Leserbriefe

"Viele Ursachen für das Scheitern"

Leser zur Insolvenz der Drogeriekette Schlecker, bei der auch der Unternehmer selbst pleite gegangen ist

Schlecker schafft es, sich über diese Insolvenz zu sanieren, die Zulieferer sind schon bereit, weiter Waren zu liefern, auch wenn einige auf Geld verzichten müssen. Mitarbeiter werden ihren Job verlieren. Zahlen werden also letztlich die Arbeitnehmer, die schon heute für einen Dumpinglohn arbeiten. Die Gewinne sind längst abgezogen, und vielleicht sind die ja längst in der Schweiz gebunkert.

Horst Bier, per E-Mail

Jetzt ist das Gejammer groß, nachdem Schlecker finanziell am Ende ist. Doch die Verursacher dieser Pleite sind nicht nur die Familie Schlecker, sondern auch die Arbeitnehmer und ihre Gewerkschaftsfunktionäre. Ver.di hat durch das plakative Anprangern von angeblichen Missständen bei Schlecker zum Kundenschwund beigetragen. Jetzt auf die Tränendrüsen zu drücken, ist unehrlich und scheinheilig. Wenn die Mitarbeiter an das Geschäftsmodell bei Schlecker glauben, sollten sie den Laden und die finanziellen Risiken übernehmen. Arbeitsplätze können nur gesichert werden, wenn die Firma wirtschaftlich auf gesunden Füßen steht.

Wolfgang Heller, Westend

Die Familie von Anton Schlecker wird ihre Schäfchen im Trockenen haben, der Rest - also die Angestellten - geht wieder mal leer aus. Willkommen in der Realität.

Marc Johannes, per e-Mail

Wieder einmal sind es nicht nur die Arbeitnehmer, die bei einer Firmeninsolvenz wie der von Schlecker die Dummen sind. Die 30 000 Schlecker-Mitarbeiter werden nach der angekündigten Insolvenz ihres Arbeitgebers ihren Arbeitsplatz verlieren und so schnell keinen neuen mehr finden, der nach geltendem Tarifrecht bezahlt wird. Auch für viele kleine Dörfer und Gemeinden, in denen Schlecker-Läden die einzig verbliebene Einkaufsmöglichkeit für den Einkauf vor Ort waren, bedeutet die Schließung der rund 7000 Märkte in Deutschland, dass es noch weniger soziale Kontakte unter den Nachbarn und Einwohnern gibt. Gerade für ältere Menschen auf dem Land ohne Auto und Anschluss an den öffentlichen Personennahverkehr ist die Schlecker-Insolvenz und das Ende ihres Tante-Emma-Ladens ein herber Verlust an Lebensqualität.

Albert Alten, per E-Mail

Subventionswahnsinn bei Solarenergie ein Ende bereiten

Zum Artikel: "Schatten über der Solarstrom-Branche" vom 30. Januar

Deutschland ist leider ein sonnenscheinarmes Land. Von den 8760 Stunden des Jahres scheint die Sonne statistisch an lediglich 800 bis 900 Stunden. Auf Solarstrom in Deutschland als eine Stütze der Energieversorgung zu setzen widerspricht schlicht den vorhandenen geografischen und klimatischen Bedingungen hierzulande. Der exzessive Ausbau der Solarstromerzeugung wird nur durch das EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) ermöglicht. Mit Subventionen für Wind- und Solarstrom, die 2011 etwa 17 Milliarden Euro betragen werden und die jeder Stromkunde zwangsweise mit seiner Rechnung bezahlt, wird ein überteuertes Produkt in den Markt hineingedrückt. Etwa 50 Prozent der Subventionen gehen in den Solarstrom, der aber nur etwa drei Prozent der Stromerzeugung ausmacht. Wenn Minister Röttgen behauptet, "das EEG ist kein Dauersubventions-, sondern ein Markteinführungsgesetz", so ist das heute einfach falsch. Es ist ein reines Dauersubventionsgesetz geworden, weil die Markteinführung längst beendet ist. Inzwischen sind etwa 25 Prozent der Stromerzeugungskapazitäten in Deutschland in Windrädern und Fotovoltaik-Anlagen installiert. Sie liefern aber nur 16 Prozent des Strombedarfs. Von einem erfolgreichen Marktprodukt kann man angesichts so niedriger Effektivität nicht sprechen. Solarstrom ist nur dort wirtschaftlich zu erzeugen, wo genügend lange die Sonne scheint, wie etwa in der Sahara. Für uns gibt es nur eine Lösung: die sofortige Außerkraftsetzung des EEG und damit das Ende des solaren Subventionierungswahnsinns. Begrenzung der Fotovoltaik-Zubauleistung oder Absenkungen der Fördersätze sind nur Scheinlösungen, ohne das Problem an der Wurzel zu packen.

Dr. Helmut Pöltelt, Ahrensfelde

Ernüchterung kehrt ein, nachdem die Solarförderung ein paar Jahre praktiziert wurde. Nun sieht jedermann, dass die Fachleute recht behalten haben, die von Anfang an der Fotovoltaik in Deutschland keinen großartigen Anteil zumessen wollten. Die Stromversorgung in Deutschland bleibt unsicher. Sonnenstrom gibt es nur manchmal, aber Strom wird stetig gebraucht. Tatsächlich haben nur Konjunkturritter ihren Gewinn, und der kleine Mann bezahlt dafür einen kräftigen Zuschlag auf den Strompreis. Die Förderrichtlinien sind falsch, sie müssen stark reduziert werden, notfalls auch rückwirkend.

Friedrich F. Zuther, Lichterfelde