Leserbriefe

"Ist er jetzt das Bauernopfer?"

Wöchentlich neue Enthüllungen im Dunstkreis von Bundespräsident Christian Wulff (CDU) und kein Ende in Sicht. Die Amigo-Affären von Niedersachsens Ex-Ministerpräsident Wulff haben dem Amt des Staatsoberhauptes nachhaltig Schaden zugefügt. Politische Glaubwürdigkeit und Vertrauen der Bürger in dieses hohe Amt können erst wieder in Schloss Bellevue einziehen, wenn Bundespräsident Wulff endlich zurücktritt und er damit der politischen Kultur in unserer Demokratie einen großen Dienst erweist. Diese Affärenflut nach dem Motto "Lassen wir Gras über die Sache wachsen" aussitzen, wäre fatal.

Albert Alten, per E-Mail

Es sind die Mosaiksteinchen, die Tag um Tag neu hinzukommen. Nun aber ist das Fass voll. Hausdurchsuchung beim Pressesprecher - der Anlass für einen Anfangsverdacht der Bestechung wird nicht geringfügig sein. In all dem mittendrin der Bundespräsident, der Mann, der unser Land repräsentieren soll. Der aber muss sich Pattex-Präsident nennen lassen. Und die Kanzlerin hält - Augen zu und durch - an ihm fest. Denk ich an Deutschland in der Nacht!

Winfried Pursche, Mitte

Nun wissen wir auch, weshalb der derzeitige Bundespräsident seinen über viele Jahre engsten Vertrauten plötzlich wie eine heiße Kartoffel hat fallen lassen - wie das halt in Politikerkreisen so üblich ist. Wenn auch diese glamourösen Partys zu dem sogenannten "Nord-Süd-Dialog" von der niedersächsischen Staatskanzlei mit unterstützt wurden und dessen Schirmherr Christian Wulff mit Sicherheit von seinem "Faktotum" in alle Einzelheiten eingeweiht war - was hat eigentlich der arme Olaf Glaeseker so anders als sein Vorgesetzter gemacht? Nach dem Motto "Was mein Chef kann, das kann ich auch" hat er sich ebenfalls in entsprechende Urlaubsunterkünfte von seinem Umfeld einladen lassen und diese genossen. Na, was ist denn da Schlimmes dran, wenn das das Staatsoberhaupt ganz normal findet? Das scheint nunmehr der Politikerstandard des Jahres 2012 in Bezug auf Anstand und Unabhängigkeit zu sein.

Nils Johnson, Berlin-Tegel

Die "Story Wulff" geht also weiter, denn Olaf Glaeseker war ja nicht irgendwer. Er gehörte zum Führungszirkel des Bundespräsidialamts. Ist er jetzt das Bauernopfer? Nach den seitenlangen Erklärungen von Wulffs Anwälten, die eine Art Rechtfertigung sind, könnte man es so sehen.

Christoph Luban, per E-Mail

Polizei muss moderne Technik zur Verfolgung einsetzen

Zum Artikel: "Innensenator verteidigt Handy kontrollen" vom 21. Januar

Zu den Aufgaben der Polizei gehört es, Straftaten zu verhindern, zu verfolgen und Straftäter den Gerichten zu überstellen. Um erfolgreich zu sein, muss sie sich auch der modernen Technik bedienen können. Vielleicht sollten die Datenschützer einmal mit dem Opfer eines Autobrandstifters sprechen, um festzustellen, wo der Datenschutz aufhört und das Rechtsbewusstsein beginnt. Wer Erfolge der Polizei will, der muss sie im Rahmen von rechtsstaatlichen Mitteln arbeiten lassen.

Achim Sahr, per E-Mail

Politiker sind auf diesem Auge blind

Zum Artikel: "Immer mehr Berliner Schüler mit Migrationshintergrund" vom 19. Januar

Es müsste ein Hilferuf durch das Land gehen. Aber wer soll helfen? Sarrazin hat nur aufmerksam machen können, viele Politiker sind auf dem Auge blind oder trauen sich nicht aus den bekannten Gründen. So können wir uns nur selbst helfen. Aber bei der Geburtenrate mit den Migranten gleichzuziehen, ist noch schwieriger, als Usain Bolt im Sprint zu schlagen. Deutschland steckt in einer Falle. Wir hinterlassen neben der Schuldenkrise unseren Enkeln ein weiteres Problem.

Walter Meinicke, per E-Mail

Urteil für Fleischpanscher Ist ein Skandal

Zum Artikel: "Zwei Jahre Bewährung für Gammelfleisch-Händler" vom 21. Januar

Da verschlägt es einem fast den Atem, und man muss fassungslos das ergangene Urteil des Schöffengerichts zur Kenntnis nehmen. Nach mehr als fünf Jahren kommt es endlich zur Verhandlung (auch das ist nicht zu begreifen), und dann werden diese Fleischpanscher mit nur zwei Jahren - und die noch dazu auf Bewährung - verurteilt. Ist unserer Justiz denn eigentlich klar, dass man hier die Gesundheit der Menschen auf erbärmliche Weise, vor allem aus Profitgier und auf kriminelle Art und Weise, zutiefst gefährdet hat? Allein die fünfjährige Dauer bis zum Prozessbeginn wirft Fragen auf und ist ein Skandal.

Peter Otto, Kleinmachnow