Leserbriefe

"Beschämende Not"

Leser zur Situation der etwa 7000 Berliner Obdachlosen angesichts des eisigen Winters

Bei der gegenwärtigen Kälte suchen Obdachlose Banken oder öffentliche Einrichtungen auf, um dort vor der Kälte geschützt zu sein. Es ist nicht nachvollziehbar, dass es einer Stadt wie Berlin nicht gelingt, genug Unterkünfte für Obdachlose zur Verfügung zu stellen. Zumindest in der Kälteperiode, das sind doch nur ein paar Tage. Es wird so viel Geld zum Fenster herausgeschmissen, aber wenn es um ein bisschen Menschlichkeit geht, dann denkt jeder nur an sich selbst. Gut, dass es da noch Initiativen gibt, die man durch Spenden unterstützen sollte.

Christian Lukner, per E-Mail

Ich finde es beschämend, wie in jedem Jahr das Problem der Hilfe für Obdachlose in der Winterzeit vonseiten der Politik und Gesellschaft angegangen wird. Da wird uns immer wieder aufgezeigt, dass es nicht genügend menschenwürdige Schlafplätze für diese etwa 7000 bedauernswerten Menschen in unserer Stadt gibt. Die bisherige Lösung, diese Menschen in überfüllten Notunterkünften, U-Bahnhöfen ohne sanitäre Einrichtungen oder Lagerhallen unterzubringen, verstoßen nach meinem Eindruck gegen die Menschenwürde. Nach meinen Erkenntnissen werden zum Beispiel große Teile der Flughafengebäude Tempelhof mit sanitären Einrichtungen mittels Steuergeldern beheizt. Hier könnte es statt der "Bread & Butter" jetzt die Aktion "Bett & Butter" geben, die für großes Ansehen dieser Stadt sorgen würde. In Bunkeranlagen der Stadt stehen ungenutzte Notbetten und rosten vor sich hin, obwohl sie sinnvoll genutzt werden könnten.

Dieter Walther, Zehlendorf

Sämtliche sogenannte Gotteshäuser aller Konfessionen sollten ohne Einschränkungen ihre Türen öffnen, damit kein Obdachloser frieren oder gar erfrieren muss. Damit bekäme das Weihnachtslied "Macht hoch die Tür, die Tor macht weit" einen besonderen Sinn. Es finden sich bestimmt genügend geeignete Betreuer, um dafür zu sorgen, dass die Versorgung der Obdachlosen in geordneten Bahnen verläuft.

Rüdiger Bernsdorf, Falkensee

Mutig Stimme gegen braunen Terror und Ausländerfeindlichkeit erheben

Zum Artikel: "Gegen das Vergessen" vom 28. Januar

Als Überlebender des Warschauer Gettos und Zeitzeuge war Marcel Reich-Ranicki die beste Wahl, um im Reichstag zum 67. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz am 27. Januar 1945 zu reden, weil die Erinnerung an den Sündenfall des deutschen Volkes stets wach gehalten werden muss. Deshalb ist es unsere Pflicht, im Deutschland des 21. Jahrhunderts zum braunen Terror und zur Ausländerfeindlichkeit nicht zu schweigen, sondern mutig unsere Stimme zu erheben.

Roland Klose, per E-Mail

Kein Versuch erkennbar, die Staatsverschuldung zu senken

Zum Artikel: "Der Staat nimmt so viel Geld ein wie niemals zuvor" vom 28. Januar

Deutschland geht es im europäischen Vergleich gut. Die Steuern sind im vergangenen Jahr auf ein Rekordhoch gestiegen. Deshalb will man auch in diesem Jahr mit "nur" 17 Milliarden Euro neuen Schulden auskommen. Eigentlich hätten es mehr sein sollen. Was heißt das? Die deutschen Staatsschulden sind inzwischen auf monströse zwei Billionen Euro gewachsen. Der Maastricht-Vertrag von 1992 ist längst verletzt. Denn danach darf die Gesamtverschuldung 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts nicht überschreiten. In Deutschland sind es inzwischen 83,2 Prozent. Dafür wurden im letzten Jahr 62 Milliarden Euro Zinsen fällig. Aber statt die Schulden endlich einmal zu senken, werden sie immer weiter erhöht. Jeder ordentliche Private würde sein Haus bestellen und würde, wenn es möglich ist, seine Schulden so schnell wie möglich tilgen. Doch beim Staat liegt das jenseits jeder Vorstellung. In Wirklichkeit gibt man laufend mehr Geld aus, als man hat, damit einen die Bevölkerung als Wohltäter feiert und wieder wählt. Bilde sich keiner ein, dass das ungestraft bleibt. Die Staatsschuld ist die persönliche Schuld jeden Einwohners, egal ob er Unternehmer, Arbeitnehmer, Hartz-IV-Empfänger, Säugling oder Rentner ist.

Dr. E.M. v. Livonius, Geltow

Korrektur

Zum Artikel: "Berlins Wasserstreit geht in die nächste Runde" vom 2. Februar

In der Amtszeit von Harald Wolf (Linke) als Wirtschaftssenator haben die Berliner Wasserbetriebe begonnen, sich gegen das Prüfverfahren wegen des Verdachts auf zu hohe Trinkwasserpreise beim Bundeskartellamt zu wehren. Wirtschaftssenator Harald Wolf hat diesem Schritt in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender des Unternehmens aber nicht zugestimmt, wie wir irrtümlich geschrieben haben. Wir bitten für diesen bedauerlichen Fehler um Entschuldigung.