Leserbriefe

"Strafe für freie Entscheidung"

Leser zu Überlegungen von CDU-Parlamentariern, eine Zwangsabgabe von Kinderlosen zu fordern

Diese erneute Debatte ist ein allzu typisches Zeichen für den Zustand unserer Gesellschaft: materiell und fiskalisch orientiert, ohne wirkliche soziale Verantwortung. Seit wann fühlen sich politische Vertreter eines Volkes dazu berechtigt, Menschen für freie persönliche Entscheidungen zu bestrafen? Oder noch schlimmer, diejenigen zu bestrafen, die unfreiwillig kinderlos sind und denen gar keine freie Entscheidung bleibt? Ein solcher Vorschlag zeugt von Kurzsichtigkeit und gesellschaftlicher Unfairness und ist ausschließlich auf die kurzfristige Einnahme von Geld orientiert. Ein sozialer Staat sollte Familien mit Kindern (natürlich auch einzelne Elternteile) in jeder Hinsicht fördern, durch Zuwendungen, Entlastungen und sinnvolle gesetzliche Regelungen, aber nicht andere Menschen bestrafen und zur Kasse bitten, nur weil sie keine Kinder haben.

Kirstin Steiger, per E-Mail

Die Debatte ist für viele Kinderlose nicht nur ungerecht, sondern auch sehr enttäuschend. Es gibt viele Paare, die ungewollt kinderlos sind und für eine ärztliche Behandlung kein Geld haben. Im Gegensatz zu Deutschland unterstützt der Staat in vielen Ländern finanziell solche Paare und beteiligt sich an den Behandlungskosten. Davon kann man hier nur träumen.

Gosia Malgorzata, per E-Mail

Man fühlt sich vom Staat im Stich gelassen

Zum Artikel: "Was unsere Kinder wirklich kosten" vom 19. Februar"

Hier werden nur die Kosten bis zur Volljährigkeit erwähnt. Allerdings geht es nach dem Abitur erst so richtig los: Die Kinder wollen ausziehen oder müssen, wenn der Studienplatz außerhalb liegt. Und nicht immer gibt es eine günstige WG oder Miniwohnung auf dem Campus. Manche Kinder können nichts hinzuverdienen, auch weil die vorlesungsfreie Zeit für umfangreiche Uni-Hausarbeiten draufgeht. Im Gegenteil: Es kommen noch Exkursionen hinzu, teilweise innerhalb Europas, aber auch bis nach New York. Und wer bezahlt wohl dafür? Ganz zu schweigen von den Semestergebühren und Arbeitsmaterialien. Steuerlich kann man aber nur lächerliche 924 Euro (Sonderbedarf für auswärtige Unterbringung) absetzen, die vom zu versteuernden Jahreseinkommen abgezogen werden. Wir unterstützen natürlich gerne die Berufswünsche unseres Nachwuchses, auch wenn das nachher zunächst einmal unbezahlte Praktika bedeutet. Man fühlt sich schon vom Staat im Stich gelassen.

Gero Marschall, Spandau

ESM-Vertrag ist nur eine andere Bezeichnung für Euro-Bonds

Zum Artikel: "Edmund Stoiber feiert ein zahmes Comeback" vom 23. Februar

Horst Seehofer hat recht, wenn er feststellt, dass die CSU mit ihrer vernünftigen Politik maßgeblich dazu beigetragen hat, dass Bayern heute eine Spitzenposition bei Hightech und Wohlstand einnimmt. Er irrt aber, wenn er die merkelsche Politik der vergangenen zwei Jahre lobend hervorhebt. Hat sie doch in der Euro-Krise total versagt, ja diese durch die irrsinnigen Rettungsschirme, an denen sie gegen jede Vernunft weiter stur festhält, sogar erst mit ausgelöst. Und durch die neue Griechenlandhilfe von 130 Milliarden Euro sowie den geplanten ESM-Vertrag, der die Verschuldung Europas ins Unermessliche vorsieht, trägt sie zum wirtschaftlichen Ruin Deutschlands und damit auch Bayerns bei. Wenn Seehofer nun wortgewaltig gegen die Euro-Bonds wettert, aber gleichzeitig für den ESM-Vertrag ist, dann ist er ein Wendehals, denn der ESM-Vertrag stellt nichts anderes dar als Euro-Bonds unter einem anderen Namen. Würde Seehofer jetzt die unsinnige Griechenlandhilfe, die nur rücksichtslos spekulierenden Banken dient, und den ESM-Vertrag zum Scheitern bringen, würde er sich nicht nur um Deutschland, sondern auch um Bayern verdient machen.

Herbert Gaiser, per E-Mail

Bankrotterklärung für verfehlte Personalpolitik des Senats

Zum Artikel: "Die Pensionswelle erfasst Berlin" vom 23. Februar

Dass bis 2018 mehr als ein Viertel aller Beschäftigten der Berliner Verwaltung in den Ruhestand geht und das durchschnittliche Alter der Mitarbeiter 49 Jahre beträgt, ist keine Überraschung. Das ist die Folge einer über Jahre desaströsen Personalpolitik des Senats. Jedes freie Wirtschaftsunternehmen hat immer eine gesunde Mitarbeiteraltersstruktur im Blick, der Senat aber träumt vor sich hin und ist geschockt, wenn die Folgen schlechter Personalpolitik eintreten. Dass die Senatsinnenverwaltung nur lapidar feststellt, dass demografisch bedingt der Krankenstand in den kommenden Jahren noch steigen wird, ist eine Bankrotterklärung.

Klaus Okrafka, per E-Mail