Leserbriefe

"Drohender Bildungsnotstand"

| Lesedauer: 4 Minuten

Wer glaubte, die neue Koalition würde mehr für die Bildung tun, ist wohl eher enttäuscht. Wenn tatsächlich jeder dritte Lehrer geht, müsste man den Bildungsnotstand ausrufen, die Industrie so noch mehr über schlecht ausgebildete Arbeitskräfte klagen. Wenn man die Jungakademiker schon nicht verbeamtet, dann sollte man ihnen wenigstens ein faires finanzielles Ausgleichsangebot machen.

Christiane Lindner, per E-Mail

In Berlin werden nicht bedarfsgerecht Lehrer ausgebildet. Der Physiklehrermangel ist eklatant, trotzdem wurden für den Einstellungstermin Januar 2012 von den 30 Bewerbern um einen Referendariatsplatz nur 26 berücksichtigt. Vor einem Jahr hab ich mein erstes Staatsexamen mit der Note 1 abgeschlossen - und bin nun schon zum zweiten Mal auf später vertröstet worden. Neben der fehlenden Verbeamtung ist auch das ein Grund, mich in anderen Bundesländern umzusehen.

Boris Philipp, per E-Mail

Jeder dritte Lehrer will Berlin verlassen. Das fördert gewiss nicht den Arbeitsfrieden. Es sollte auf die anderen Bundesländer eingewirkt werden, die Verbeamtung generell abzuschaffen. Lehrer mit Beamtenstatus sind nicht kreativer oder leistungswilliger. Wer sich seiner Leistung und Arbeitskraft bewusst ist, braucht keinen Status. Ein sanftes Beamtenruhekissen erhalten verdienstvolle Beschäftigte nach 15 Jahren durch Unkündbarkeit im öffentlichen Dienst ohnehin. Die Verdienstspanne ist unerheblich. Wichtig ist der Arbeitsfrieden.

G.F. Einofski, per E-Mail

Ich arbeite als angestellter Lehrer in Berlin. Wenn die neue SPD-Bildungssenatorin Sandra Scheeres behauptet, dass die Gehälter angeglichen worden sind, irrt sie. Das unterschiedliche Gehalt - in meinen Fall etwa 500 Euro netto pro Monat - ist aber nur die Spitze des Eisberges. Weiterhin gibt es Unterschiede bei der Krankenversicherung und im Krankheitsfall, bei den Aufstiegschancen und den Zulagen. Nicht zu vergessen: Berlin wirbt verbeamtete Lehrer aus anderen Bundesländern ab. Also zieht das Argument, dass Beamte mehr kosten, nicht. Den meisten angestellten Lehrern geht es nicht um Verbeamtung, es geht um gleiches Geld für gleiche Arbeit. Wenn man die oben genannten Punkte betrachtet und man weiß, dass andere Bundesländer verbeamten, dann ist es klar, dass ein Großteil der angestellten Lehrer Berlin verlassen würde.

Max Redlich, per E-Mail

Unzulässig halbtags Arbeitende mit Vollbeschäftigten verglichen

Zum Artikel: "Deutsche Einkommen driften auseinander" vom 6. Dezember

An den Zahlen der OECD fällt auf, dass die Geringverdiener 2008 nur 900 Stunden, die Gutverdiener aber 2250 Stunden - mithin 2,5-mal so lange - gearbeitet haben. Errechnet man daraus die Stundenlöhne der beiden, so stehen 8,22 Euro 25,47 Euro gegenüber. Dieser Unterschied ist nicht mehr achtmal, sondern nur noch dreimal so groß und kein Anlass mehr für Alarmismus.

Gerd Müller, Tempelhof

Warum interessieren sich denn immer weniger Menschen für den Finanzmarkt? Weil dort nur der Gewinn für die Finanzunternehmen im Mittelpunkt steht. Zur Gewinnmaximierung sind alle Mittel recht - und das wird von der Politik noch unterstützt. Aus heutiger Sicht sind Lebensversicherungen in allen Formen keine Altersabsicherung, sondern eher künftiges Abschöpfungskapital für den Staat. Die Mehrzahl unserer Volksvertreter zeigt in diesem Punkt die gleiche Inkompetenz wie das gemeine Volk. Wer nicht in der Lage ist, den Finanzmarkt zu reglementieren, gleichzeitig das Volk in die Altersarmut lenkt und im Gegenzug für sich ein warmes Nest für die Zukunft bereitet, sollte auch keine politische Zukunft mehr haben.

Manfred Rosenbach, per E-Mail

Ein Teil der Berliner Nachkriegsgeschichte

Zum Artikel: "Warum Pan Am noch immer Kult ist" vom 4. Dezember

Vielen Dank für den tollen Bericht über den unvergessenen Flugpionier Pan Am. Gerade uns in Berlin bedeuteten diese fünf Buchstaben den Zugang zur freien Welt. Die Geschichte der Fluglinie mit ihren Aktivitäten auf dem Flughafen Tempelhof und später dann in Tegel wird unvergessen bleiben. Für ganz viele werden Start und Landung mit Pan Am, die Abfertigung in der großen Tempelhofer Halle, das Gewusel auf dem Vorfeld beim Laufen zum Flugzeug und auch manches Durcheinander ein Teil der Flugerfahrung bleiben. Es ist ein Teil der Berliner Nachkriegsgeschichte.

Lothar Otterstätter, Mariendorf