Leserbriefe

"Ein guter Tag für Deutschland"

Leser zum breiten Konsens der Bundestagsparteien, Joachim Gauck zum Bundespräsidenten zu wählen

Es ist eine gute Entscheidung, welche die Parteienvertreter getroffen haben. Doch was dazu geführt hat, kann man wohl als Eiertanz ansehen. Zuerst lehnte CDU/CSU den Vorschlag der Opposition, Gauck zu benennen, ab. Dann stellt sich die FDP quer und riskiert den Zusammenbruch der Koalition. Also blieb der Kanzlerin nichts anderes übrig, als den von ihr nicht gerade geliebten Kandidaten in letzter Minute dann doch noch zu akzeptieren. Wie schwer muss es ihr gefallen sein, über ihren Schatten zu springen. Nun muss sie sich künftig mit einem Bundespräsidenten abfinden, der zwar beim Volke ankommt, ihr jedoch nicht zum Munde reden wird. Das wird interessant werden.

Wolfgang Pickert, E-Mail

Der Sonntag war für Deutschland ein guter Tag, endlich bekommen wir einen Präsidenten, der fern aller politischen Machenschaften steht. Die ablehnende Haltung von Frau Merkel gegen Herrn Gauck ist für mich unbegreiflich, denn sie haben doch eine annähernd gleiche christlich geprägte Herkunft. Was also sind die Gründe?

Erich Pasternak, Birkenwerder

Joachim Gauck wäre sicher ein guter Bundespräsident, wenn er zehn Jahre jünger wäre. So muss man Angst haben, ob er eine fünfjährige Amtszeit durchsteht.

Robin Krusche, per E-Mail

Es ist schon komisch, unsere Gesellschaft anzuschauen: Die Kirchenbänke werden immer leerer - und das Volk wünscht sich einen Pfarrer als Staatsoberhaupt. Unsere Werbe- und Stilikonen frönen dem Fitness- und Jugendwahn - und wir bevorzugen den weisen Senior an der Spitze des Staates. Die Menschen wenden per Bevölkerungswanderung dem Osten der Republik den Rücken zu und verneigen sich aber vor einem, der dort tief verwurzelt ist. Einer der schwierigsten gesellschaftlichen Konflikte unserer Zeit findet in der Diskussion um Migranten und Integration statt - und das Zusammenführen unserer Gesellschaft traut man einem zu, der sich dazu bislang nicht wirklich eingelassen hat. Das Beispiel der lagerübergreifenden Unterstützung eines Joachim Gauck in der Gesellschaft zeigt auch deren innere Zerrissenheit.

Michael Wegner, Hermsdorf

Joachim Gauck ist nach Umfragen schon seit Jahren der Wunschkandidat der Deutschen im Amt des Bundespräsidenten. Es ist in der Tat wünschenswert, dass alle demokratischen Parteien im Bundestag diesen Wunsch der Deutschen ohne großes Parteiengezänk zur Kenntnis nehmen und am 18. März dementsprechend abstimmen. Ob die Linkspartei als kleine Splitterpartei Gauck mitwählt oder nicht, ist dabei ohne Bedeutung, denn die SED-Nachfolgepartei ist schon lange ein politisches Auslaufmodell.

Albert Alten, per E-Mail

Ich habe die Hysterie um Gauck nie verstanden und verstehe sie auch jetzt nicht. Bei allem Respekt vor seiner Lebensleistung ist er eben doch nur Präsident der Ostdeutschen. Der anderen Hälfte Deutschlands hat er wenig zu sagen. Aber kann das überhaupt jemand, Präsident aller Deutschen sein bei einer Herkunft, die ja nur in Ost oder West angesiedelt sein konnte? Gauck wird die Chance sicher nutzen, sein Volk in den nächsten Jahren für sich zu gewinnen, gewähren wir ihm also einen Vertrauensvorschuss.

Rainer Girbig, Wilmersdorf

Die FDP als Zwei-Prozent-Partei hat überzogen, ihren Niedergang beschleunigt und Frau Merkel eine schwere Niederlage beigefügt. Bei nächster Gelegenheit dürfte die Regierungskoalition aufgekündigt werden. Trotz aller Erfolge könnte es auch das Ende der Kanzlerschaft von Angela Merkel sein, denn viele CDU/CSU-Mandatsträger werden ihr diese erneute Kehrtwende nicht durchgehen lassen.

Ewald Speckmann, Ahrensfelde

Die Machtpolitikerin Angela Merkel wurde endlich einmal in ihre Schranken verwiesen. Gut gemacht, FDP!

Daniel di Primio, Potsdam

Zugegeben, Gauck wirkt sympathisch und kann auch gut reden. Aber wir wollen auf keinen Fall vergessen, dass er in seiner Gauck-Behörde zur Aufarbeitung der Untaten des Staatssicherheitsdienstes viele Stasi-Leute übernommen und mit Dauerarbeitsverträgen ausgestattet hat. Täter haben ihre Untaten selbst bearbeitet. Das ging Jahre so, denn auch Frau Birthler hatte keine Courage und arbeitete mit den Stasi-Leuten. Erst als Herr Jahn die Behörde übernahm, machte er diesem Spuk ein Ende und versetzte etwa 40 Ex-Stasi-Leute in andere Dienststellen, denn wegen Dauerarbeitsverträgen aus der Gauck-Zeit konnte er sie nicht entlassen. Und dieser Joachim Gauck soll nun unser Bundespräsident werden?

Jörg-E. Wolkenstein, Zehlendorf