Leserbriefe

"Als Bundespräsident untragbar"

Wie viel feingeschliffenes und wohlformuliertes Anwaltsgewäsch will der Bundespräsident der Nation eigentlich noch zumuten? Wäre es nicht vielmehr für einen Bundespräsidenten angesagt, hier ganz klare Worte zu finden und die der Bevölkerung auch mitzuteilen? Auf die Frage, ob hier Pflichten als Politiker vernachlässigt oder verletzt wurden, gibt es doch schließlich nur zwei eindeutige Antwortmöglichkeiten: ja oder nein.

Michael Hirdes, per E-Mail

Wulff sollte für sich die Maßstäbe gelten lassen, die er bei anderen wiederholt einforderte. Aber als Berufspolitiker demonstriert er die branchenübliche Einstellung des Aussitzens. Die Läuterung dauert und dauert. Wulff hat das Amt beschädigt, daher sollte er zurücktreten.

Lothar R. Kaltofen, Zehlendorf

Tagtäglich gibt es neue Ungereimtheiten. Nun hat Wulff angeblich auch nichts von der Zahlung der Anzeigenkampagne seines Buches durch seinen obskuren Freund Maschmeyer gewusst. Als Bundespräsident ist er untragbar geworden.

Peter Otto, Kleinmachnow

Christian Wulff hat bisher seine Amtszeit als Bundespräsident ohne Tadel geführt. Wenn er jetzt mit Vorwürfen aus seiner Ministerpräsidentenzeit behelligt wird, dann sollten diese Vorwürfe belegen, ob er sich bereichert hat oder käuflich war. Die persönliche Fehde, welche der Grünen-Fraktionschef des niedersächsischen Landtags meint ausfechten zu müssen, muss als private Angelegenheit behandelt werden und erlaubt keinen Rückschluss auf die Amtsführung des Bundespräsidenten.

Lutz-Peter Schmitz, Mitte

Wulff hat sich durch seine diffuse und inkonsequente Handlungsweise stark geschadet und seine Glaubwürdigkeit verloren. Er sollte umgehend zurücktreten. Seine Weihnachtsansprache würde zwar zum Quotenhit avancieren, aber ansonsten zu einer lächerlichen Farce mutieren.

Thomas Henschke, per E-Mail

Ich frage mich, warum Wulff nicht reiche Freunde haben darf, die ihn kurzfristig unterstützen oder in ihre Villen zum Urlauben einladen? Letztlich ist er auch nur ein Mensch, der ein Privatleben führen darf. Oder haben das die Medien oder gar oppositionelle Politiker zu bestimmen?

Bernhard Adomeit, per E-Mail

Die Mehrheit der deutschen Bevölkerung lehnt einen Rücktritt von Christian Wulff entschieden ab. Die Kampagne gegen ihn nimmt inzwischen Züge eines ideologisch bestimmten Meinungsterrors an, der die Demokratie zu einer verachtenswerten Einrichtung verkommen lässt.

Herbert Gaiser, per E-Mail

Christian Wulff ist zu Recht angezählt. Um das Amt des Bundespräsidenten nicht weiter zu beschädigen, sollte er zurücktreten.

Karl Leistenberger, per E-Mail

Es ist unfassbar, wie selbstsicher Politiker, die in der Schusslinie stehen, sich verteidigen. Dafür fehlt dem Normalbürger das Verständnis. Und wieder mal wird ein Politiker zurücktreten müssen und weiterhin Zahlungen erhalten.

Franko Gestrich, Lichtenrade

Die Berliner Lehrer bekamen vor Weihnachten ein mehrseitiges Erinnerungsschreiben zum Umgang mit Weihnachtsgeschenken. Demzufolge sind Präsente - mit Ausnahme eines Blumenstraußes - grundsätzlich abzulehnen, um den Verdacht der Bestechlichkeit zu vermeiden. Akribisch wird seitenweise aufgelistet, dass auch ein Kugelschreiber oder Schokolade als mögliche Beeinflussung unbedingt zurückzuweisen sind. Wenn der normale Staatsdiener noch nicht einmal Schokolade annehmen darf und der höchste Repräsentant des Staates ungeniert Leistungen wie Ferienaufenthalte oder zinsgünstige Darlehen annimmt, kommt man schon ins Grübeln.

S. Hillebrecht, per E-Mail

Der Medienrummel um den Bundespräsidenten ist mehr als peinlich - das hartnäckige Lavieren des Herrn Wulff allerdings erbärmlich. Beschädigt ist nicht nur das "hohe Amt", sondern auch das Ansehen von Frau Merkel, die mit der seinerzeitigen Ernennung eines unreifen Möchtegerns sich eine weitere Blamage eingehandelt hat.

Ingrid Heltzel-Schwombeck, Charlottenburg

Mein Mann war Kriminalbeamter. Seine Dienststelle klärte in den 60er-Jahren eine Straftat auf, die Hubert von Meyerinck betraf. Als Dank schickte von Meyerinck eine Schallplatte, die er besungen hatte. Die Beamten der Dienststelle hätten die Schallplatte gern gehört, durften sie aber nicht annehmen. Was hingegen nehmen Politiker heute alles an?

Ursula Papstein, Reinickendorf