Leserbriefe

"Diskussion zur Unzeit"

Was soll diese Diskussion zur Unzeit? Wenn der CSU-Vorsitzende Seehofer seine fast wortgleiche Kritik vom Oktober 2010 an der stufenweisen Einführung der Rente mit 67 erst jetzt am 1. Januar 2012 wiederholt, ist es doch nun zu spät. Obwohl er in der Sache völlig recht hat. Er hat jedoch die vergangenen 15 Monate bei diesem Thema glatt verschlafen, offenbar weil Angela Merkel ihm den Schneid abgekauft hat. Die Beschäftigungsmöglichkeiten der über 50-jährigen Arbeitslosen wurden und haben sich keineswegs spürbar verbessert. Die Verlängerung der Lebensarbeitszeit um zwei Jahre ist faktisch eine beschlossene Rentenkürzung.

Olaf Hessemer, Konradshöhe

Die Rente mit 67 ist schon allein aufgrund des demografischen Wandels alternativlos. Mit unnötigem Sozialpopulismus verprellt Wendehals Horst Seehofer die CSU-Wähler.

Herbert Gaiser, per E-Mail

Besserverdienende werden unverhältnismäßig bevorzugt

Zum Artikel: "Vermögen in der Familie verteilen hilft Steuern sparen" vom 30. Dezember

Endlich können volljährige Kinder ab 2012 während ihrer Berufsausbildung unbegrenzte Einkünfte erzielen, ohne dass der Anspruch auf Kindergeld beziehungsweise -freibetrag verloren geht. Diese Neuregelung ist ohne Zweifel besser als die bisherige, bevorzugt nun aber unnötig alle Besserverdienenden unverhältnismäßig. Eine Vereinfachungsmaßnahme ist sie jedoch allemal, da für die steuerpflichtigen Eltern, die auskunftsverpflichteten Kinder und auch die Finanzämter der gesamte bürokratisch notwendige, aber nicht geringe Beleg- und Arbeitsaufwand fast gänzlich entfällt.

Jean Wandkowski, Frohnau

Im Gegenzug sinkt Zahl der regulären Dauerarbeitsplätze

Zum Artikel: "In Berlin sind die Arbeitslosenzahlen so gut wie lange nicht" vom 4. Januar

Zu Beginn eines jeden Monats feiert sich die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg selbst und verkündet sinkende Arbeitslosenzahlen. Die schöngefärbte Statistik mag zwar so manchen Politiker der Bundesregierung erfreuen. Doch die Zahl von sozialversicherungspflichtigen Dauerarbeitsplätzen sinkt leider auch. Zugenommen haben die billigen Beschäftigungen im Niedriglohnsektor, von denen immer weniger Menschen menschenwürdig leben können. "Arm durch Arbeit", heißt das Motto auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Zeitarbeit, Leiharbeit, Ein-Euro-Jobs oder 400-Euro-Mini-Jobs sind auf dem Vormarsch, und immer weniger wird in die gesetzliche Rentenkasse eingezahlt. Die Arbeitslosenzahlen sinken, und die Altersarmut nimmt zu.

Albert Alten, per E-Mail

Teuerungen sind tagtäglich beim Einkauf spürbar

Zum Artikel: "Trotz tiefer Krise: Ein Teuro war der Euro nie" vom 2. Januar

Auch wenn man jetzt seit zehn Jahren gebetsmühlenartig versucht, uns einzureden, dass der gute Euro doch gar kein Teuro ist und nur das marode Erinnerungsvermögen von ungezählten Millionen Deutschen schuld an der Verunglimpfung ist: Im täglichen Leben an der Kasse erlebe ich etwas anderes. Für den Handel, für die "Exportnation Deutschland" mag sich die Umstellung ja gerechnet haben, nur beim Durchschnittsbürger ist ein profitabler Effekt nicht angekommen. Die ausgeleierten Argumente, dass man doch jetzt viel preiswerter in die USA reisen könne - wie viele Deutsche reisen da permanent hin, dass dieses Argument eine Berechtigung hätte? Wie viele können sich so eine Reise aufgrund eben des Teuro denn noch leisten? Noch kruder der verzweifelt herangezogene Hinweis auf die sich so verbilligten Computer. Technische Geräte verbilligen sich über eine gewisse Zeitspanne aufgrund neuer, nachfolgender Technik generell - völlig unabhängig von irgendwelchen Währungen, egal ob D-Mark, Euro oder Rupie.

Daniela Reil, per E-Mail

Diesem "Sand-in-die-Augen-Streuen" muss ich energisch widersprechen. Die Medien sollten aufräumen mit diesem Statistikbetrug, der allenfalls nur die naiven Gemüter beruhigen kann. Was vielleicht für unsere gesamte Volkswirtschaft richtig sein mag, ist lange nicht für den Normalverbraucher bei seinen täglichen Bedürfnissen ausschlaggebend. Jeder normale Mensch kann tagtäglich feststellen, wie der Einkauf seines laufenden Bedarfs an Lebensmitteln, Benzin, Strom sowie seine Miete und die Nebenkosten wie insbesondere Heizung sowie die Be- und Entwässerung erheblich teurer geworden sind, als es die statistischen Durchschnittswerte aussagen.

Regina Werpuschinski, Frohnau