Leserbriefe

"Nicht die erste Wahl"

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Bundespräsident Christian Wulff lässt seinen Worten von Aufklärung und Transparenz in eigener Sache keine Taten folgen. Fakten und Antworten zu seiner Kredit- und Medienaffäre bleiben geheim. Wulff bricht damit sein Versprechen, das er seinem Volk vor laufenden Fernsehkameras gegeben hat, und verliert so weiter an Zustimmung. Mitverantwortlich hierfür sind auch die dilettantisch agierenden Rechtsberater und Anwälte des Staatsoberhauptes.

Albert Alten, per E-Mail

Wer dieses Amt bekleiden will sollte wissen, worauf er sich einlässt. Fettnäpfchen, und mehr war das nicht, sollte er vermeiden. Denn je höher man steigt, desto dünner wird die Luft. Zumindest hätte Wulff jetzt mit überlegener Klugheit und Härte auf die ziemlich lächerlichen Anfeindungen reagieren müssen. Das hat er nicht. Insofern ist er auch für mich nicht die erste Wahl. Aber das Schauspiel, das Opposition und Medien zurzeit abliefern, ist ein Armutszeugnis für unsere Demokratie.

Dr. E.M. v. Livonius, Schwielowsee

Wulff hat ein Problem, er besitzt das falsche Parteibuch. Johannes Rau hat als Ministerpräsident nachweislich 40 Privatflüge mit den Privatjets der WestLB spendiert bekommen. Als ihn diese Affäre im Amt des Bundespräsidenten erreichte, gab es ein kurzes Rauschen im Blätterwald, das große Kesseltreiben fiel aus. Er blieb ähnlich farblos wie Wulff, aber alle übten Nachsicht.

Hans-Joachim Junge, per E-Mail

Eigentlich ist alles gesagt, aber erinnern wir uns: Kaum dass Wulff zum Präsidenten vorgeschlagen wurde, hat sich Frau Wulff geäußert, dass sie doch lieber in Großburgwedel wohnen bleiben möchte. Umgehend wurde sie zurückgepfiffen. Dann kam die Debatte auf, wo die Familie in Berlin privat wohnen werde. Es wurde lange gesucht, dann entschied man sich doch für den ehemaligen Wohnsitz des Ehepaares Köhler im Grunewald. Monatelang wurde umgebaut! Wer hat diesen Aufwand je erfasst? In einem geräumigen Haus ein Kinderzimmer einzurichten und die Wände zu streichen, dies schaffen Handwerker in wenigen Tagen. Hier zeigte sich bereits das erste Mal das Abgehobensein, das Besondere. Da kommt unwillkürlich die Frage auf: Wie viele Gästezimmer wurden eigentlich eingerichtet?

Doris Czirmanski, Wilmersdorf

Kein anständiger deutscher Bürger kann dieses Thema, in dem es nur noch um formale Lappalien geht und das nun endgültig abgeschlossen ist, mehr hören. CDU und CSU haben zweifellos das beste Parteiprogramm aller derzeitigen Parteien, aber die Mehrheit ihrer Politiker ist unfähig, die Zukunft richtig zu gestalten. Dies gilt insbesondere für die Führungsebenen dieser Parteien. Über Nebensächlichkeiten wird wochenlang diskutiert, während Deutschland mit den irrsinnigen Euro-Rettungsschirmen dem sicheren wirtschaftlichen Ruin entgegengeht.

Herbert Gaiser, per E-Mail

Ich war kein Fan von Christian Wulff und hätte ihn nicht gewählt. Aber er ist nun Präsident der Bundesrepublik Deutschland, also auch meiner. Mein Respekt vor diesem wichtigen Amt gebietet mir, Herrn Wulff und seine Gattin zu respektieren und anzuerkennen, dass die seit der Wahl geleistete Arbeit unserem Land gut getan hat.

Wilfried Dahlke, per E-Mail

Wie lange hält Herr Wulff noch am Amt fest? Wie lange wird das Ansehen dieses Amtes noch von ihm beschädigt? Offensichtlich ist sein subjektives Empfinden über seine Tragfähigkeit ebenso weltfremd wie das seines 1. Parlamentarischen Geschäftsführers Peter Altmeier, der offensichtlich in einer CDU-Glocke sitzt, wenn er behauptet, die Öffentlichkeit würde Herrn Wulff doch weiter unterstützen. Hat keiner der beiden Herren die immer negativer ausfallenden Meinungen der bundesdeutschen Bürger zur Kenntnis genommen oder die Demonstration vor dem Sitz des Bundespräsidenten registriert? Wider besseres Wissen hält man trotzig an etwas fest, was man ohnehin wohl kaum noch im Griff hat.

G. Harting, per E-Mail

Die Würde des Menschen ist unantastbar. So steht es im Grundgesetz, und so muss es in Deutschland für alle Bürger und also auch für den Bundespräsidenten gelten. Doch die vergangenen drei Wochen boten ein anderes Bild. Möge sich unser Staatsoberhaupt auch nicht immer besonders geschickt im Umgang mit der Öffentlichkeit und den Medien verhalten haben, eine mediale Hetzjagd ist eines demokratischen Staates unwürdig. Scheinheiligkeit à la Opposition, die bei der Suche nach einem geeigneten Bundespräsidenten-Nachfolger "helfen" will, ist ebenso fehl am Platze wie die akribische Suche von selbst ernannten Moralwächtern nach weiteren "Verfehlungen" des Bundespräsidenten.

Joachim Kretschmar, per E-Mail