Leserbriefe

"Bloß keine Euro-Bonds"

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Ausgerechnet die Ratingagentur, die vor Kurzem Frankreich ganz aus Versehen herabgestuft hatte, maßt sich an, zu entscheiden, welches Land kreditwürdig ist und welches nicht. Da muss man sich doch fragen, wer daran interessiert ist, die Märkte in Bezug auf Europa zu verunsichern. Immerhin handelt es sich bei den drei weltgrößten Ratingagenturen um amerikanische Firmen. Es wird endlich Zeit, dass europäische Politiker nicht nur reden, sondern handeln: Dringend erforderlich ist eine eigene, unabhängige europäische Ratingagentur.

Oliver Laudahn, per E-Mail

Es kann und wird uns niemand zwingen, einer Vergemeinschaftung von Schulden zuzustimmen. Mehrfach ist den Schuldnerländern unter die Arme gegriffen, der Rettungsschirm ist erweitert worden. Ist das immer noch nicht genug? Nein, Euro-Bonds darf es nicht geben. Entweder die Schuldenmacher sparen endlich oder steigen aus.

Christian Lukner, per E-Mail

Noten- und Zentralbanken der Länder pumpen wegen des ungezügelten Renditefiebers und anderer Auswüchse der Schattenbanken und Portfolio-Unternehmen Unmengen an Geld in stockende Geldkreisläufe und desolate Volkswirtschaften und bewirken damit nicht nur eine Atomisierung der politischen Strukturen der Eurostaaten, sie geben einen Freibrief für Kleptokratien. Mit der konzertierten Aktion der Zentral- und Notenbanken wird ein Grundprinzip westlicher Demokratien, das Prinzip Hilfe zur Selbsthilfe, aus den Angeln gehoben. Die vermeintliche Hilfeleistung für desolate Systeme außerhalb staatlicher Kontrolle hat mehrere Ziele. Es soll weltweit die Stimmung möglicher Investoren für fragwürdige Geschäfte und die der Gewinner aus der Schuldenkrise anheizen. Die Hilfsaktion von außen legitimiert die Euro-Staaten, denjenigen Bürgern, die am allerwenigsten die Finanz- und Schuldenkrise verursacht haben, alle Lasten und Pflichten zur Behebung aufzubürden. Banken und Finanzjongleure bekommen eine Option, um gestärkt aus der Krise hervorzugehen, neoliberale Prinzipien können noch mal einen Sieg für sich verbuchen. Nicht zuletzt sind diese "Hilfen" auch der Versuch, den Einfluss und das Engagement Chinas als stärkste Finanz- und zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt zurückzudrängen.

Rolf Kaufmann, per E-Mail

Die Aussagen zu Europa auf dem SPD-Bundesparteitag von verschiedenen Persönlichkeiten sind mehr als dürftig. Insbesondere der Appell von Helmut Schmidt, der Euro sei nicht in Gefahr, spricht der Realität Hohn. Immerhin war es die sozial-liberale Koalition der 70er-Jahre, die den Marsch in den Schuldenstaat begann. Sie vertrat eine Philosophie, die in Anbetracht von fast zwei Billionen Euro Schulden mehr als gescheitert ist. Als Kanzler sagte Schmidt, vier Prozent Inflation seien ihm lieber als vier Prozent Arbeitslosigkeit. Am Ende seiner Amtszeit hatte er beides. Helmut Schmidt verdient ob seines Alters Respekt, aber seine Zeit als Politiker ist abgelaufen. Aber auch andere SPD-Politiker sollten sich mit Kritik an der Bundesregierung zurückhalten. Die Schuldenkrise ist weltweit, und die Menschen haben Angst um ihr Geld. Darauf sollte gerade die SPD Rücksicht nehmen und die Zusammenarbeit mit der Regierung suchen.

Wolfgang Reichelt, per E-Mail

Wenn der von mir geschätzte Altkanzler Helmut Schmidt meint, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel Deutschland mit ihrer Politik in Europa isoliert und das Auftreten der Bundesregierung mit der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg vergleicht, ist meine Achtung vor seinen Leistungen aufgebraucht. Europa wurde durch zwei wahnsinnige Kriege stark geschädigt, das muss sich doch nicht durch einen finanziellen Zusammenbruch Deutschlands und in Folge der gesamten Euro-Zone in anderer Form wiederholen. Helmut Schmidt macht der "Wahn der Deutschen, sich in der Euro-Schuldenkrise aufzuspielen" Sorgen. Mir macht es viel mehr Sorgen, wenn Euro-Bonds kommen und Deutschland dann finanziell kollabiert. Nein, eine finanzielle Solidarität Deutschlands durch eine Vergemeinschaftung der Schulden darf es nicht geben, und darum ist die Härte der Bundeskanzlerin gut für Deutschland und Europa. Dass EU-Technokraten auch noch das finanziell am Boden liegende Kroatien als 28. Land in die EU aufnehmen wollen, ist angesichts der bestehenden finanziellen Probleme der EU nicht nachvollziehbar.

Klaus Okrafka, per E-Mail

Meine Bewertung der Koalition ist eher kritisch als zustimmend, die Opposition würde noch eher den Abstieg in das Finanz- und zu erwartende Schuldenchaos beschleunigen. Frau Merkel kämpft zwar noch gegen die Vergemeinschaftung der Schulden, schwächt allerdings schon mit nicht mehr klaren Aussagen ihre ehemals eindeutige Festlegung auf die Euro-Politik ab.

Harry Döring, per E-Mail