Leserbriefe

"Die Vorwürfe sind überzogen"

Wer schon einmal mit einer Schrottimmobilie betrogen wurde oder einen solchen Betrugsfall im Bekanntenkreis hatte, weiß, wie viel Leid und Sorgen den Betroffenen durch skrupellose Strukturvertreter und mit ihnen arbeitende Notare zugefügt wird. Bei solchen Geschäften geht es oft an die nackte Existenz und die Gesundheit ganzer Familien. Eine mögliche Beteiligung von Michael Braun an solchen Anlagebetrugsfällen muss mit aller Ernsthaftigkeit aufgeklärt werden. Ist die notarielle Beihilfe zu solchen Geschäften in Deutschland nicht rechtswidrig, so ist doch ihre moralische Verwerflichkeit eines Justizsenators nicht würdig. Dass die Notarkammer die Vorwürfe für "haltlos" hält, ist nicht verwunderlich, halten doch alle Berufskammern ihre schützende Hand über die beitragszahlenden Mitglieder.

Simon Nickel, per E-Mail

Ganz abgesehen davon, dass sowohl der Verbraucherschützer Resch als auch der "Spiegel" eine merkwürdig verworrene Vorstellung von der Aufgabe eines Notars zu haben scheinen, berührt es doch peinlich, dass gerade in dem Moment geschossen wurde, als Michael Braun seine Ernennungsurkunde zum Senator in den Händen hielt. Hat man von den kritisierten Vorgängen nicht schon vorher gewusst?

Rolf Pilgram, Schöneberg

Mein Mann und ich haben vor mehr als zehn Jahren eine völlig überteuerte Immobilie in Leipzig gekauft. Die Vorgehensweise war genauso. Eigentlich sollte es sich um ein Kaufangebot handeln, im Endeffekt war es ein Kaufvertrag. Geplant war der Besuch beim Notar nicht. Durch Zufall hatte der Notar aber noch einen freien Termin, der dann innerhalb von 30 Minuten in Anspruch genommen wurde. Die Unterlagen wurden uns so schnell vorgelesen, dass uns schwindlig wurde. Jetzt haben wir diese Immobilie am Hals, und es ist fraglich, ob wir sie jemals wieder verkaufen können. Man wird wütend, wenn man liest, dass es solche Leute gibt, die sich immer wieder herauswinden und dann noch Karriere in der Politik machen.

G. Hohenwald, per E-Mail

Ich finde die Vorwürfe gegen Michael Braun reichlich überzogen. Auch ich bin Eigentümerin einer kleinen Wohnung, habe diese zur Selbstnutzung im Mai erworben und kenne also das Prozedere der Anwälte. Ich denke, es läuft überall korrekt ab. Wenn natürlich geldgeile, ahnungslose Kapitalanleger Wohnungen erwerben, welche selbst nicht einmal die Mittel haben, genau diese zu erwerben, also alles per Kredit finanzieren und sich selbst kaum die Mühe machen, die Immobilie und die Verträge richtig unter die Lupe zu nehmen, sind sie selbst Schuld an ihrem Dilemma.

Gabi Sielaff, Zehlendorf

Es ist schon äußerst peinlich, wenn ein Vorstandsmitglied der Verbraucherzentrale als Jurist wider besseres Wissen gegen Senator Michael Braun herzieht, der als Notar lediglich seinen Pflichten nachgekommen ist, indem er von einem - in Fachkreisen durchaus üblichen - Verfahren der Angebotsbeurkundung Gebrauch macht. Der Notar kann und muss überhaupt nicht beurteilen, ob die wirtschaftliche Vertragsgrundlage zu beanstanden ist, auch Motivforschung gehört nicht zu seinen Aufgaben.

Alfred Jedrzejczyk, per E-Mail

Die Beschuldigungen des Vorsitzenden der Verbraucherzentrale Brandenburg gegen Senator Braun sind beschämend und verleumderisch. Just am Tage seiner Ernennung präsentiert Jochen Resch seine Beschuldigungen. Zufall oder ein abgekartetes Spiel von Neidern, politischen Gegnern oder schlimmen Denunzianten?

Otto Dreksler, per E-Mail

Berufung, Hingabe, Empathie und Liebe für Mitmenschen sind wichtig

Zum Serienteil "Lichter der Großstadt - Komponist, Töpferheld, Spaßmacher" vom 6. Dezember

Wieder ein ehrenamtlicher Held, der so einfach in Arbeit gebracht werden könnte. Es gibt so viele begnadete Menschen, die sich in dieser Stadt selbstlos und begeistert sozial engagieren. Viele davon würden gerne einen sozialen Beruf ausüben und aufnehmen, insbesondere wo es doch an allen Ecken und Enden an Personal fehlt. Vor allem auch viele ältere Menschen würden sich gerne gegen angemessene Bezahlung engagieren. Die Politik sollte sich darum bemühen, ebenso wie Firmen und soziale Einrichtungen, diese Menschen in Lohn und Arbeit zu bringen und ihre Qualifikationen nicht ausschließlich an akademische Zertifikate zu knüpfen. Nicht der allerbeste Abschluss qualifiziert den Pädagogen oder Sozialarbeiter, sondern eher Berufung, Hingabe, Empathie und Liebe für seine Mitmenschen. Und auch learning by doing ist eine fruchtbare Lösung für Menschen ohne Arbeit. Chancen und praktische Unterstützung brauchen viele Arbeitslose.

Valerie Wolff Metternich, per E-Mail