Leserbriefe

"Alles hat zwei Seiten"

Mehr als 30 Jahre lang haben meine Frau und ich uns in der Berliner CDU an exponierter Stelle engagiert, haben Wahlkämpfe bestritten und für soziale Einrichtungen gearbeitet. Jede freie Minute haben wir dieser Partei geopfert, aber wir haben es gern getan. Bis wir vor einigen Jahren in den Kreisverband Zehlendorf wechselten und dort erleben mussten, wie die Wellmanns, die Lehmann-Brauns und die Brauns diese Partei majorisierten, Querelen und Intrigen anzettelten und nicht an dem Wohlergehen der Partei, sondern nur an ihrer eigenen Politkarriere interessiert waren. Aus Enttäuschung darüber haben wir diese Partei verlassen. Die jetzt erfolgte Degradierung des Herrn Braun ist für uns eine späte Rechtfertigung für unseren Austritt und eine Genugtuung.

Horst Schmidt, Dahlem

Der wahre Skandal ist, dass es offenbar Politiker gibt, die schon lange von den Verkäufen wussten, ihr Wissen aber zum Nachteil der geschädigten Käufer zurückgehalten haben. Es muss jetzt sofort eine lückenlose Aufklärung geben, wer wann was gewusst hat. Und die Verantwortlichen müssen alle zur Rechenschaft gezogen werden.

Klaus Mewes, per E-Mail

Nach der Rekordzeit von zwölf Tagen nimmt Berlins Justizsenator seinen Hut und verlässt die Senatsbühne. Ein Schritt, der fällig war. Die CDU sollte froh sein und jetzt eine integere Person vorschlagen, die über jeden Verdacht erhaben ist.

Geld ist nicht alles in der Welt, etwas Moral und vor allem Anstand sollten auch im Beruf des Notars vorhanden sein.

Thomas Hansen, Reinickendorf

Alles hat zwei Seiten. Auf der einen Seite gibt es die gierigen ahnungslosen Käufer und auf der anderen Seite die klugen Immobilienverkäufer, und dazwischen hängt dann der Notar. Ob Herr Braun diese Geschäfte, die nicht ungewöhnlich sind, wenn Käufer und Verkäufer sich einig sind, zu vertreten hat, wird woanders entschieden.

Anita Stemplinski, per E-Mail

Michael Braun hätte sich den Ärger wohl ersparen können, wenn er bei der Senatsneubildung von vornherein auf das Politikfeld Verbraucherschutz verzichtet hätte, das mit den Aufgaben der Justiz so gut wie gar nichts zu tun hat. Arbeitsschutz, technische Sicherheit, Medizinprodukte, Chemikalien, Lebensmittelsicherheit, Veterinärwesen und Arzneimittelsicherheit sind Aufgaben vorwiegend technischer, medizinischer und naturwissenschaftlicher Art. Etwaige kritikwürdige Vorgänge in Herrn Brauns Notariat wären dann wohl kein spezifisches Hindernis für seine weitere Amtsführung gewesen.

Walter Weise, Dahlem

Großbritannien will nur den Exportmarkt sichern

Zum Artikel: "Am europäischen Abgrund" vom 11. Dezember

Wenn es eine Chance gibt, nicht in den europäischen Abgrund zu fallen, dann liegt sie im Zusammenschluss der Euro-Staaten, die erkannt haben, dass die Rettung in einer einigen Wirtschafts- und Finanzpolitik liegt. Dass Großbritannien hierbei nicht mitwirken will, ist sein gutes Recht. Es muss sich allerdings fragen lassen, warum es überhaupt der Union beigetreten ist. Für meine Begriffe ausschließlich aus wirtschaftlichen Gründen, um bessere Mitwirkungsmöglichkeiten zu haben, seinen wichtigsten Exportmarkt EU zu sichern. Der britische Premierminister David Cameron hat dies in völliger Klarheit geäußert: Ihm beziehungsweise seinem Land liegt nichts an Europa oder gar an seine Idee der Einigkeit. Sie brauchen es als Exportmarkt.

Joseph Geberth, per E-Mail

Zahlreiche Fachleute mit mehr IT-Erfahrungen

Zum Artikel: "Guttenberg wird Internet-Berater der EU-Kommission" vom 13. Dezember

Seit 1989 bin ich in der IT-Branche tätig und habe Ausbildungsbefugnis. Meine Erfahrungen auf diesem Gebiet sowie meine technischen Kenntnisse in Theorie und Praxis übertreffen die von Herrn zu Guttenberg mit Sicherheit bei Weitem. Glauben Sie, an einen der vielen IT-Erfahrenen tritt jemand heran und fragt, ob er beratend für die EU tätig sein will? Nein, Guttenberg bekommt den Posten. Das ist nicht etwas, worüber ich lachen kann, das ist Postengeschacher.

Hans-Udo Sattler, per E-Mail