich eine Initiative für ein Zentrum Lichtenrade gebildet. An dem Industriedenkmal ist viel Platz für das Guggenheim Lab. Vom Zentrum erreicht man den Ort in 20 Minuten. Lichtenrade lädt zur Diskussion über die Zukunft der Stadt an die vernachlässigte Peripherie ein. Es wäre doch schade, wenn Berlin von der grandiosen Guggenheim-Initiative nicht profitieren könnte. Nur wegen Kreuzberg.

Georg Wagener-Lohse, Lichtenrade

Die Aufregung um das geplante temporäre (!) Guggenheim-Projekt empfinde ich als unangemessen. Egal, wo das sogenannte Labor nun hingesetzt wird, die Frage, ob es die Stadtentwicklung überhaupt positiv beeinflussen kann, wird schon gar nicht mehr gestellt. Bei einem Etikett wie Guggenheim wird gar nicht mehr nach der Sinnfälligkeit gefragt, das hat einfach toll zu sein und innovativ und total modern und zukunftsweisend. Zeitgeist-Vokabeln wie "Denkfabrik" sollten schon mal skeptisch stimmen. Und warum zieht die denkaktive Truppe nicht in eine der vielen leer stehenden Fabriken Berlins, ist doch sowieso nur zeitweise.

Robert Manig, Neukölln

Wieder hat die linke Szene eine Investition in Berlin verhindert, und wieder ist dieser Senat nicht in der Lage, dafür Sorge zu tragen, dass das Grundrecht auf freie Berufsausübung gewahrt wird. Wieder gilt das Recht auf Freiheit nur für die, die die Freiheit der Linksextremisten nicht gefährden. Und wie diese Freiheit aussieht, wissen wir zur Genüge.

Jörg Manteuffel, per E-Mail

Berlin sollte die Vorklasse wieder einführen

Zum Artikel: "Aufstand der Pädagogen" vom 18. März

Die Papageno Grundschule ist nicht die einzige Grundschule im Land Berlin, die eine Wiedereinführung der Vorklassen fordert. Seit Abschaffung der Vorklassen wird die Wiedereinführung jährlich gefordert. Die SPD ignoriert das. Die Misserfolge in der Schulanfangsphase (Saph) sind augenscheinlich. Zu Wahlkampfzeiten haben Oppositionsparteien dieses Thema für sich reklamiert. Jetzt scheint das nicht mehr gültig. Man ist Koalitionspartner. Es bleibt zu hoffen, dass sich die SPD eines Besseren besinnt und es an Grundschulen wieder feste Vorklassen geben wird.

Paul Maccis, per E-Mail

Stars sind ein Garant für Werbeeinnahmen

Zum Artikel: "Welches Gehalt ist gerecht?" vom 18. März

Warum werden die Managergehälter ständig mit den Einkommen von Stars der Sport- und Unterhaltungsbranche verglichen? Letztere begeistern die Massen und sind Garant für hohe Fernseheinschaltquoten und damit Werbeeinnahmen. Von derartiger Popularität kann bei den Managern keine Rede sein, die man meist nur aufgrund ihrer hohen Boni und Abfindungen in den Schlagzeilen findet. Die Leistungen der Manager sind dagegen trotz Millionengehältern häufig genug dürftig, wie auch die langfristigen Aktienkursentwicklungen von Unternehmen wie Daimler, Metro oder die Arcandor-Pleite belegen.

Boyke Jessen, Lichterfelde