Leserbriefe

"Glaubwürdigkeit verspielt"

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat mit ihren Vorschlägen für das Amt des Bundespräsidenten bislang kein Glück gehabt. Horst Köhler ging beleidigt, und Christian Wulff scheitert wohl an seiner allzu großen Nähe zu Unternehmern, von denen er günstige Kredite und Urlaubsgeschenke ohne Skrupel und angeblich ohne Verpflichtungen annahm. Jeder Einkäufer in der freien Marktwirtschaft wäre dafür von seinem Chef getadelt und gefeuert worden. Damit hat sich Wulff als Vorbild und Repräsentant aller Deutschen selbst disqualifiziert.

Roland Klose, per E-Mail

Sicherlich kann man über die Fähigkeit von Christian Wulff als Bundespräsident unterschiedlicher Meinung sein. Der Vorwurf allerdings, er beschädige das Amt des Bundespräsidenten, wenn er nicht zurücktreten würde, geht in die falsche Richtung. Die kleinkarierten Bürger, Talkmaster und etliche Journalisten, die das fordern, beschädigen mit ihren Anwürfen das Amt. Wenn es konkret etwas gibt, was dem Bundespräsidenten vorzuwerfen ist, sollte man auch die Beweise liefern und nicht spekulieren oder noch besser schweigen.

Gerhard Grigoleit, Wannsee

Was ist das für ein Wirbel um nichts und wieder nichts. Haben wir denn sonst keine Probleme? Da borgt sich ein junger Mann nach der Scheidung Geld, um sich eine neue Existenz aufzubauen, ist das nicht normal? Das geborgte Geld wurde längst zurückgezahlt, die Sache ist damit finanziell erledigt. Und dass ein hochrangiger Politiker bei Freunden oder Bekannten Urlaub macht, ist überall auf der Welt üblich, nur bei uns wird daraus eine Staatsaffäre gemacht. Ein Bundespräsident hat auch ein Recht darauf, dass man seine Privatsphäre respektiert. Die Kritiker sollten versöhnlichere Töne anschlagen und etwas Verständnis aufbringen für schwierige Lebenssituationen, in die jeder Mensch kommen kann, auch ein Bundespräsident.

Christoph Luban, per E-Mail

Die alles entscheidende Frage in Bezug auf den Bundespräsidenten Wulff ist doch die der Glaubwürdigkeit. Und die hat er einfach einmal verspielt. Nicht genug, dass das Volk von seinem Vorgänger sang- und klanglos im Stich gelassen wurde, nun wird es vom amtierenden Präsidenten auch noch an der Nase herumgeführt.

Marcus Siekmann, per E-Mail

Weder Theodor Heuss, Gustav Heinemann noch Walter Scheel oder gar Roman Herzog haben als Bundespräsidenten Negativschlagzeilen wegen Amigo-Affären mit falschen Freunden produziert. Der amtierende Bundespräsident tritt von einem Fettnapf in den nächsten. Ob Privatkredit, Urlaubsreisen oder verbilligte Flüge oder der jüngste Vorwurf, er habe sich vom Versicherungsunternehmer Carsten Maschmeyer Anzeigenkosten für sein Buch bezahlen lassen, ohne angeblich davon gewusst zu haben. Ein Rücktritt von Christian Wulff ist das Gebot der Stunde.

Albert Alten, per E-Mail

Wenn der Bundespräsident noch so etwas wie Ehrgefühl hätte, würde er zurücktreten. Er ist für mich der schlechteste Präsident, den wir jemals hatten. Es begann mit seiner Rede zum Tag der Deutschen Einheit und endet nun wer weiß womit. Immer nur gerade das zugeben, was rauskommt, aber bei anderen eine Latte der Moral anlegen, unter der er problemlos aufrecht durchgehen kann. Nein, Herr Wulff, Sie sind nicht mein Präsident!

Lisa Reschke, per E-Mail

Wir sollten das Rumgehacke auf dem ersten Frühstücksdirektor der Nation sein lassen. Er und seine Gattin entsprechen doch dem Sehnsuchtsgefühl der meisten Deutschen: junger, netter Schwiegersohntyp, hübsches Aussehen und nichtssagende Worthülsen.

Jörg Weigel, per E-Mail

Die ideelle und materielle, vor allem auch moralische Distanz zwischen Bevölkerung und Politik wird immer frappierender und gravierender und zeigt sich in exemplarischer Weise leider nun auch an unserem Staatsoberhaupt. Der hatte ohnehin bisher als einziges positives Attribut nur ein gewisses biedermännisches Saubermann-Image zu bieten, ohne jegliche wirklich wegweisende politische und wagemutige Denkanstöße geliefert zu haben. Ein Marionette, der es an jeglichem Charisma mangelt und die sämtlichen Bitten und Offerten von Lebensrechts- und sämtlichen Behindertenverbänden zum Trotz ein Gesetz zur Tötung und Vernichtung von Embryonen unterschrieb. Die jetzige Kreditaffäre ist also nur der vorläufige Höhepunkt einer misslungenen und farblosen Amtsführung. Demokratie lebt vom Vertrauen der Bürger in die Politik. Um weiteren Schaden von ihr abzuwenden, sollten jetzt persönliche Konsequenzen folgen.

Martin Saumer, per E-Mail