Leserbriefe

"Fliegen ja, Lärm nein"

Leser zu den anhaltenden Protesten gegen die jetzt festgelegten Flugrouten vom BER in Schönefeld

Da wird jetzt geprüft, wie die Berliner noch weniger mit Fluglärm belastet werden können. Was ist denn mit den umliegenden Gemeinden? Von unserem mit An- und Abflügen belasteten Mahlow redet kein Mensch. Immer mehr drängt sich der Eindruck auf, wir seien Menschen zweiter Klasse. Der Dauerschallpegel bei uns von mehr als 80 Dezibel schädigt unsere Gesundheit immens. Es kann doch nicht sein, dass Mahlow der einzige Ort mit Doppelbelastung durch An- und Abflüge ist und wir noch mehr belastet werden durch schnell steigende Abflüge zugunsten der anderen. Wenn schon ein so stadtnaher Flughafen wie Schönefeld entsteht, dann ist es doch wohl in einer Demokratie selbstverständlich, dass der damit verbundene Lärm gleichmäßig verteilt wird.

Annelie Schwenk, Mahlow

Mir gehen die Demonstrationen gegen den neuen Flughafen, die Flugrouten und Flugzeiten auf den Geist. Jeder will fliegen, aber den Lärm sollen die anderen haben. Meint etwa jemand, für uns in Tegel oder Spandau sei der Fluglärm nicht auch lästig? Wir müssen den schon Jahrzehnte erdulden und wären sogar für den Erhalt von Tegel. Schließlich sind wir eine Großstadt.

Brigitte Hentschke, Spandau

Von den jetzt durch die Flugrouten Betroffenen haben sich viele im Vertrauen auf den Planfeststellungsbeschluss zum BER in Gebieten eine Zukunft aufgebaut, die ursprünglich nicht von den Flugrouten und vom Fluglärm betroffen werden sollten. Erst die willkürliche Änderung der Flugrouten, abweichend vom Planfeststellungsverfahren, hat die Situation grundlegend verändert. Die Proteste der jetzt Betroffenen haben also auch nichts mit dem oft angeführten "Fluglärm grundsätzlich ja - nur bitte nicht bei mir" zu tun, die Betroffenen verweisen nur auf verbindliche Beschlüsse, die jetzt ohne Rücksicht auf Verluste umgangen werden. Ihr Wunsch nach einer nicht lärmbelasteten Zukunft basiert folglich auch nicht auf dem oftmals unterstellten Egoismus. Man kann nur hoffen, dass die angekündigten Klagen und Proteste Erfolg haben werden.

Bernd Löll, per E-Mail

Merken die Flughafengegner nicht, dass sie sich langsam lächerlich machen und sie unglaubwürdig werden? Seit mehr als 50 Jahren gibt es den Flughafen Schönefeld, sogar ohne Nachtflugverbot - und kein Mensch hat protestiert. Dass Millionen Menschen in Berlin und Brandenburg durch die Schließung von Tempelhof und Tegel entlastet werden, scheint bereits vergessen. Auch vergessen ist die Volksabstimmung zur Erhaltung von Tempelhof, von dem aus die Flugzeuge in geringer Höhe über die Dächer flogen. Gerade die jetzt empörten Bürger von Lichtenrade und Wannsee hatten mit großer Mehrheit für den Erhalt der innerstädtischen "Fluglärmhölle" gestimmt. Nun stellt sich heraus, dass Friedrichshagen gar nicht direkt überflogen wird, sondern der Müggelsee und das Strandbad Rahnsdorf, aber auch nur bei Ostwind und mit einer Flughöhe von 1150 Meter Höhe.

Klaus Wehnert, Prenzlauer Berg

Seit den 70er-Jahren leben wir in Reinickendorf mit den Flugzeugen. So, wie man sich an den Straßenlärm gewöhnt, so ist es auch mit dem Flugzeuglärm. Was wäre wohl, wenn wir gegen die Schließung von Tegel auf die Straße gehen würden, weil wir Angst vor der Ruhe haben?

H. Dzewas, Reinickendorf

Das Gejammer über die Flugrouten ist nicht mehr auszuhalten. Jahrzehntelang haben die Bewohner rund um den Flughafen Tegel klaglos gelebt, damit diejenigen, die jetzt vielleicht am lautesten schreien, so oft sie wollten, in alle Himmelsrichtungen fliegen konnten. Von denen hat mit Sicherheit niemand gefragt, ob der Fluglärm von uns als störend empfunden wird. Eines ist klar, wenn ich alle Vorteile eines Verkehrsnetzes einer Großstadt nutzen will, muss ich auch bereit sein, Beeinträchtigungen hinzunehmen.

Dieter Förster, per E-Mail

Eine Blamage und ein Unding für eine Weltstadt

Zum Artikel: "Alte Stellwerke, kranke Fahrer" vom 31. Januar

Das Chaos bei der Berliner S-Bahn ist langsam nicht mehr zu ertragen. Man darf gar nicht daran denken, dass im Sommer 2012 der neue Flughafen Schönefeld eröffnet werden soll und der dann verkehrsmäßig in erster Linie von der Bahn abhängig ist. Sollen wir uns das als Kunden weiter gefallen lassen, wenn wir dann unter Umständen unseren Flug nicht erreichen, weil die S-Bahn nicht fährt? Sollen Berlin-Gäste bei ihrer Ankunft etwa gleich in das S-Bahn-Chaos geraten, weil Zugführer krank sind oder Signalanlagen nicht funktionieren? Eine Blamage und ein Unding für eine Weltstadt.

Thomas Jungermann, Reinickendorf