Leserbriefe

"Beschimpft, beleidigt, verachtet"

Leser zum Konflikt zwischen Griechenland und Deutschland infolge der griechischen Schuldenkrise

Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble hat recht, wenn er sagt, dass Griechenland ein Fass ohne Boden ist. Und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern, insbesondere, wenn dort nach den Wahlen etwa Kommunisten oder Rechtsradikale die Macht ergreifen sollten. Der Bundestag und die Verantwortlichen der Troika sollten mit der Auszahlung der nächsten Tranche bis nach den Wahlen in Griechenland warten. Denn ansonsten sind unsere Steuern rasch verbrannt. Die Milliarden Euro, die wir in dieses bankrotte Land pumpen, sind besser bei uns in Bildung und Investitionen in die Wirtschaft angelegt.

Bernd Adomeit, per E-Mail

An Nazi-Vergleiche in Zeitungen und brennende Deutschland-Fahnen haben wir uns gewöhnt, sagt der CDU-Politiker Christian von Stetten. Wie kann man sich daran gewöhnen? So etwas ist von der deutschen Außenpolitik ausdrücklich zu verurteilen.

Klaus Scholz, per E-Mail

Es ist schon von besonderer Bedeutung, wenn man als Leser täglich über die immer unübersichtlichere wirtschaftliche Situation in Europa aufgeklärt wird. Erst vor wenigen Tagen war ein Aufwärtstrend am Markt zu erkennen, weil man in Griechenland endlich verstanden hat, dass man seine Zusagen einhalten sollte. Davon abgesehen, dass wir in Deutschland nun die Hauptlast im Kampf gegen die defizitäre Haushaltslage Griechenlands tragen und gar wieder einmal in die rechte Ecke gestellt werden, fragt sich doch der normale Bürger, warum? Warum wird unsere Kanzlerin mit widerlichen Symbolen aus einer schlimmen Zeit in griechischen Zeitungen abgelichtet, warum werden wir in vielen griechischen Fernsehsendern beschimpft, beleidigt und auf diese niederträchtige Art verachtet? Weil wir helfen? Weil mit unseren Steuern die finanziellen Probleme eines anderen Landes behoben werden? Weil wir Verantwortung in Europa übernehmen? Wir helfen, wollen immer wieder helfen und müssen uns dafür noch beleidigen lassen.

Danny-Michael Seifert, Rudow

Leider ist das Feilschen um das griechische Sparprogramm keine Garantie dafür, dass die Schulden irgendwann zurückgezahlt werden können. Die griechische Wirtschaft befindet sich auf einem beispiellosen Schrumpfkurs, damit sinken die Steuereinnahmen. Eine neue Regierung könnte schon bald alles, was jetzt mühsam vereinbart wurde, über den Haufen werfen, sollten sich die sozialen Konflikte ausweiten, wovon man ausgehen kann. So ist der derzeitige Plan nichts anderes als eine Mogelpackung, was fehlt, ist eine Art Marshallplan, um die griechische Wirtschaft wieder neu aufzubauen. Investoren müssen her, Verwaltungsstrukturen reformiert, ein Mittelstand aufgebaut werden; Jugendliche, Auszubildende und Studenten benötigen eine Ausbildung und Arbeit.

Christoph Luban, per E-Mail

Selbst wenn sie wollten, kämen die Griechen in Ermangelung einer entsprechend leistungsfähigen Volkswirtschaft aus ihrer Misere nicht heraus. Dass sich Griechenlands Präsident nun gegen die Sparrepressalien und Vorhaltungen verwahrt, ist allzu verständlich, wird doch immer noch so getan, als gehe es darum, den Griechen zu helfen. Das ist so nicht richtig. Es geht in erster Linie darum, Deutschland und den anderen EU-Staaten zu helfen.

Fritz Matern, Birkenwerder

Noch können wir es uns in Deutschland leisten, das monatelange Abgleiten der Griechen in Richtung des wirtschaftlichen und sozialen Abgrundes nur als Zuschauer zu begleiten. Die Bevölkerungszahl in Griechenland beträgt 10,8 Millionen. 150 000 Beamte und Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes sollen demnächst entlassen werden. Kein Wunder, dass soziale Unruhen entstehen. Die Zahl entspräche in Deutschland mit knapp 82 Millionen Einwohnern einer Entlassung von mehr als einer Million Arbeitnehmern bei den Behörden. Die Frage ist: Wollen wir Europa erhalten oder auseinanderbrechen lassen?

R.N. Soetarjono, Lichtenrade

Was mit und in Griechenland geschieht, ist unfassbar. Der Europa-Gedanke ist richtig. Aber die Umsetzung, insbesondere in den vergangenen Jahren, ist hastig und ohne reifliche Überlegung erfolgt. Griechenland wird das Geld nehmen und genau so weitermachen wie bisher, denn das Volk will es nicht anders.

Jai Menon, Lichterfelde

Nicht das Olympische Feuer, die Wiege der Demokratie steht in Flammen, wenn man die Berichte aus Griechenland liest. Was nicht zu lesen ist, sind Vorschläge, dass alle die, die von den fetten Jahren profitiert haben, auch jetzt ihren Beitrag leisten sollen.

Manfred Bergmann, per E-Mail