Leserbriefe

"Fader Beigeschmack"

Es mag durchaus sein, dass die frühere Tätigkeit des Ex-Senators als Notar bei Immobiliengeschäften nach den Gesetzen und den Regeln der Berliner Notarkammer nicht beanstandet werden kann. Es gibt jedoch auch einen moralischen Beurteilungsmaßstab für Handlungen am Rande gesetzlicher Grenzen oder in gesetzlichen Freiräumen. Demzufolge war der Rücktritt unabdingbar und vermeidet vielleicht, dass dem ramponierten Imagebild der Politikerkaste ein weiteres Puzzlestück hinzugefügt wird. Dass der elftägige Verteidigungskampf des Senators nun mit einem sechsmonatigem Übergangsgeld belohnt werden soll, liegt ebenfalls im Rahmen gesetzlicher Regelungen, hinterlässt jedoch einen faden Beigeschmack.

Klaus Herrmann, Lichtenrade

Wie pervers ist Politik eigentlich? Es ist ein Schlag ins Gesicht all derer, die ehrlich arbeiten, ohne sich etwas zuschulden kommen zu lassen, wenn ein Politiker, der wegen eigener Verfehlungen zurücktreten muss, nach so kurzer Amtszeit ein derart hohes Übergangsgeld bekommt. Herr Braun sollte auf dieses Geld verzichten, da er in seinem Beruf als Anwalt genug verdient.

Oliver Laudahn, per E-Mail

Da hatte die Berliner CDU mühsam ihre Oberfläche poliert, jetzt ist alles schon wieder zum Teufel. Der Klüngel meldet sich zurück. Ein Notar als Justiz- und Verbraucherschutzsenator. Na, das klingt doch gut und kompetent. Und dann das. Mit Vorverurteilung hat das nichts zu tun, wenn empörte Wähler seinen Rücktritt verlangen, denn er hat ja selbst eingeräumt, bei "mindestens zehn" derartigen Beurkundungen mitgewirkt zu haben. Mitgewirkt - so klein macht sich ein Notar sonst nicht. Er hält sich stets für die dominierende Haupt- und Amtsperson. Braun hat unausweichlich täglich mit Kaufverträgen zu tun. Er kennt die Kaufpreise, kennt die Baubeschreibungen, die er üblicherweise verlesen muss, und gibt sich hier offensichtlich mit einem "gekauft wie besichtigt" zufrieden. Er kennt insbesondere die Verkäufermischpoke. Braun wird nicht nur das Amt, sondern auch seinen Ruf los.

Winfried Pursche, Kreuzberg

Chapeau und Dank, dass Sie als Zeitung der Verflechtung von skrupellosen Immobilienverkäufern, Notaren und Finanzierern im Zusammenhang mit Schrottimmobilien eine so umfassende journalistische Recherche angedeihen ließen. Als Hubertus Knabe hinter der mehr als berechtigten Verbraucherkritik an Herrn Braun und seiner Kanzlei pauschal gar eine Verschwörung und Racheaktion von Stasi-Seilschaften vermutete, sah ich schon das Aus für die dringend notwendige Diskussion.

J. Linke, Charlottenburg

Durch die Affäre um Michael Braun sowie seinen Rücktritt nach nur wenigen Tagen als Senator ist die Berliner CDU arg beschädigt. Und auch der Berliner CDU-Vorsitzende Frank Henkel hat sich mit der Benennung dieses Parteifreundes keinen guten Dienst erwiesen. Nicht nur dass Zweifel an der wirklichen Erneuerung dieser Partei aufkommen, sondern es erinnert an die Zeit bis 2001, als die CDU, aber nicht nur sie, sehr verfilzt war. Hat Frank Henkel die Partei wirklich erneuert, oder arbeiten die alten Seilschaften weiter, nur der Kopf wurde ausgetauscht?

Wolfgang Reichelt, per E-Mail

Der Rücktritt war ja trotz anfänglicher Bemühungen, die notariellen Fehlhandlungen zu leugnen, schließlich unvermeidbar. Es ist zwar sonderbar, wie man sich im Bewusstsein seiner nicht korrekten beruflichen Verhaltensweise dennoch um das Amt bemühen konnte, aber nicht minder unverständlich, wie Michael Braun sogar offenbar ohne gewissenhafte Prüfung seiner Partei und des Parteivorsitzenden Henkel mit diesem Amt betraut wurde.

Harry Döring, per E-Mail

Angekündigte Verkehrskonzepte bislang nicht bekannt

Zum Artikel: "Über den Rand des Flugfelds hinaus geplant" vom 12. Dezember

Die Prognose von jährlich drei Millionen Besuchern für die Zentrale Landesbibliothek ergibt eine tägliche Besucherzahl von mehr als 8000. Schon heute ist der Tempelhofer Damm ständig verstopft, das gesamte Umfeld zugeparkt, und die Gartenstadt Neu-Tempelhof muss Schleichwegraser auf einspurigen Straßen mit Gegenverkehr ertragen. Bezirk und Senat ist in den vergangenen Jahren weiter nichts eingefallen, als in einigen Straßen Tempo-10-Schilder aufzustellen. Hinzu kommt beim Thema Parken die pauschal für Berlin vertretene Ideologie, keine Parkplätze auch an solchen Bereichen - etwa auf dem Tempelhofer Feld - einzurichten. Eine Parkraumbewirtschaftung ist wohl kaum vermeidbar, würde aber nichts an den Verkehrsproblemen ändern.

Herbert Meyer, Tempelhof