Leserbriefe

"Nur Almosen für Bedürftige"

Misshandelte Heimkinder werden weder in Berlin noch sonst wo in Deutschland entschädigt. Die Überlebenden der deutschen Heimkinderhöllen werden mit Almosen abgespeist. Einem Almosen, das es nur dann gibt, wenn jemand in Armut lebt und dies auch nachweisen kann. Ein Almosen also für die Armen, aber nichts für die, die es irgendwie geschafft haben, sich aus dem Dreck zu ziehen, in den Kirchen und Staat sie als Kinder gestoßen haben. Keiner, der heute über der Armutsgrenze lebt, bekommt auch nur die kleinste Hilfe von den sich nun selbst lobenden und beweihräuchernden Kirchen oder Bundesländern oder dem Bund zu sehen. Niemand! Für alle anderen heißt es: Ein Stützstrumpf hier, eine Therapie da - natürlich nur, wenn das nicht ohnehin schon von der Krankenkasse bezahlt wird. Entschädigung jedoch ist ein finanzieller Ausgleich für erlittenes Leid und damit einhergehende Einschränkung der Lebensqualität. Wiedergutmachung hingegen ist ein dummes Unwort. Denn das, was uns zugefügt wurde, wird nie und niemand wiedergutmachen. Übrigens: Irland entschädigt seine misshandelten Heimkinder und konfisziert dafür notfalls sogar Kirchenbesitztümer. Österreich, Norwegen und Belgien entschädigen Überlebende; ebenso Kanada und Australien, von den USA ganz zu schweigen. Da ist das zerbrochene Leben eines Kindes gar Millionen wert.

Heidi Dettinger, per E-Mail

Wieso sprechen alle von Entschädigung? Es sind doch alles nur Leistungen zum Lebensunterhalt, mit Entschädigung hat das überhaupt nichts zu tun. Sollten etwa Politik, Kirche und Journalisten den Unterschied zwischen Leistung und Entschädigung nicht kennen? Das wäre ein Armutszeugnis. Diese Leistungen können keine Entschädigung für die Misshandlungen an Körper und Seele sein.

Vroni Perschke, per E-Mail

Inklusion wird weder behinderten noch gesunden Kindern gerecht

Zum Artikel: "An der Grenze der Integration" vom 22. Dezember

Der Artikel wirft konsequenterweise die Frage auf, ob die UN-Behindertenkonvention nicht eine völlige Fehlentscheidung ist, weil dieses Konzept allein ideologisch, lebensfremd und dogmatisch begründet ist, komplett an der gesamten Problematik vorbeigeht und allen Betroffenen mehr oder gar nur Nachteile bringt. Ganz offenbar wird die "Inklusion" weder den in jeder Hinsicht benachteiligten Kindern noch allen gesunden Kindern gerecht. Den einzigen nachvollziehbaren und zu begrüßenden Sinn dieses organisatorischen, aber auch der Vernunft und dem Wohl aller Beteiligten widersprechenden eklatanten Irrwegs, nämlich die Solidarität und die Rücksichtnahme aller Kinder insgesamt untereinander zu fördern, muss unsere Gesellschaft auf andere Weise durchzusetzen suchen. Alle Eltern sollten sich nicht scheuen, ihr Elternwahlrecht offensiv zu nutzen, um Schaden von ihren Kindern abzuwenden und zu fordern, dass in allen Schulen - vorrangig die Förderschulen und Förderzentren - die Personal- und Sachausstattung bedarfsgerecht erfolgt.

Norbert Gewies, Konradshöhe

Platz vor dem neuen Stadtschloss nach Friedrich II. benennen

Zum Artikel: "Wie Berlin und Brandenburg Friedrich II. feiern" vom 28. Dezember

Der 300. Geburtstag von Friedrich II. wird ab Januar in unserer Stadt gebührend gefeiert werden. Die Top-Events sind dann mit Prominenten bestens bestückt, Bürger bringen sich in diverse Projekte ein. Es soll und wird ein Friedrich-Jahr werden! Leider ist es aber so, dass der im Mittelpunk stehende Friedrich der Große, König von Preußen, in unserer Stadt nicht wirklich stattfindet. So gibt es in Berlin weder eine Straße noch einen Platz, der auf diesen wohl bekanntesten Preußen hinweist. Außer seinem Reiterstandbild Unter den Linden und dem Treptow-Köpenicker Ortsteil Friedrichshagen finden wir nichts. Der Platz vor dem wieder neu entstehenden Stadtschloss etwa wäre sicher würdig und angemessen, seinen Namen zu tragen. Der 300. Geburtstag böte eine hervorragende Chance, bisher Versäumtes nachzuholen und einen der geschichtsträchtigsten Herrscher Europas in seiner Geburtsstadt Berlin wirklich zu würdigen.

Bernd-M. Knuth, per E-Mail

Oft sind Schmerzen, Armut oder Demenz die Ursache von Sucht

Zum Artikel: "Immer mehr ältere Menschen haben Suchtprobleme" vom 30. Dezember

Drogen- und Alkoholprobleme hindern Jugendliche und Erwachsene daran, ein freies, selbstbestimmtes und glückliches Leben zu führen. Wer jedoch Schmerz, Armut, Einsamkeit oder den Dämon der Demenz am Ende eines Lebens kennt, wird Betäubung und Rausch anders bewerten.

Zwenti Bodd, per E-Mail