Leserbriefe

"Peinlichkeit vor Schloss Bellevue"

Leser zum umstrittenen Großen Zapfenstreich für den zurückgetretenen Bundespräsidenten Wulff

Der Große Zapfenstreich für den privat gescheiterten Bundespräsidenten Christian Wulff war eine der peinlichsten Veranstaltungen, die die Bundesrepublik Deutschland in ihrer Geschichte je erlebt hat. Die vier Alt-Bundespräsidenten taten gut daran, dieser ohnehin nicht mehr zeitgemäßen Zapfenstreich-Zeremonie fernzubleiben. Mit Traditionen alleine kann man intelligenten Menschen heutzutage nicht mehr imponieren. Das sollte auch die Bundeskanzlerin begreifen.

Christiaan Bojé, Reinickendorf

Alle, die sich gegen den Großen Zapfenstreich für Christian Wulff ausgesprochen haben, haben nichts verstanden. Bei uns in Deutschland gilt noch immer die Unschuldsvermutung. Es ist von den Protestlern nicht einer gewesen - zumindest was ich im Fernsehen sah und hörte -, der genau sagen konnte, warum er den dümmlichen Krach macht. Nur zu sagen, dass so ein Mann nicht mehr im Amt sein kann und der Ehrensold nicht gezahlt werden darf, reicht mir nicht. Ich habe manchmal den Eindruck, dass hier gezielt eine Kampagne gegen Christian Wulff gestartet wurde, die eigentlich aber ein ganz anderes Ziel hat: Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Regierung zu treffen.

E. Busch, per E-Mail

Ehre, wem Ehre gebührt - das ist ein eherner Grundsatz in einer zivilisierten Gesellschaft. Am Donnerstagabend hat es allerdings den Falschen getroffen. Es dürfte wohl die peinlichste Veranstaltung gewesen sein, die das Schloss Bellevue je erlebt hat. Wofür dieser Mann geehrt wird, das wird den meisten wohl ein ewiges Rätsel sein. Jemand, der schon als Ministerpräsident von Niedersachsen jeden Vorteil für sich abgegriffen hat, beansprucht auch jetzt noch hinter seiner biedermännischen Maske und mit aller Dreistigkeit alle lohnenswerten Vorteile bis hin zum bestellten "politisch bedingten Rücktrittsattest" seines ehemaligen Untergebenen, die er schnell noch für sich einstecken kann. Es bleibt im Sinne aller ehrlichen Steuerzahler zu hoffen, dass Herr Wulff nicht das biblische Alter eines Johannes Heesters erreicht. Mir tun dabei alle Bundeswehrsoldaten leid, die sich zu dieser Schmierenkomödie bereitstellen mussten.

Nils Johnson, per E-Mail

Noch nie hat ein Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland so wie Christian Wulff das Bundespräsidentenamt beschädigt, und dies in nur 20 Monaten. Und für diese "Leistung" sollen ihm nun auch noch der Ehrensold und weitere Vergünstigungen wie Büro, Sekretärin, Referent, Dienstwagen und Chauffeur zugestanden werden? Als Höhepunkt nun auch noch die Verabschiedung mit Großem Zapfenstreich. Es gibt in unserem Lande noch Persönlichkeiten, die diesem unseligen Schauspiel ferngeblieben sind und damit ihre Missbilligung gegenüber dem gescheiterten Ex-Bundespräsidenten zum Ausdruck bringen.

Gerald R. Schiller, Spandau

Es ist mehr als unfair, was da so über Herrn Wulff berichtet wird. Der Mann ist bislang nicht verurteilt worden - und ich denke, das wird auch nicht passieren. Wenn ein Staatsanwalt ermittelt, so tut dieser lediglich seine Pflicht. Das würde er auch tun bei jeder lapidaren Anzeige oder bei einem Kratzer am Auto. Objektiv gesehen hat Wulff - gemeinsam mit seiner attraktiven Ehefrau - Deutschland hervorragend repräsentiert. Er hat sich wie kein anderer für die Integration von Migranten eingesetzt, er hat die wichtigen Gesetze zur Energiewende abgesegnet (nach dem Reaktorunglück von Fukushima). Sind dies Gründe, ihm einen militärischen Zapfenstreich zu verwehren?

Christian Lukner, per E-Mail

Derartige Steuern im Nachhinein sind unbegreiflich und empörend

Zum Artikel: "Schäuble erweist sich keinen Dienst - Der Finanzminister hat sich mit der Besteuerung des Wehrdienstes isoliert. Sein Haus hat die Brisanz unterschätzt" vom 9. März

Die Nachricht, dass der Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) bei jungen Soldaten und den BufdiS (Bundesfreiwilligendienstleistende) im Nachhinein Steuern erheben will, ist unbegreiflich und empörend. Dagegen äußert er sich wie viele andere führende Politiker nicht dazu, dass dem gerade 52-jährigen Ex-Bundespräsidenten Christian Wulff bis an dessen Lebensende jährlich fast ein halbe Million Euro aus seinem Steuersäckel zur Verfügung gestellt werden. Es ist beschämend, dass junge Männer und Frauen, die uns im Ernstfall verteidigen sollen oder die Bufdis, um deren strapaziöse Arbeit sich niemand drängt, für ihre Einsatzbereitschaft benachteiligt werden sollen. Bei den Kürzungen geht es ums Prinzip, nicht um die absoluten Beträge. Das trifft übrigens auch auf die großzügige Versorgung des Herrn Wulff zu.

Dr. med.Hans-Joachim Scharff, per E-Mail