Leserbriefe

"Lärm bleibt Dauerthema"

Die Bundesregierung stellt klar, dass sie auf die Gesundheit der Bürger pfeift und der Lobby der Luftverkehrswirtschaft folgt. Das Gutachten des Umweltbundesamtes (UBA) fordert wegen hoher Gesundheitsrisiken durch Fluglärm neue Routen. Das passt natürlich der Politik nicht. Da die Routen am Ende vom Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung genehmigt werden, das dem Bundesverkehrsministerium und damit Herrn Ramsauer unterstellt ist, wollte dieser doch gleich einmal versuchen, das unbequeme Gutachten vor der Öffentlichkeit zurückzuhalten. Dass er damit auch ein Zeichen gesetzt hat, was er von den Erkenntnissen des Gutachtens hält, dürfte der Öffentlichkeit nun klar geworden sein. Nun darf man gespannt sein, wie das Amt es schaffen wird, seine Verantwortung für den Bürger auch praktisch wahrzunehmen.

Roger Morell, per E-Mail

Der neue Großflughafen BER soll der Job- und Wirtschaftsmotor der Region werden. Wenn jetzt allerdings die Vorstellungen des Umweltbundesamtes, ein Nachtflugverbot in von 22 bis 6 Uhr umzusetzen, realisiert werden, wird der Airport ein Milliardengrab. Jede kleine Verspätung, die einen Anflug erst nach 22 Uhr nach sich zieht, würde eine Umleitung des Fluges bedeuten. Namhafte Airlines werden es sich überlegen, Berlin überhaupt anzufliegen. Vielen Deutschen ist Fortschritt anscheinend mittlerweile ein Dorn im Auge, ob es der neue BER ist oder Stuttgart 21.

Bernhard Adomeit, per E-Mail

Wir sollten froh sein, dass die Experten des Umweltbundesamtes sich dieses Themas angenommen haben. Auf diese Weise kommt Schwung in die Debatte, die ja gerade erst angefangen hat. Wir wollen hoffen, dass diesem an sich sehr sinnvollen Projekt das Schicksal von Stuttgart 21 oder Gorleben erspart bleibt. Deshalb ist es notwendig, auch kritische Stimmen in die Entscheidungsprozesse einzubinden. Das Thema Lärm wird ja nicht mit der Inbetriebnahme des Flughafens beendet sein, sondern ein Dauerthema bleiben. Erst nach Beginn des Flugbetriebes wird man sehen, wie hoch die Lärmbelastung tatsächlich ist, denn erst dann können die Messungen vorgenommen werden.

Christian Lukner, per E-Mail

Das Bundesverkehrsministerium und das brandenburgische Infrastrukturministerium haben vor der Veröffentlichung interveniert, weil die lärmfachliche Bewertung zu stark von der "offiziellen Linie" abweiche. Wird das Maß der wissenschaftlich begründeten schweren medizinischen Schäden für die betroffenen Menschen und die katastrophalen Auswirkungen auf die Natur von der Flughafenlobby und den oben genannten Ministerien bestimmt? Können die nicht eine wissenschaftlich fundierte Meinung wie das Fluglärmgutachten des Umweltbundesamtes ertragen, nur weil es von der "offiziellen Linie" abweicht? Da sollen abweichende Meinungen, wie Vorschläge zu Routenführungen und Nachtflugverbote, unterbunden werden.

Gottfried Gleisberg, Friedrichshagen

Für besonders Lärmempfindliche ist ein Leben auf dem Lande sinnvoll

Zum Artikel: "Marktstände am Kollwitzplatz sind umgezogen" vom 7. Januar

Es ist für mich unverständlich, dass eine Menge Menschen, die mit dem Handel auf dem Markt ihre Brötchen verdienen oder aber dort ihren Bedarf an Lebensmitteln decken, weichen müssen, nur weil eine einzelne Person sich gestört fühlt. Wer dermaßen lärmempfindlich ist, sollte sich überlegen, ob nicht ein Wohnsitz auf dem Land sinnvoller wäre. Das gibt auf der anderen Seite Hoffnung, kann ich doch nun mit Berufung auf dieses Urteil die Silvesterknallerei verbieten und den Verkehr in der Danziger Straße unter die Erde verlegen lassen, alles Lärm, der mich stört.

Paul Peters,mPrenzlauer Berg

Qualität und Geschmack bleiben auf der Strecke

Zum Artikel: "Kontaminiert im Kühlregal" vom 10. Januar

Größer - schneller - billiger: Unter diesem Motto der Agrarindustrie leiden heute etwa 150 Millionen Nutztiere in deutschen Ställen. Ob Schwein, Rind oder Legehenne, ob Pute, Kaninchen oder Ente - sie werden verstümmelt, in enge Ställe oder Käfige gepfercht und mit Medikamenten vollgepumpt. Auf der Strecke bleiben nicht nur das Wohl der Tiere und ihre artgemäße Haltung, sondern auch Qualität, Geschmack und die gesundheitliche Unbedenklichkeit der Produkte. Mediziner warnen seit Jahren die Verbraucher vor Medikamentenanreicherungen in Fleisch, Milchprodukten und Eiern. Es gilt als gesichert, dass Antibiotika-Anreicherungen im Fleisch, speziell im Schweinefleisch, Hauptursache für die Antibiotika-Resistenz beim Menschen sind.

Antoinetta Tumminello, per E-Mail