Leserbriefe

"Endlich mal eine gute Idee"

Das ist ja endlich mal eine gute Idee der Bahn. Doch angesichts der immensen Probleme bei der Berliner S-Bahn, die wir nun schon seit drei Jahren ertragen müssen, und der vielen technischen Mängel und dem Serviceproblem insgesamt bei der Deutschen Bahn, würde ich das Gehalt von Herrn Bahnchef Grube doch gleich auf Hartz-IV-Niveau senken.

Thomas Henschke, per E-Mail

Das neue demokratische Vergütungsmodell des Bahn-Vorstandes führt auf die richtige Schiene. Erstens fördert es den Teamgeist, wenn nicht nur die Vorgesetzten die Leistung ihrer Mitarbeiter bewerten können, sondern jenes ebenso in umgekehrter Weise geschieht. Und zweitens stärkt es die Performance eines Unternehmens, wenn man bei dessen Bilanz zwischen den Zeilen liest. Da sich auf jene Weise unter anderem der Fehler einer zu kurzfristig oder kurzsichtig gedachten Gewinnmaximierung wie etwa bei der Berliner S-Bahn künftig vermeiden lässt. Die Idee der Deutschen Bahn hat Vorbildcharakter für eine sozialere Marktwirtschaft. Andere Konzerne wie zum Beispiel Banken sollten denselben Weg einschlagen. Zumal jene nur mit einem radikalen Umdenken wieder Vertrauen und Ansehen zurückgewinnen können.

Rasmus Helt, per E-Mail

"Gleich mehrere Ämter haben im Fall Chantal versagt"

Zum Artikel: "Chantal hatte drogensüchtige Pflegeeltern" vom 27. Januar 2012

Nicht nur das Jugendamt hat hier versagt. Eine Methadonsubstitution kann nur von einem Arzt durchgeführt werden, der die Genehmigung der Ärztekammer/KV hat. Leider sind diese Ärzte (in Berlin) in der Regel psychiatrisch unbedarft und unerfahren im Umgang mit Drogenabhängigen. Methadon muss in der Praxis vor den Augen des Personals eingenommen werden und darf nur bei zuverlässigen Patienten nach Hause mitgegeben werden, weil erfahrungsgemäß das Methadon auf dem Schwarzmarkt verkauft und damit andere Rauschdrogen zum Beikonsum gekauft werden. Um das zu verhindern, sind Kontrolluntersuchungen des Urins vorgeschrieben. Sind diese Untersuchungen positiv, muss die Behandlung abgebrochen werden. Außerdem ist (in Berlin) eine begleitende psychosoziale Betreuung vorgeschrieben. Jeder Substitutionsfall muss von der Ethikkommission der Ärztekammer geprüft und genehmigt werden. Alles dieses wird in Berlin äußerst lax gehandhabt (und in Hamburg anscheinend auch). Dass in Hamburg nun ein Kind, das von substituierten Drogensüchtigen betreut wurde, zu Tode gekommen ist, wundert mich bei der Praxis der zuständigen Stellen - Jugendamt, Drogenarzt, psychosoziale Betreuer, Ethikkommission, Ärztekammer - und dem damit verbundenen Hin- und Hergeschiebe von Verantwortungen nicht.

Rudi Zimmermann, per E-Mail

"Mit der Geheimniskrämerei muss Schluss sein"

Zum Artikel: "Iran plant Ölstopp für Europa" vom 27. Januar 2012

So ärgerlich und gefährlich die Ambitionen des Iran in Sachen Atom sein mögen, mit einem Embargo oder sonstigen Schikanen lässt sich das Problem nicht lösen. Wir sind auf Öl angewiesen und übrigens auch auf andere Energieträger, erst recht nach dem einseitigen Atomausstieg Deutschlands. Zwar kann man militärisch mit massivem Einsatz (Flugzeugträger, Luftwaffe) den Iran davon abhalten, das "Nadelöhr" - die Meerenge von Hormus - zu sperren, aber das ist keine Dauerlösung. Auf Dauer muss man versuchen, mit Iran im Gespräch zu bleiben und dafür zu sorgen, dass die dortigen Reaktoren ausschließlich der Stromerzeugung dienen. Der Iran muss sich völkerrechtlich verbindlich verpflichten, in der IAEA, der Internationalen Atomenergiebehörde in Wien, konstruktiv mitzuarbeiten, alle Pläne seines Programms müssen endlich auf den Tisch. Mit der Geheimniskrämerei muss Schluss sein, sonst geht das Katz- und Mausspiel endlos weiter, damit ist keinem gedient, am wenigsten dem iranischen Volk selbst.

Christoph Luban, per E-Mail

"Die Bayern sollen die Kirche bitte im Dorf lassen"

Zum Artikel: "Berlin soll wie Washington werden" vom 27. Januar 2012

Ob sich der bayerische Nutznießer noch erinnert? Als der Länderfinanzausgleich eingeführt wurde, war Bayern arm. Jeder Dritte lebte in dem rückständigen Agrarland von der Landwirtschaft. Jahrzehntelang profitierte der Freistaat vom Länderfinanzausgleich. Über 90 Prozent der ärmsten Landkreise lagen 1957 in Bayern. Und Bayern hatte Glück: Siemens, Audi, Allianz etc. zog es nach Süden. Ich gönne dies alles den Bayern, aber bitte die Kirche im Dorf lassen.

K. Piechowiak, per E-Mail