Leserbriefe

"Unangemessen und unverdient"

Leser zu dem Ehrensold und dem Großen Zapfenstreich für Ex-Bundespräsident Christian Wulff

Ehre, wem Ehre gebührt. Deshalb sollte Christian Wulff auch keinen lebenslänglichen Ehrensold bekommen, weil er das Amt des Bundespräsidenten im höchsten Maße - wie keiner vor ihm - beschädigt hat.

Roland Klose, per E-Mail

Es ist schon ein starkes Stück, wenn ein Staat, der angeblich so viel sparen muss, sich nun einen gescheiterten Bundespräsidenten im Ruhestand mit 200 000 Euro Ehrensold pro Jahr leistet. Ich habe erhebliche Zweifel an diesem Rechtsstaat, wenn nicht das Parlament oder der Haushaltsausschuss, sondern das Bundespräsidialamt mit fadenscheinigen Begründungen über diese Art von ungerechtfertigter lebenslanger Besoldung entscheidet. Wulff ist nicht aus politischen, sondern aus privaten Gründen zurückgetreten. Sein eigenes Fehlverhalten hat dafür den Ausschlag gegeben. Ich hoffe, dass wenigstens im Falle einer Verurteilung der Ehrensold noch gestrichen werden kann. Eine gestandene Persönlichkeit mit Anstand hätte eigentlich selbst auf Ehrensold und Zapfenstreich verzichtet.

Thomas Henschke, per E-Mail

Weder ein Großer Zapfenstreich noch ein Ehrensold sind für Herrn Wulf angemessen.

Reinhard Scholz, per E-Mail

Es ist nahezu unglaublich, mit welcher Dreistigkeit das Bundespräsidialamt den Rücktritt des Bundespräsidenten in einen politisch bedingten umdichtet, um ihm seinen Ehrensold, Dienstwagen und Fahrer sowie ein Büro mit Sekretärin bis zum Lebensende zu sichern - und das nach nur 19 Monaten im Amt. Dabei hat man wissentlich übersehen, dass die Gründe für den Rücktritt des Herrn Wulff in dessen mehr als ungewöhnlichem persönlichem Verhalten in jüngerer Zeit zu sehen sind und in keinem Falle politischer Natur waren. An diesem Vorgang wird erneut in beschämender Weise deutlich, wie sich Politiker das Geld nach wie vor in die eigene Tasche schaufeln.

Nils Johnson, per E-Mail

Es ist eine Schande, dass Christian Wulff den Ehrensold erhält. Der Name Ehrensold sagt ja schon, dass dieses Geld an Bundespräsidenten ausgezahlt werden soll, die sich mit allen Ehren für die Bundesrepublik Deutschland verdient gemacht haben. Und das war bei Herrn Wulff ja nicht der Fall. Lügen, Täuschungen, Verschleierungen bis hin zu staatsanwaltlichen Ermittlungen prägten seine Amtszeit.

Andreas Bahlau, per E-Mail

Der Entscheid, Herrn Wulff den Ehrensold zu zahlen, hat dazu geführt, dass meine Frau und ich nie wieder zu einer Wahl gehen.

Gerhard Wiebe, per E-Mail

Das ist das i-Tüpfelchen in der Schmierenkomödie. Ich hatte einen Freund, Polizist, der sich erschoss, als gegen ihn wegen angeblicher Vorteilsannahme ermittelt wurde. Zur Beisetzung durften seine Kollegen nicht in Uniform erscheinen, da er nicht in Ehren verabschiedet werden sollte. Ich habe einen Freund, Auszubildender, gegen den wegen einer Bagatelle ermittelt wurde, er wurde später freigesprochen. Er wurde trotz seiner Qualifikation deshalb nicht für die Ausbildung zum Polizisten zugelassen. Das Angebot an den verdächtigen, ehemaligen Bundespräsidenten, ihn jetzt in allen Ehren zu entlassen, ist an Geschmacklosigkeit nicht zu übertreffen.

Andereas Kasperkowitz, per E-Mail

Ehre und Moral sind offensichtlich Tugenden, von denen sich unsere Politiker weit entfernt haben. Zunächst muss man sich fragen, warum Verteidigungsminister Thomas de Maizière dem zurückgetretenen Bundespräsidenten überhaupt das Angebot eines Großen Zapfenstreichs gemacht hat. Aber viel schlimmer ist die Tatsache, dass Wulff diese höchste Ehre angenommen hat, obwohl er sich selbst höchst unehrenhaft aus dem Amt befördert hat und sich außerdem noch strafrechtlich verantworten muss.

Peter Hirsch, Wilmersdorf

Wenn unserem zurückgetretenen Bundespräsidenten Wulff nachgewiesen wird, dass er in Ausübung seines Amtes - auch als Ministerpräsident - in irgendeiner Weise straffällig geworden ist, so steht ihm dieser Ehrensold nicht zu.

Renate Andersch, per E-Mail

Das ist eine Respektlosigkeit gegenüber den steuerzahlenden Bürgern.

Jörg Dräger, per E-Mail

In Deutschland sterben Frühgeborene in Krankenhäusern, weil kein Geld für ausreichend qualifiziertes Personal zur Verfügung gestellt wird, auf der anderen Seite wird ein unehrenhaft zurückgetretener Präsident bis zu seinem Lebensende mit Geld und Sachleistungen überhäuft.

Hans Doss, per E-Mail